|
|
||
|
|
|
WERBUNG Online-Games |
Väter und Söhne
Der Mitt - 30er Ratz (Helmut Köpping) leidet unter seinem übermächtigen Vater (Christian Tramitz), ein erfolgreicher sozialdemokratischer Politiker, der es bis zum Minister geschafft hat. Für die Karriere hat der Vater jedoch seine Ideale und seine Familie geopfert, weshalb Ratz nur unbändigen Hass für ihn übrig hat. Zurückgezogen brütet der Computer - Nerd über einem von ihm entwickelten Ego - Shooter, in dem es darum geht, den eigenen Vater auf mannigfaltige Art und Weise ins Jenseits zu befördern. Als er einen Anruf von seiner ehemaligen Kommilitonin Mimi (Sabine Timoteo) bekommt, die ihn bittet, sie in New York zu besuchen, folgt er ihrer Einladung. Er fühlt sich noch immer zu ihr hingezogen und wittert zudem die Chance, sein Computerspiel in den Staaten gewinnbringend zu verkaufen. In New York angekommen wird Ratz damit betraut, den Keller von Mimis Elternhaus auf Long Island zu renovieren, in dem sich ihr Großvater, ein litauischer Nazi, seit über 30 Jahren versteckt hält.
Im Laufe der Renovierungsarbeiten entwickelt er eine Art Zuneigung für den Alten, der – obwohl er seine Taten keineswegs bereut – eher schrullig und nicht wie eine Bestie wirkt. In einem weiteren Handlungsstrang gibt Ende der 50er - Jahre der litauische Jude Jonas Shtrom (Ulrich Tukur) die grausame Hinrichtung seiner Eltern während der NS-Okkupation Litauens zu Protokoll. Shtrom ist davon besessen, die Mörder seiner Familie ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen.
Fiktiver Konflikt und Reale Gewalt
Michael Glawogger, der sich vor allem mit seinen bildgewaltigen Dokumentationen "Megacities« und "Workingman's Death" einen Namen gemacht hat und dessen Spielfilmschaffen eher dem komischen Fach zuzurechnen ist ("Nacktschnecken", "Contact High"), versucht sich mit "Das Vaterspiel" an einem epischen Drama. Der Film destilliert aus Josef Haslingers knapp 600 Seiten starker Familiengeschichte eine fragmentarische Abhandlung über Schuld und Vergeltung, Generationenkonflikte sowie fiktive und reale Gewalt. In seiner Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus stellt "Das Vaterspiel" auch die Frage nach dem angemessenen Umgang mit NS - Kriegsverbrechern und thematisiert die Differenz zwischen moralischen Ansprüchen und deren praktischer Umsetzung – sowohl im Alltag als auch in Extremsituationen. Während Ratz seinem Vater vorwirft, seine sozialistischen Ideale für die Verlockungen des Kapitalismus verraten zu haben und gleichzeitig einem alten Nazi ein neues Heim baut, empfindet Mimi für ihren Großvater nur Abscheu, versteckt ihn aber, weil sie sich ihren verstorbenen Eltern gegenüber dazu verpflichtet fühlt. "Das Vaterspiel" stellt viele Fragen in den Raum, wartet aber zum Glück nicht mit einfachen Antworten auf.
Obwohl sich die einzelnen Handlungsfäden zunehmend verknüpfen, will es dem Film nicht ganz gelingen, die vielen Themen zu einem homogenen Ganzen zu vereinen. Zu sehr scheint alles konstruiert und fehlt es den Figuren an Leben.
"Das Vaterspiel"
Regie: Michael Glawogger
Darsteller: Helmut Köpping, Sabine Timoteo
Start: 27.11. (A) 26.11. (D)
Wertung: 6/10
www.dasvaterspiel.at