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Falco Fiction
Was is’ er denn / Was hat er denn / Was kann er denn / Was macht er denn / Was red’ er denn / Wer glaubt er, daß er is’. Hätte es Falco nicht gegeben, hätte man ihn erfinden müssen. Und gäbe es keinen Falco-Film, müsste man ihn machen. Darauf hat Österreich gewartet: Nicht nach 50, nicht nach 25 oder 20 Jahren, nein: Thomas Roth traut sich über das enigmatische Gravitätszentrum der österreichischen Populär-Kultur bereits nach zehn Jahren drüber – qua Selbstermächtigung. Und das trotz rülpsender Unkenrufe orthodoxer „Falco-Fans“. Respekt! Und Recht hat er! Wer, wenn nicht Thomas Roth? Der Phrasen sind genug gedroschen, lassen wir den „Falco Fiction“-Macher zu Wort kommen. Solche Regisseure braucht das Land!
Wie erreichte Sie Ihr „Falco Calling“?
Die Idee zum Film ist eigentlich schon recht bald nach Falcos Tod entstanden, aber es hat Zeit gebraucht, um ein bisschen Abstand zu bekommen und einen Produzenten zu finden, der sich mit Begeisterung, Leidenschaft und Engagement für das Projekt interessiert. Und das war dann vor jetzt bald schon drei Jahren, als Andreas Kamm von der MR-Film mir einen Drehbuchvertrag gegeben hat.
Wie haben Sie Falco persönlich erlebt?
1985, auf seiner ersten Tour. Damals habe ich als Ö3-Journalist Falco in Graz, beim Sound-Check in der Eis-Halle Liebenau, mit einem Tonbandgerät aufgenommen – unerlaubterweise. Falco hat das natürlich von der Bühne aus gesehen, sofort hat er den Sound-Check abgebrochen und mich in die Garderobe zitiert – was eh schon wahnsinnig unangenehm war. In der Garderobe musste ich ihm dann das Band vorspielen, er war aber sehr nett und hat gemeint: „Es ist schon okay!“ Ich bin ihm dann im Laufe der Jahre noch öfters begegnet; Das letzte Mal 1993 – im Grazer Schlossberg-Hotel. Er hat bei „Opus & Friends: Twenty’s A Plenty – Jubilee“ gesungen, und ich habe den Konzert-Film gemacht.
„Der Film beruht natürlich auf biografischen Fakten, im Grunde aber ist er reine Fiktion.“
Wir haben damals von einer anderen beruflichen Seite aus miteinander zu tun gehabt, und er war sehr, sehr nett und top-professionell. Sein Auftritt war grandios – wirklich cool.
Stichwort „Falco Fiction“: Ich meine, Sie erfinden das Biopic für Österreich neu.
Nein, das nicht. Der Film beruht natürlich auf biografischen Fakten, im Grunde aber ist er reine Fiktion. Ich möchte nicht, dass das Publikum die Erwartungshaltung hat: „Ich sehe eine Dokumentation über den Falco.“ Sein Leben ist ja – bis auf einige Dinge – in der Öffentlichkeit sehr ergründet. Meine Fiktion bezieht sich sozusagen auf die Punkte zwischen den biografischen Ereignissen. Ich habe versucht, mir ein Bild von der Persönlichkeit und von dem Menschen Falco zu machen – das sind vielleicht Ansätze, die man in der Öffentlichkeit so noch nicht kennt. Darum bin ich auch mit manchen biografischen Eckdaten recht großzügig umgegangen, weil ich einen dramatischen Stoff schaffen wollte und eben – wie gesagt – keine Dokumentation.
Sie mussten sich relativ früh erklären und den Vorwurf aus der Welt schaffen, Sie würden eine „Gewalt- und Sex-Orgie“ veranstalten.
Uns ist das Drehbuch entwendet worden, und es sind Teile daraus völlig aus dem Zusammenhang gerissen veröffentlicht worden. Bestimmte Medien haben sich darauf förmlich „gestürzt“: Meistens sind es ja dann gerade die, die zu Lebzeiten auf den Falco „hingehaut“ haben – die stellen sich jetzt als seine größten Beschützer und Retter dar. Aber ich habe immer gesagt, dass mich eine Aneinanderreihung von Drogen-Exzessen und Sex-Eskapaden nicht interessiert.
„Uns ist das Drehbuch entwendet worden, und es sind Teile daraus völlig aus dem Zusammenhang gerissen veröffentlicht worden.“
Natürlich ist es ein Teil von Falcos Leben, und es wäre falsch, darauf nicht einzugehen. Aber ich habe keinen Film gemacht, der jetzt boulevardtauglich ist oder den Falco in irgendeiner Art und Weise oder irgendjemand in seinem Leben diffamiert. Im Gegenteil: Ich glaube, dass ich eine Seite von ihm zeige, die das Publikum überraschen wird!
Sie haben auch das Drehbuch geschrieben: Ist es Ihnen beim Schreiben schwer gefallen, die Privat-Person Johann Hölzel von der Kunst-Figur Falco zu abstrahieren?
Ich glaube, dass diese beiden Charaktere sehr stark in ihm vertreten waren und dass er gewissermassen ein „österreichischer Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ war. Es gab, glaube ich, an ihm eine überaus liebenswerte Seite. Und ich glaube umgekehrt, dass die Figur, dieses Alter Ego - in das er immer in der Öffentlichkeit geschlüpft ist, dass sich diese Figur sozusagen einen Mantel angezogen hat, um dann als Pop-Star Falco zu funktionieren. Ich glaube, dass er auch eine kindliche Freude daran gehabt hat, ein Pop-Star zu sein. Und er hat ja auch jedes Pop-Star-Klischee fast schulbuchmäßig erfüllt: Unnahbarkeit, Goldketterl, Pelzkragerl, Lederschuhe, Kokain, Frauengeschichten, Alkohol. Heutzutage rührt das natürlich niemand mehr, aber früher war das einmal sozusagen das klassische Abbild des Pop-Stars. Das möchte ich auch gerne zeigen.
Todd Haynes war an Bob Dylan nicht allzu nahe dran; Er ist kein Dylanist und hat sich mit ihm trotzdem über viele Jahre beschäftigt. Sehen Sie Parallelen?
Wenn man zu sehr verliebt ist, erhält man einen getrübten Blick. Aber mein Zugang war die Person und die Umstände Falcos dramatischen Lebens – überhaupt die Annäherung an einen Künstler, die Abgründe, der große Druck, erfolgsmäßig wieder bei Null anfangen zu müssen und wieder zu No.-1-Hits durchzustarten und wieder tolle Platten zu machen – das hat mich an Falcos Fall interessiert. Also auch diese Zeit dazwischen, die Leerläufe, die es da gibt – das sind alles auch sehr epische Themen.
Gestatten Sie mir bitte, die Sound-Frage zu stellen.