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AustroVision: Nicht Werk-Verwalter im Kopf
Im neuen Filmjahr 2008 beschäftigen wir uns mit dem im Entstehen begriffenen Kino-Film von Götz Spielmann „Revanche“ (Premiere im Herbst 2008). TBA versteht sich als Wegbegleiter von „Film-Österreich“; Zum Kino-Start von „Revanche“ werden wir daher den Regisseur abermals befragen. Nach Spielmanns bemerkenswertem Film „Antares“ folgt nun das Drama „Revanche“.
Der Autoren-Filmer erzählt von Liebe, Mord und Leidenschaft, Schuld und Sühne, enttäuschten Hoffnungen und neuen Chancen. Der Tod von Tamara (Irina Potapenko, Volksbühne Berlin), der Geliebten von Alex (Burgschauspieler Johannes Krisch, der eine große Entdeckung für das Österreichische Kino ist), verändert das Leben von vier Menschen: vom Polizisten Robert (Andreas Lust), der den tödlichen Schuss abgegeben hat; von Susanne (Ursula Strauss), seiner Frau, die sich ein Kind wünscht; von einem einsamen Bauern auf seinem verkommenen Hof (Hannes Thanheiser); und natürlich verändert sich das Leben von Alex. Manchmal muss man handeln, bevor man die Antwort weiß: Alex macht sich auf den Weg, den Tod seiner Geliebten zu rächen.
Charakteristisch für Spielmanns Arbeitsweise sind umfassende Milieustudien, die er sich selbst und seinen Schauspielern auferlegt; An Stichworten seien genannt: Prostitution, Bauerntum, Polizei, Stadt und Natur. Gedreht wurde an 39 Tagen im September und Oktober 2007 in Wien (Bordell-Szenen) und im Waldviertel (Bauernhof-Idylle?). „Revanche“ ist der erste von der „Spielmannfilm“ (gemeinsam mit der „Prisma Film“) produzierte Film.
Worum geht es in Ihrem neuen Film „Revanche“?
Ich schwanke da immer: Geht’s um Rache? Geht’s um Versöhnung? Die Suche nach Identität? Das sind alles so Schlagwörter, die in Wirklichkeit überhaupt nichts sagen. Es geht wahrscheinlich in all meinen Filmen um die Erforschung dessen, was das Leben ausmacht, und zwar nicht fokussiert auf einen politischen Kontext, sondern konzentriert auf existenzielle Fragen. Das sind für mich jene Fragen, die ich mir stelle im Versuch und in der Lust, der Substanz des Lebens auf die Spur zu kommen. Bei allen Konflikten und schmerzhaften Dingen, über die ich erzähle, steckt doch ein hohes Maß an Optimismus dahinter – nämlich ein grundsätzliches Vertrauen darin, dass das Leben richtig ist und schön, so wie es ist, und kein Irrtum, kein Zufall. „Revanche“ ist ein Film, der mit einer starken Bewegung, mit einem starken Plot beginnt und in einer großen Stille endet: eine kraftvolle Stille, wie ich hoffe. Wichtiges erzählerisches Element dabei ist die Natur.
Mit dem prototypischen Eskapismus, mit der Flucht in die Natur – ein vielgestresster, nicht allein filmischer Topos –, setzt gewissermaßen eine narrative, filmische Gegenbewegung ein. Was bedeutet Ihnen die Natur?
Der Wald, die Wege hindurch, ein entlegener Teich – das alles ist eine sehr wichtige Ebene der Erzählung. Es sind in gewisser Weise archetypische Orte. Das ist mein erster Film seit der Filmakademie, in dem Natur eine ganz wichtige Rolle spielt. „Fremdland“, mein Erstlingswerk, spielt in den Bergen, inmitten von Natur. Aber seitdem habe ich eigentlich nur Stadt-Filme gemacht. „Revanche“ ist also der erste Film, in dem Natur wieder eine wichtige, zentrale erzählerische Rolle spielt.
Sie betonen, dass Sie für „Revanche“ aufwendige Recherchen betrieben haben. Wie sehen diese aus?
Ich betreibe bei all meinen Filmen Recherchen. In der ersten Ebene meiner Filme geht es um Authentizität; Ich finde, dass man Dinge nur ernsthaft erzählen kann, wenn man sie auch kennengelernt hat. Meine eigene Biografie ist ja nicht stoffreich genug – aus diesem Grunde recherchiere ich halt. Und aus Neugier auf das andere. Ich hab’ mich im Rotlichtmilieu aufgehalten, bei der Polizei. Habe im Zuge des Schreibens alte Bauern im Waldviertel besucht – einfach um die Menschen, das Milieu genau kennenzulernen und etwas zu erzählen, worin ich mir ein Wissen, ein genaues Gefühl angeeignet habe. Ich halte das für unumgänglich, wenn man realistische Filme machen will.
Realistische Filme?
Die erste Ebene des Films handelt von authentischen Figuren. Es geht mir aber nicht um „Milieustudien“ – in der Tiefe verhandle ich andere Fragen. Aber die erste Ebene – das, womit man erzählt, der Stoff, das Material –, das muss authentisch sein, wenn es ein Film sein soll, der beim Zuseher ein Erleben schafft: Das ist der Zugang, das ist die Pforte – zu den Wegen, die man dann auf einer tieferen Ebene abhandelt. „Authentizität“ heißt aber auch, dass es mir nicht vordergründig um eine „Gesellschaftskritik“ geht – um eine Bebilderung von politischen Ansichten. Die Kunst hat nämlich eine größere, aktivere Aufgabe als Gesellschaftskritik. Aber das, was an der Gesellschaft faul ist, falsch, unfair, verlogen ist: das kommt in meinen Filmen natürlich vor – allerdings eben als Material und nicht als Ziel einer Enthüllung oder einer Kritik.
Verorten Sie Ihre Arbeiten in einer Verwandtschaft zum Essayfilm?
Ich möchte vorderhand – bis jetzt einmal – Geschichten erzählen. Wobei ich gerade dem Essayfilm einen sehr großen Respekt und eine sehr große Neugier entgegenbringe; und es kann durchaus sein, dass ich das auch einmal mache. Aber bis jetzt betrachte ich mich als jemand, der Geschichten erzählt.
Sie haben an der Schauspielschule Graz unterrichtet. Sind Sie sozusagen ein „Schauspieler - Regisseur“?
Meine Schauspieler sagen mir immer wieder, dass für sie die Arbeit mit mir spannend und bereichernd ist. Und ich liebe die Arbeit mit Schauspielern. Daneben aber bin ich auch sehr auf das ursächlich Filmische konzentriert: auf formale Fragen, Stil, Rhythmus, auf die Mise-en-scène, die Montage ... Als „Schauspieler-Regisseur“ fühle ich meine Arbeit nicht ausreichend beschrieben.
Rückblende. Wie bilanzieren Sie Ihren letzten Film „Antares“?
International außergewöhnlich gut. Es gab ein paar wunderbare Kritiken, z. B. in der „Washington Post“, in „Le Monde“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ – den wichtigen Zeitungen eben.