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Gott hat fünf Finger
Die knallgelbe Hautfarbe und lediglich vier Finger – das sind die Erkennungsmerkmale der Bewohner von Springfield, in diesem Paralleluniversum ist nur Gott mit fünf Fingern gesegnet. Lange wurde darüber gerätselt, in welchem US - Bundesstaat die Stadt Springfield denn nun liegt. Seit dem Kinofilm ist es offiziell: Springfield liegt in Vermont. 2007 hat dort auch die Weltpremiere von "Die Simpsons – Der Film" stattgefunden.
Sympathisch altmodisch muten "Die Simpsons" in ihrer Zweidimensionalität heute an, inhaltlich sind sie jedoch immer noch eine der intelligentesten und komischsten TV - Serien überhaupt. Am 17. Dezember 1989 erfolgt mit der Episode "Es weihnachtet sehr" der US - Serienstart der "Simpsons" auf Fox. Da die Serie den Durchbruch für den damals noch jungen TV - Sender bedeutet, wird dieses zwanzigjährige Jubiläum nun gebührend gefeiert. So werden die Fans zu einem Wettbewerb aufgerufen, bei dem es darum geht, einen neuen Charakter für Springfield zu kreieren, der in Zukunft in der Stadt leben soll und seinen ersten Auftritt an der Seite von Coldplays Frontmann Chris Martin im Jänner haben wird. Ebenfalls im Jänner wird auf Fox Morgan Spurlocks ("Super Size Me") Dokumentation "The Simpsons 20th Anniversary Special – in 3D! on Ice!" ihre Premiere feiern, wofür die größten Simpsons-Fans gecastet wurden. Auf dem Cover der Novemberausgabe des Playboys zeigt sich Marge Simpson hüllenlos, womit sie die erste Cartoonfigur ist, die sich für das US - Herrenmagazin ausgezogen hat. Eine dreiseitig Dessous - Strecke und der obligatorische Ausfalter in der Heftmitte komplettieren ihren Auftritt.
Seit September 1991 sind die Abenteuer der Simpsons auch im deutschsprachigen Fernsehen zu erleben. In den USA läuft derzeit gerade die 21. Staffel. Mit "Die Simpsons – Der Film" schaffen es die Bewohner von Springfield 2007 schließlich auch auf die große Leinwand. Eine Fortsetzung ist angedacht. Mittlerweile sind "Die Simpsons" ein riesiges Franchise - Unternehmen – neben zahlreichen Comics und Computerspielen gibt es vom Simpsons - iPod über die Simpsons - Unterhose bis zum sprechenden Simpsons - Flaschenöffner nichts, was es nicht gibt.
Entstanden in 15 Minuten
Alles beginnt im Jahre 1987. Der 1954 in Portland, Oregon, geborene Matt Groening zieht nach Los Angeles und schlägt sich dort mit diversen Jobs durch. Durch seine Comicreihe "Live in Hell" wird Produzent James L. Brooks auf Groening aufmerksam. Dieser fragt ihn, ob er für die "Tracey Ullman Show" ein Comic entwickeln könne. So entstehen – angeblich innerhalb von fünfzehn Minuten – die Simpsons und mithin eine der erfolgreichsten TV - Serien aller Zeiten. Von 1987 bis 1989 laufen "Die Simpsons" als Kurzfilm bei der "Tracey Ullman Show", wobei die Figurenzeichnung, wie auch noch in der ersten Episode, recht grob erscheint und die Folgen generell um einiges fieser und gemeiner sind. Erst in der zweiten Season bekommen die Simpsons jenes Aussehen, das wir heute kennen. Als Serie über einen gewitzten Lausbuben konzipiert, kreisen "Die Simpsons" anfangs um Bart, der wohl auch heute noch jedem renitenten Halbwüchsigen als Ikone dient. Doch immer mehr wird Vater Homer zum eigentlichen Helden bzw. Antihelden der Serie.
Homer ist die Verkörperung des ewigen Losers, ein Kleinbürger, ungebildet und stolz darauf. Homer ist hedonistisch und anarchisch, im Grunde ist er jedoch kein schlechter Kerl – mehr ein großes Kind, mit einem herrlich infantilen Sinn für Humor. Seine Tätigkeit als Sicherheitsinspektor im städtischen Atomkraftwerk macht ihn jedoch zu einem enormen Sicherheitsrisiko, denn der dickliche Homer ist nicht bloß völlig unqualifiziert, sondern auch ein riesiger Tollpatsch, der das Chaos anzieht, wie Motten das Licht. Die Stimme der Vernunft gehört in der Familie Simpson den Frauen. Doch auch sie haben ihre Macken und Fehler und werden gerade dadurch liebenswert. "Die Simpsons" stellen die typische amerikanische Durchschnittsfamilie aus der unteren Mittelschicht dar, die zwar nicht unbedingt als Vorbild taugt, jedoch alle Sympathien auf ihrer Seite hat. Der ehemalige US - Präsident Bush senior meinte einst, die Amerikaner mögen sich lieber die Waltons als die Simpsons zum Vorbild nehmen. Als Replik lieferten sich Homer und der Ex - Präsident in der Folge "Die bösen Nachbarn" einen erbitterten Nachbarschaftsstreit.
