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Just Like A Woman
Die 1971 geborene Tochter des legendären französischen Chansonniers Serge Gainsbourg und der britischen Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin stand schon früh vor der Kamera. Ihr Filmdebüt gab sie bereits im Alter von 13 Jahren an der Seite von Catherine Deneuve und Christopher Lambert in der Romanze "Duett zu Dritt". Es folgten Filme mit Claude Miller ("Die kleine Diebin") und Agnès Varda ("Die Zeit mit Julien") bevor sie in der Verfilmung von Ian McEwans "Der Zementgarten" in der Rolle der Julie international für Aufsehen sorgte. Gainsbourg arbeitete mit so arrivierten Regisseuren wie Franco Zeffirelli ("Jane Eyre") oder Patrice Leconte ("Félix et Lola") zusammen, konnte aber auch in Marion Vernouxs Romantic - Comedy "Love, etc." überzeugen. Zuletzt war sie an der Seite von Gael García Bernal in Michel Gondrys wahnwitzigem "Science Of Sleep"
sowie in Todd Haynes Bob Dylan - Annäherung "I'm Not There" auf der Kinoleinwand zu sehen. Ebenso wie ihre Mutter versucht sich auch Charlotte Gainsbourg immer wieder als Sängerin. Bereits 1984 nahm sie gemeinsam mit ihrem Vater das Duett "Lemon Incest" auf. Zuletzt erschien das somnambule Album "5:55", welches ihr die beiden Faserschmeichler von Air auf den Leib schneiderten. Auch Jarvis Cocker und Neil Hannon von The Divine Comedy waren mit von der Partie. Zum Soundtrack von »I’m Not There« steuerte sie gemeinsam mit den Wüstenrockern von Calexico ein gehauchtes Cover von "Just Like A Woman" bei. Anfang nächsten Jahres soll das neue Album der vielseitigen Französin – eine Kollaboration mit Beck – erscheinen. andreas kössl
Ganz schön kontroverse Rolle, Mrs. Gainsbourg. Wie viel Mut mussten Sie dafür aufbringen?
Mit Mut hat das nichts zu tun. Ich wollte lediglich mit Lars von Trier arbeiten. Für einen Film, in dem ich mich ausdrücken kann.
Masturbation, Sexspiele und perverse Meuchelei: all das hat Ihnen nicht eine Sekunde zu denken gegeben?
Als Schauspielerin bin ich auf der Suche nach extremen Erfahrungen. Um die Rolle zu spielen, musste ich zu diesen Szenen bereit sein. Das war auch deshalb spannend, weil ich bin normalerweise eher reserviert und schüchtern bin, vor allem was meinen Körper angeht. Natürlich war ich nervös, natürlich war ich ängstlich! Aber noch mehr habe ich mich glücklich geschätzt, diese Rolle spielen zu dürfen.
Haben Sie als Schauspielerin jemals zuvor vergleichbar intensive Szenen gespielt?
Nein, nie. So schnell wird eine solche Rolle auch sicherlich nicht wieder kommen.
Dann ist die Frage wohl berechtigt, wie schnell Sie nach den Dreharbeiten wieder ins normale Leben und Denken zurückkehren konnten?
Ich kann das, was Vergangenheit ist, ziemlich schnell hinter mir lassen. Aber müde war ich schon.
Und selbstbewusster, körperbetonter?
Nein. Ich mag mich in dieser Rolle nicht sehen. Aber während der Dreharbeiten war mir das egal.
Haben Sie sich den Film vor der glamourösen Weltpremiere in Cannes angesehen?
Ich musste den Film auf französisch synchronisieren, deshalb kannte ich jede Sekunde. Ich denke, das war auch nötig und gut so.
Und? Mit was für einem Gefühl saßen Sie später im großen Auditorium, inmitten hoher Würdenträger und der Weltpresse?
Es ist nicht unbedingt angenehm, sich diesen Film anzusehen, aber ich habe mich trotzdem dabei unterhalten. Die Masturbationsszene hat mir etwas zu schaffen gemacht, aber ich habe mich nicht geschämt. Ich bin stolz auf diesen Film.
Und Ihr Ehemann Yvan Attal?
Zuerst war er geschockt. Aber dann hat er verstanden, wie es gewesen sein muss, mit so einem Regisseur zu arbeiten. Als er den Film dann zum zweiten Mal sah, hat er ihn geliebt.
In der offiziellen Pressekonferenz dagegen gab es neben Jubelstimmen auch sehr viele empörte Buh - Rufe und die unbedingte Forderung an Trier, sich für diesen Film zu rechtfertigen.
