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Natalie Portman: Vom Killer-Teen zur Queen
Natalie Portman ist aktuell in „Die Schwester der Königin“ als Anne Boleyn, eine der Ehefrauen von König Heinrich VIII, zu sehen. Neben dem Trubel des Filmbiz fand sie aber auch Zeit für eine „ernsthafte“ Ausbildung. Sie studierte Psychologie an der Universität Harvard. Wir plauderten mit ihr bei den Filmfestspielen in Berlin.
Werden Sie nach dem Studienabschluss jemals als Psychologin arbeiten?
Nein! Das wäre irgendwie zu verrückt, wenn ich in einem dicken Sessel sitzen und Patienten analysieren würde. Da würde jeder denken: Hey! Da sitzt diese Schauspielerin, die eine Psychologin spielt (lacht).
Im Film spielen Sie eine ambitionierte, rastlose junge Frau. War es schwer, die menschliche Seite dieser tragischen Figur herauszuarbeiten?
Anne ist ein Produkt ihrer Umgebung. Ich habe sie als eine Art Spitzensportlerin betrachtet. Ihr Vater war ihr Trainer, und sie bereitete sich auf den großen Wettkampf – die Frau an König Heinrichs Seite zu werden – vor. Sie will ihre Sache perfekt machen, damit ihr Vater stolz auf sie ist. Als sie bei ihm in Ungnade fällt, scheint es, als würde sie rebellieren. In Wahrheit will sie aber nur ihren Vater zurückgewinnen. Wenn man es von dieser Seite betrachtet, wird ihr Kampf umso menschlicher.
Die einzigen Jobs, in denen Frauen heute mehr Geld verdienen als Männer, sind Prostitution und das Model-Geschäft.
Im Film wird Ihr Charakter Anne Boleyn nicht nur als Opfer, sondern auch als starke Frau gezeigt, die versucht, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen ...
Ich habe diesbezüglich viel recherchiert. Die Feministinnen wollen Anne Boleyn in einer gewissen Weise sehen. Biografen aus der Zeit wiederum zeichnen ein anderes Bild von ihr. Damals wurde sie als Hexe mit sechs Fingern beschrieben, die den König mit einem Zauber belegt hat.
Einige Menschen denken, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn sie von Frauen regiert werden würde ...
Ich glaube nicht, dass die Sache geschlechtsspezifisch lösbar ist. Das hat mehr mit dem Aspekt der Humanität zu tun. Ich glaube nicht, dass Frauen besser als Männer sind. Wenn man Frauen auf diese Weise idealisiert, ist das genauso sexistisch.
Teile Ihrer Familie kamen im KZ Auschwitz ums Leben. Hatten Sie ein ungutes Gefühl, als Sie das erste Mal nach Deutschland gekommen sind?
Ja! Aber Berlin ist mittlerweile meine Lieblingsstadt in Europa. Allerdings fragen mich Deutsche viel öfter danach, wie es ist, jüdisch zu sein, als sonst ein Volk. Es scheint hier ein sehr sensibles Thema zu sein.
Sie sind Jüdin und in Jerusalem aufgewachsen. Inwieweit hat das Ihre Betrachtungsweise der Welt beeinflusst?
Wenn man als Jüdin erzogen wird, wird man sensitiv gegenüber Unterdrückung und Gewalt in der Welt. Man sagt immer: Die Juden in Amerika verdienen wie die Republikaner, aber sie wählen wie die Demokraten. Sie haben einen hohen Grad an sozialem Gewissen. Das gilt auch für mich. Als Jüdin wird dir von klein auf der Wert einer guten Ausbildung eingebläut. Es hieß immer: Schule! Schule! Schule! Schule ist das Wichtigste! Geh in die Schule! Das hat sich mir eingeprägt.
Ein Thema von „The Other Boleyn Girl“ lautet etwa „Frau geht Beziehung aus Karrieregründen“ ein. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Sie meinen, ich sollte dasselbe tun ... (lacht). Ich glaube, wir alle kennen diese Art der Versuchung: Unsere Gesellschaft zeigt uns bei jeder Gelegenheit, dass es gut ist, Reichtum und Macht anzusammeln. Es ist aber auch tief in uns nach diesen Dingen zu streben. Der Film ist also auch sehr modern. Damals wurden Frauen dazu gezwungen, mit jemandem zu schlafen, oder zu heiraten, um in gesellschaftlich angesehene Positionen zu kommen. Heute machen einige Frauen das freiwillig, weil es noch immer die beste Möglichkeit zu sein scheint, um gesellschaftlich aufzusteigen. Die einzigen Jobs, in denen Frauen heute mehr Geld verdienen als Männer, sind Prostitution und das Model-Geschäft. Also kann ich nachvollziehen, warum Frauen auch heute noch diesen Weg einschlagen.
Filme mit zwei weiblichen Hauptrollen sind sehr selten ...
Das war auch einer der Gründe warum ich unbedingt mitmachen wollte. Man hat sehr selten die Gelegenheit so einen Charakter spielen zu können. Die meisten Menschen im Film-Biz sind Männer. Und man sagt: am besten du schreibst über das, was du kennst. Deshalb ist es klar, dass die meisten Geschichten im Kino von Männern handeln. Frauen haben darin zumeist die Rolle einer Muse, die den Hauptcharakter inspiriert. In diesem Fall hatten wir aber glücklicherweise ein sehr fortgeschrittenes Model von Mann in Form unseres Regisseurs Peter Morgan (lacht). Aber ich sollte mich nicht lang darüber auslassen, sonder selber beginnen Filme zu machen.
A propos: man hört Sie planen bald selbst Regie zu führen. Können Sie uns dazu etwas verraten?
Ja, ich will den Roman „A Tale of Love and Darkness“ von Amos Oz verfilmen. Wegen des Streiks der Drehbuchautoren hat sich aber alles ein wenig nach hinten verschoben.
Fragen Sie sich manchmal wie Ihr Leben aussehen würde, wenn Sie nicht entdeckt worden wären? Ist das Celebrity-Dasein Segen oder ein Fluch?
Ich denke natürlich darüber nach. Aber ich habe keine Antwort darauf. Man schlägt einen Pfad ein und folgt ihm (lacht). Ist der Promi-Status eine Last? Ich denke, er hat mehr positive als negative Seiten. Ich kann herumreisen, interessante Leute treffen, faszinierende Orte sehen. Ich darf mich nicht beschweren.
Hatten Sie jemals das Gefühl, dass Sie etwas versäumt haben?
Ja, klar. Aber ich habe auch einige Dinge bekommen, die man sonst nicht bekommt. Ruhm ist heutzutage ganz anders als früher. Ich spielte in „Star Wars“ mit und ging zur gleichen Zeit in eine öffentliche Highschool. Und ich bin damals, wie alle anderen, auf Partys und Clubbings gegangen, hab mich betrunken und dumme Dinge getan. Aber das war privat und blieb privat. Es ist verrückt, weil das alles noch nicht so lange her ist – nicht mal zehn Jahre. Vielleicht hatte ich einfach Glück. Es war die Zeit, kurz bevor die Gossip-Industrie und Celebrity-Websiten entstanden sind. Wenn ich jetzt ein Teenager wäre, hätte ich keine Chance auf ein behütetes Privatleben mehr.