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Weil Eminem verhindert war
Wieviele Texte wurden schon verfasst. Wieviele Diskussionen geführt. Und wie oft ist schon darüber gesungen worden? Den großen Qualtinger sinngemäß zitierend: Es braucht hierzulande schon den endgültigeren Abgang, als den nach dem Konzert von der Bühne runter, um vom Publikum den gebührenden Applaus zu bekommen. Das wusste wohl auch Falco. Die Befindlichkeit der österreichischen Musikerseele stand immer wieder zur Diskussion, mindestens genauso oft wie die Befindlichkeit der heimischen Musikbranche an sich.
Das tut es auch noch immer, nur drängt sich die Annahme auf, dass der Minderwertigkeitskomplex der hiesigen Musiklandschaft sich allmählich zu einem selbstreflexiven Eingeständnis entwickelt: Mei Musik is net deppat. Unter all den Stilblüten, die im vergangenen Jahrzehnt ihr musikalisches und/oder unterhaltsames Talent auf der Bühne der Amadeus Awards präsentiert haben, war natürlich die eine oder andere gelungene Performance heimischer Künstler dabei – und die Kaiser Chiefs als schmückendes Beiwerk? Es könnte auch schlimmer sein ...
Der Pate und seine Schäfchen
Im Jahr 2000 realisiert Mario Rossori – Musikproduzent, Chef des heimischen Platten - Labels Pate Records und Erfinder des Amadeus – im Auftrag des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI Austria) zum ersten Mal die Idee eines österreichischen Musikpreises. Im Vergleich zu internationalen Formaten und zu dem, was in den Jahren danach an Star - Aufgebot folgen soll, noch eher mau: Stargast des Abends ist Al Bano Carrisi. Die Awards für "Single des Jahres National" und "Newcomer des Jahres National" gehen an DJ Ötzi. Lauryn Hill, die Red Hot Chilli Peppers und Lenny Kravitz – sie alle bekommen einen Preis.
Ostbahn Kurti, Falco und Simone auch. Soweit so gut und von Verkaufszahlen bestimmt. Im darauf folgenden Jahr versucht sich Hubert von Goisern bei der Gala zur Verleihung des Musikpreises an einer mutigen Dankesrede, in der er die mangelnde Präsenz österreichischer Musik im ORF kritisiert. Mit der neuen Kategorie "FM4 Alternative Act des Jahres", für die heimische Künstler nominiert sind und der vom Publikum des Radiosenders gewählt wird, wird ein junger Schwerpunkt gesetzt. Dennoch: Nominierte wie Gewinner der Awards kommen mehrheitlich aus dem musikalischen Mainstream.
Ein Fehler im System? Die offizielle österreichische Verkaufs-Hitparade gibt die Nominierten vor, aus denen eine Jury, bestehend aus 400 Personen aus der Musik- und Medienbranche, die Sieger auswählt. Wären – wie es im Jahr 2003 theoretisch der Fall sein hätte können – die Nominierten der Kategorie "Album des Jahres International", die Red Hot Chili Peppers, Robbie Williams, Shakira und Eminem, zu den Amadeus Awards gekommen, um wenigstens den Anschein zu erwecken, als würde sie das alles interessieren, wären die Nörgler wohl stumm geblieben. Sind sie aber nicht. Weil Eminem leider doch kurzfristig verhindert war. Oder so ...
2004 dann endlich ein Lichtblick.
Christina Stürmer wird zur Protagonistin der Amadeus Awards. Ein heimischer Exportschlager, mit ihr wähnt sich die österreichische Musiklandschaft aus der Krise gesungen. Insgesamt acht Awards hat Christina Stürmer seither mit nach Hause genommen und sie hält damit den Rekord (vor DJ Ötzi mit fünf und Falco sowie Herbert Grönemeyer mit je vier Preisen). Dass sie heuer nicht unter den Nominierten ist, hat mancherorts für Verwunderung gesorgt. Dass mit dieser Tatsache allerdings eine gewisse Vorhersehbarkeit, symptomatisch für die Charts des Mainstreams als ehemaligen Gradmesser, einer zumindest in Ansätzen authentisch vorhandenen Spannung gewichen ist, darf 2009 in die Annalen der Amadeus Austrian Music Awards eingehen.