Ich war mir bewusst, dass dieser Film Wellen schlagen wird und war darauf vorbereitet. Aber so viel Wut hätte ich nicht erwartet. Es war, als ob Lars ein Verbrechen begangen hätte. Ich fand es teilweise sehr übertrieben.
Warum wollten Sie um alles in der Welt mit Lars von Trier drehen?
"Breaking The Waves", "Idiots", "Dogville"? Ich vergöttere seine Arbeit. Der Ausdruck "großer Fan" wäre untertrieben.
Von Trier lässt die Zuschauer bei diesem Film wie so oft verstört und mit der Frage nach dem Sinn und der Bedeutung zurück. Hat er Ihnen den Film erklärt?
Nein. Beim ersten Treffen dachte ich noch, dass ich viele Antworten benötigen würde, um diese Rolle zu spielen. Aber er machte dicht. Bis heute beruft er sich darauf, es auch nicht zu wissen. Ich habe das respektiert, ich mag Mysterien, die eigene Antworten aufdrängen. Aber ob ich den Film verstanden habe? Ich weiß es nicht.
Auch keine Ahnung, was der Titel bedeuten soll?
Nein. Selbst das wollte Lars nicht sagen.
Hat er Ihnen sonstige Hilfestellung bei der Vorbereitung auf diese schwierige Rolle gegeben?
Ich sollte mir drei Filme ansehen: "The Mirror" und "Solaris" von Andrei Tarkovsky, außerdem "The Night Porter" von Liliana Cavani.
Wie kam er überhaupt auf Sie?
Meine Agenten wussten, dass er diesen Film machen würde und drängten auf ein Kennenlernen. Er sagte ja, ich flog zu ihm nach Dänemark. Welche anderen Schauspielerinnen er neben mir in Erwägung zog, habe ich nie erfahren.
Wurde seine Persönlichkeit Ihren Erwartungen gerecht?
Es war ein seltsames Treffen. Man hatte mir gesagt, dass er ein ziemlich komplizierter und auch komplexer Typ sei, aber auf ein derart intensives Ausmaß war ich nicht vorbereitet. Er war ruhig, aber trotzdem so nervös und voller Spannung, dass ich mir plötzlich fast schon banal und uninteressant vorkam. Als ich ging, war ich fest davon überzeugt, dass er überhaupt nicht an mir interessiert war.
Doch dann sagte er zu. Mit welcher Begründung?
Ohne Begründung natürlich. Bis heute.
Wann kam Willem Dafoe ins Spiel? Hatten Sie vorab Treffen, um den intimen Szenen etwas die Drastik zu nehmen?
Wir trafen uns zum ersten Mal in dem Hotel, in dem wir gemeinsam mit Lars für zwei Monate lebten. Wie das erste Treffen auf persönlicher Ebene ablief? Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich war mit meinen Gedanken schon ganz woanders.
Was hat Ihnen die größten Schwierigkeiten bei der Darstellung bereitet?
Szenen, in denen man lange meine kleinen Brüste sah. Ich habe fast gar keine, es war früher meine größte Scham. Und die Panikattacken. Ich hatte noch nie eine, wusste nicht, ob ich über- oder untertreibe. Lars konnte mir sehr dabei helfen. Er hat sie ständig und konnte sie detailliert beschreiben. Bis ins kleinste Detail.
Von Trier provoziert die Masse mit seiner Kunst, genauso wie Ihre Mutter, die Schauspielerin Jane Birkin, und Ihr Vater, der Sänger Serge Gainsbourg das getan haben. Wie stark hat es Sie geprägt, in so einem Umfeld aufzuwachsen?
Ich habe die Provokation in meiner Jugend gar nicht mitbekommen, sondern wuchs sehr behütet auf. Ich bekam zwar mit, dass meine Mutter in "Je t'aime… moi non plus" in Sexszenen zu sehen war, aber es hat mir auf Dauer nicht geschadet. Das hat mir vielleicht auch ein Stück weiter die Rechtfertigung erleichtert, auch so eine Rolle spielen zu dürfen. Denn natürlich fragt man sich: was, wenn meine Kinder den Film später einmal sehen? Oder auch nur davon hören? Meine Kinder Ben und Alice sind immerhin erst sechs und zwölf Jahre alt.
Wie denkt Ihre Mutter denn über »Antichrist«?
Sie sah es ganz locker und war mir bei den Dreharbeiten eine große Hilfe. Es war gut, jemanden zu haben, dem ich jedes einzelne Detail erzählten konnte – und der auch in der Lage war, dem ganzen etwas Humorvolles abzugewinnen. Ich brauchte diesen Ausgleich dringend.