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Planet Terror
Quentin Tarantino hat sich mit „Death Proof“ dem Thema „Grindhouse“ – nicht nur für seine Verhältnisse – überraschend subtil angenähert, seine ihm bekanntlich sehr am Herzen liegenden und in Maßen dosiert auch von Publikum und Kritik immer wieder gern beklatschten filmgeschichtlichen Querverweise und Insiderjokes sind eher unaufdringlich eingearbeitet, da hätte man von ihm durchaus andere Kaliber erwarten können, insbesonders, da das Projekt ja schon im Ansatz als Würdigung von Vergangenem und trashige Retro-Show angelegt ist. Das hat der alte Fuchs natürlich schon vorher gewusst und sich also ein wenig zurückgehalten, so ist ihm eine seiner formal stärksten, vermutlich die Zeit am Besten überdauernde Arbeit gelungen. Robert Rodriguez, Tarantinos alter Buddy, wählt nun den offensichtlichen, plakativen, scheinbar billigen Weg: Seine Hommage an das Kino von Schmuddel und Grauslichkeit ist äußerlich genau das, was auch uns Normalos von der Straße zum Thema einfallen könnte: Zombie-Splatter! The Horror, the Horror! Blut, Beuschel und Hirnfick! Warum hat das bislang eigentlich noch niemand so konsequent, so unterhaltsam umgesetzt? Liegt es an den finanziellen Mitteln?
Auch solche Filme brauchen einen Plot und „Planet Terror“ lässt sich da nicht lumpen. Das typische Setting: Eine US-amerikanische Kleinstadt in the middle of nowhere, alles hier ist Landstraße, Wald oder abgefuckter Drive-In. Die Autos sind verrostet, die Häuser schäbig, und das Essen schmeckt wie von letzter Woche. Die herausragende Rose McGowan gibt eine Go-Go-Tänzerin („I’m not a stripper! There’s a difference!“), die eigentlich viel lieber Stand-Up-Comedian wäre, Freddy Rodriguez ist der schweigsame Einzelkämpfer mit nebulöser Vergangenheit, zur gleichen Zeit McGowans lang verblühte Liebe aus besseren Tagen. Behutsam entspinnt Rodriguez die Geschichte und verwebt die Wege der Figuren miteinander, die Spannung darf sich langsam aufbauen, bis erwartungsgemäß das unerwartete Grauen hereinbricht. Nun dürfen Gliedmaßen abgerissen, Körpersäfte verspritzt und Köpfe gefressen werden. Das sieht gut aus und hat auch einiges gekostet, um so glaubwürdig den Eindruck des Billigen zu vermitteln. Letztlich sind abgewetztes Bildmaterial, schlechte Einstellungen, fehlende Szenen und all das bloß sympathisches Beiwerk zu einem sehr gelungenen Film, der so leicht zum reinen Ironie-Zirkus hätte werden können, zu einer Revue, in der alles in Anführungszeichen gemeint ist. Auf einem schmalen Grat wandernd verkommt der Film aber zu keinem Zeitpunkt zur studentisch-humorigen Verkultung, sondern ist vielmehr ein Verweis und gleichermaßen ein in sich funktionierender Beitrag zum Genre.
Regie: Robert Rodriguez
Darsteller: Rose McGowan, Freddy Rodriguez, Josh Brolin
Verleih: Senator
Start: 28. September