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Futureworld 2.0
In einer nahen Zukunft ist die Welt zum riesigen Abenteuerspielplatz für Barbie und Ken geworden. "Mach, was du willst und sei, wer immer du sein willst! Lebe dein Leben ohne Risiko und Gefahr!", verheißen die Werbeslogans jenes Unternehmens, das die Menschheit mit Surrogates versorgt. Diese Roboter mit menschlichem Antlitz ermöglichen es ihren Benutzern, ihr Leben völlig gefahrlos von zu Hause aus zu führen, wo sie sich verkabelt in der Horizontalen befinden. Grenzenloser Hedonismus ist angesagt. Alles ist erlaubt. Seuchen und Verletzungen existieren ebenso wenig wie Verbrechen und Gewalt. Doch die auf den ersten Blick so rosige Zukunft täuscht – die Realität ist düster. Die Menschen hinter den immer jungen und schönen Avataren sind alles andere als perfekt. Von Idealgesicht und makellosen Körpern keine Spur. Der Bewegungsmangel hat sich auf den Körper ausgewirkt, Medikamente haben die Gesichter aufgedunsen.
Paranoia hinter schöner Fassade
Die Menschen leben isoliert, leiden an Angstzuständen, bekommen Panikattacken, wenn sie ihre Häuser verlassen, und sind unfähig reale Beziehungen zu führen. Hinter der hochglanzpolierten Fassade lauert die Paranoia, und die heiße Braut aus dem Club entpuppt sich mitunter als fetter Glatzkopf. Als nach dem Mord an zwei Surrogates auch deren User tot aufgefunden werden und sich derartige Morde häufen, beginnt die Fassade zu bröckeln. Da die Regierung versucht, unter allen Umständen zu verhindern, dass der Eindruck entsteht, Surrogates seien gefährlich, werden FBI - Agent Tom Greer (Bruce Willis) und seine Kollegin Peters (Radha Mitchell) mit Ermittlungen betraut. Die Spur führt die Avatare der beiden Agenten schließlich zu einer Gruppe Surrogates - Verweigerer, die sich in maschinenfreien Zonen um ihren charismatischen Führer scharen, und einer Waffe, die es ermöglicht, durch die Surrogates auch deren Benutzer zu töten. Nachdem sein Surrogate nach einer wilden Verfolgungsjagd arg in Mitleidenschaft gezogen worden ist, muss sich Agent Greer von seinem Avatar lösen und sich als einziger hinaus in die wirkliche Welt wagen. Nachdem er schon mit "Terminator 3" Erfahrung mit Kino-Robotern sammeln konnte, adaptiert Regisseur Jonathan Mostow nun die gleichnamig Graphic Novel von Robert Venditti und Brett Weldele aus dem Jahre 2005/06 für das Popcorn - Kino. Der gesellschaftskritische Impetus der Vorlage interessiert Mostow aber nur in Ansätzen, lieber zündet er ein Actionfeuerwerk. Obwohl der erste Teil des Films Vendittis und Weldeles Zukunftsvision atmosphärisch und visuell eindrucksvoll in Szene setzt – die Eröffnungssequenz, die die Entwicklungen der vergangenen vierzehn Jahre zusammenfasst, ist grandios montiert – bricht der Film in dem Moment, in dem Agent Greer seinen Avatar und seine Angst hinter sich lässt und ganz zu Bruce Willis wird. Der ist zwar immer wieder sehenswert – aber schade um das verschenkte Potenzial ist es allemal.
"Surrogates – Mein zweites Ich"
Regie: Jonathan Mostow
Darsteller: Bruce Willis, Radha Mitchell
Start: 21.01. (A + D)
Wertung: 6/10