|
|
||
|
|
|
WERBUNG Online-Games |
Stadt der Blinden
Das soziale Konstrukt als äußerst zerbrechliches Kartenhaus erfährt seine frappierende Visualisierung in "Die Stadt der Blinden", einem Film von Star - Regisseur Fernando Meirelles, der mit der Farbexplosion voller Gewalt "City Of God" bekannt wurde. Der Filmemacher wagte sich an die schwierige Aufgabe, den gleichnamigen Roman von Literaturnobelpreisträger Jose Saramago auf die Leinwand zu bringen. Einige Bewohner einer Stadt sind vom Ausbruch einer mysteriösen, ansteckenden Blindheit betroffen. Die Regierung weiß sich nicht anders zu helfen, als alle Erkrankten in Quarantäne zu stecken, wobei die Versorgung dort bald ausbleibt. Eine einzige unter den Betroffenen, die Frau (Julianne Moore) eines erblindeten Arztes, kann unergründlicherweise sehen. Durch sie wird der Zuseher durch das bald ausbrechende Chaos geführt. Immer mehr zerfällt das soziale Gefüge und die moralische Verrohung nimmt Überhand. Aufgrund von Nahrungsmangel bilden sich Gruppen, die sich bekämpfen.
Vergewaltigungen, Raub und das Waten der Protagonisten durch den eigenen Unrat prägen den neuen Alltag. Nach dem Höhepunkt der Eskalation, einem Mord, kommt die Gruppe frei und findet sich in einer von allen Kontrollorganen verlassenen Stadt voller Blinder wieder. In dieser apokalyptischen Dystopie versucht eine kleine Schar rund um die Protagonistin (Moore) zu überleben. Der symbolträchtige Film überzeugt durch eine Narration voller Perspektivenwechsel, eine raffinierte Kameraführung und eine farbarme Ästhetik. Schauspielerisch sticht vor allem Moore hervor. An seine eigenen Grenzen stößt der Film nur dann, wenn die Ausnahmesituation zu plakativ anmutet. Dies liegt aber mehr am Genre, da der Film weniger Spielraum lässt als das Buch, das ohne Gefahr des Kitsches weiter gehen kann. Die Verfilmung ist jedoch generell sehr gelungen ausgefallen und veranschaulicht die seelischen Abgründe der Menschheit.
Regie: Fernando Meirelles
Label: Rhombus Media