Im Grunde besteht jede Simpsons-Episode aus einer Abfolge von Gags, die durch einen Handlungsstrang zusammengehalten werden, der aber nicht zwingend notwendig erscheint. Unter der humoristischen Oberfläche verstecken sich subtile Sozial- und Gesellschaftskritik sowie jede Menge philosophische Aspekte. Obwohl nicht alle Episoden die gleiche hohe Qualität aufweisen, ist die Serie auch in ihrem zwanzigsten Jahr noch eine der subversivsten und bissigsten wie gleichwohl lustigsten und intelligentesten TV - Shows der Gegenwart, die doch von einer zutiefst humanistischen Grundstimmung durchzogen wird. Verschiedenste Phänomene der US - Alltagskultur werden aufgegriffen und mit jeder Menge schwarzem Humor satirisch kommentiert. Alle kriegen hier ihr Fett weg. "Die Simpsons" waren und sind immer auch eine Reaktion auf das Amerika der Gegenwart. Verschiedene Legislaturperioden, Skandale sowie kulturelle Strömungen haben Einzug in die Serie gefunden. Selbst vor Seitenhieben auf den eigenen Sender Fox, der zum Firmenimperium von Medienmogul Rupert Murdoch, bekannt für seine streng konservative Linie, gehört, machen die Serienmacher nicht Halt.
Heiß begehrte Cameo - Auftritte
Das Simpsons - Universum ist zudem voll von popkulturellen Querverweisen, Referenzen und Zitaten. Von "Das Fenster zum Hof" und "Citizen Kane" über "Akte X" bis zu "The Sopranos" und "Mad Men" reicht der Referenzreigen. Auch Agent Jack Bauer musste schon eingreifen, um einen terroristischen Schülerstreich zu verhindern. In einer der gelungensten Episoden der letzten Zeit "Bin runterladen" werden Apple - Chef Steve Jobs und der Apfel - Kult genüsslich durch den Kakao gezogen. Zahlreiche Schauspieler, Musiker, Politiker und Sportler statteten Springfield bereits einen Besuch ab, wobei die Promis ihren gelben Avataren meist auch ihre Stimme geliehen haben. Wer es in eine Simpsons - Episode geschafft hat, gehört zweifelsohne zur A - Prominenz. Unter den prominenten Springfield - Besuchern finden sich etwa Mel Gibson, Thomas Pynchon, John Waters, James Woods, Kim Basinger, Leonard Nimoy, Tony Blair oder Stephen Hawking. Johnny Cash hat jenem Coyoten, der Homer auf seinem "merkwürdigen Chili Trip" begleitet, die Stimme geliehen und Michael Jackson in "Die Geburtstagsüberraschung" einem dicklichen, glatzköpfigen Irrenhaus - Insassen, der sich selbst für den "King of Pop" hält. Auch Matt Groening selbst taucht Hitchcock - mäßig in der Serie auf – freilich mit einer Tüte über dem Kopf. Politiker wie George Bush senior oder Arnold Schwarzenegger, der im Simpsons - Film das Amt des US - Präsidenten ausübt, sind jedoch von Stimmenimitatoren gesprochen worden. Ein besonderer Leckerbissen sind die jährlich zu Halloween ausgestrahlten "Treehouse of Horror" - Episoden, in welchen lustvoll im Horror - Genre gewildert wird - von Edgar Allan Poes "Der Rabe" über Stephen Kings "Shining" bis zu David Cronenbergs "Die Fliege" und "28 Days Later" - ebenso wie das stets variierende Intro zur Serie, wobei der britische Fernsehsender Sky One eine geniale Real - Version produziert hat - nachzusehen auf YouTube. Jeder Simpsons - Fan hat wohl seinen persönlichen Lieblingscharakter. Ob nun der Schulschläger Nelson, Barts bester Freund Milhouse, der jüdische Clown Krusty oder sein bösartiger Ex - Gehilfe Sideshow - Bob, der frömmelnde, mit einem unfassbaren Sixpack unter dem keuschen Strickpulli gesegnete Ned Flanders, der Schauspieler Troy McClure, bekannt aus Filmen wie "Heute töten wir, morgen sterben wir" oder "Nimm mich, König von Montana", der trottelige Polizeichef Wiggum oder der mexikanische Bienenmann – auch wenn es sich nur um eine Nebenfigur handelt, jeder Charakter besticht im Simpsons-Universum durch Vielschichtigkeit und Detailverliebtheit.