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Austrovision: Warum Sicheritz? Darum!
Hier kommt zusammen, was zusammengehört: Wenn das Credo vom „Darum“ - Produzenten der Allegro Film, Helmut Grasser, (im Übrigen auch der Macher von „In 3 Tagen bist du tot“ und seiner Fortsetzung) „Hohe Qualität für ein möglichst großes Publikum“ heißt, darf man getrost davon ausgehen, dass der Regisseur Harald Sicheritz dieses Selbstverständnis bestens bedient. Manche „Arthauser“ rümpfen arrogant die Nase, wenn man auf den traumwandlerischen Quotenbringer zu sprechen kommt – dabei vergessen sie, dass der Regisseur der XXXLutz-Spots für die österreichische „Film-Industrie“ von enormer Bedeutung ist.
Unter den Top 25 der Österreichischen Kinofilmen ist Harald Sicheritz einsamer Spitzenreiter: „Hinterholz 8“ (617.558 Zuseher) und „Poppitz“ (441.017) erringen Gold.
Der Erfolg gibt Harald Sicheritz jedenfalls Recht: Unter den Top 25 der österreichischen Kinofilme ist er einsamer Spitzenreiter: „Hinterholz 8“ (617.558 Zuseher) und „Poppitz“ (441.017) erringen Gold und Silber. Vier weitere Filme finden sich in der Bundesliga: Sein Debüt „Muttertag“ (88.600) toppen „Freispiel“ (173.658), „Wanted“ (187.542) und „MA 2412 – Der Film“ (272.849). Die Ticketlöser addiert, brachte Sicheritz in etwa die Bundeshauptstadt ins Kino; Spitzenquoten bringen auch seine Fernsehfilme: Das „11er-Haus“ ist ein 10-Teiler über 50 Jahre Fernsehen in Österreich, und „Mutig in die neuen Zeiten“ ist eine Befassung mit drei Jahrzehnten österreichischer Zeitgeschichte – vom Wiener Gemeindebau bis zum Salzburger Landschloss. Chapeau! Eine richtig große österreichische Geschichte hat Axel Corti bzw. sein Kameramann Gernot Roll nach Cortis Tod mit dem „Radetzkymarsch“ (1995) erzählt; Sicheritz hat auf gar keinen Fall Angst vor der eigenen Courage.
Von einem Teil der Kino-Intelligentsia prinzipiell missachtet („austrophobe Mieselsüchtigkeit“ © Sicheritz) und vom Publikum geliebt, arbeitet der promovierte Politik- und Kommunikationswissenschaftler fleißig an seiner Filmografie. Zur Synopsis von „Darum“: Die „Standard“-Edelfeder Daniel Glattauer schrieb den Roman über den Gerichtsreporter Jan Haigerer (Kai Wiesinger). Haigerer ist ein Mörder ohne Motiv, der sich mit allen Mitteln zu seiner Tat – halbwegs – bekennt, dessen Schuld aber nicht anerkannt wird. Parallelen zu Peter Payers „Freigesprochen“ (TBA 02/2008) tun sich hier auf: Während Payers Protagonist von seiner Schuld – zumindest juridisch – „freigesprochen“ wird bzw. ihm kein Verschulden nachgewiesen werden kann, ist Sicheritz’ Täter bemüht, seine Umwelt von seiner Schuld zu überzeugen.
„Unser Held ist ein Mörder. Dies ist ein Film über Fanatismus, ein Film, der erzählt, dass Fanatismus letztendlich immer unfruchtbar bleibt“, so Sicheritz. Seine Filme sind stets hochkarätig besetzt, für „Darum“ standen u.a. Nadeshda Brennicke, Michou Friesz, Andrea Händler, Anna Thalbach, Wolfram Berger und Cornelius Obonya vor der Kamera. Warum Sicheritz, warum ins Kino? Also, wir finden ihn super! DARUM!
Würden Sie „Darum“ als Thriller bezeichnen?
Ich habe es immer gerne, wenn man „Gerichtssaal“ dazu sagt. Das Gerichtssaal - Drama oder der Gerichtssaal-Thriller ist bei uns nicht sehr gebräuchlich, man kennt diese „Courtyard Flics“ allerdings vom amerikanischen Film. Dieses Genre ist bei uns nicht ausgereizt, das war wahrscheinlich mit ein Grund, weshalb ich die Frage, ob ich das gerne machen würde, bejaht habe.
„Darum“ nimmt in Ihrem Filmschaffen also einen exzeptionellen Rang ein?
„Darum“ ist auch meine erste Romanverfilmung (nach Daniel Glattauers gleichnamigen Roman), Theaterstücke („Zwölfeläuten“) habe ich bereits verfilmt. Man wird immer danach wahrgenommen, was deinen Namen am meisten befördert hat, und damit kann ich relativ gut leben. Es fiele mir nie ein, zu sagen: „’Hinterholz 8’ ist eine Komödie.“ Das ist bestenfalls eine Satire oder eine Tragödie. Aber so etwas wie „Darum“ hat’s noch nicht gegeben. Ich habe die letzten Jahre hauptsächlich historische Filme („Mutig in die neuen Zeiten“) gemacht – mit großer Freude.
Sie lieben also auch die „Abwechslung“?
Von all den Regisseuren, deren Karrieren man als bekannt voraussetzen darf, und die man zitieren kann, gefällt mir die von Ang Lee besonders gut. Er kommt aus Taiwan und hat mit der Emma Thompson ein Rokoko-Stück gedreht („Sense and Sensibility“), dann den ersten Teil von Hulk (die Fortsetzung „The Incredible Hulk“ kommt im Juni 2008 in die amerikanischen Kinos), eine Geschichte über zwei schwule Cowboys („Brokeback Mountain“), und ein paar Filme im Milieu von zu Hause; Und dann auch noch „The Ice Storm“, der ein grandioser Film ist. Niemand käme auf die Idee, zu fragen: „Herr Lee, können Sie das überhaupt, was Sie da jetzt machen?“ Dass man einem Regisseur einen breiten Horizont zutraut, würde ich mir schon wünschen.
Wie beurteilen Sie die filmische Lage in Österreich nach Stefan Ruzowitzky?
Das, was in Österreich wirklich ärgerlich ist, ist diese absolut „disproportionale Lage“. „Wir“ freuen uns, dass „wir“ den Oscar gewonnen haben, wenn’s aber um’s Geld geht, gibt’s auf einmal kein „wir“ mehr. Lösung: Die Verschwörungstheoretiker und Jammerer müssen endlich verstummen. Sie maulen: „Das kann nicht sein ... Das geht ja nicht, weil ... Und überhaupt!“ Tatsache ist, wenn du einen guten Film hast – und derer werden in Österreich etliche gemacht –, und du hast das Glück des Tüchtigen: Na klar kannst du dann auch den Oscar gewinnen. Dass Stefan Ruzowitzky jetzt tatsächlich einen erhalten hat, ist natürlich „ganz super, ganz weit vorne“! Im letzten TBA (02/2008) hat ja auch der Kollege Peter Payer (zuletzt „Freigesprochen“) gesagt, dass die mediale Wahrnehmung des österreichischen Films „befördert“ werden müsste. Es ist mir nicht zu billig zu sagen, dass das schon sehr stark an unseren Medien liegt – wenn ich überlege, was die „dritte Wiederaufnahme irgendeines Stückes am Burgtheater“ für ein begeistertes Kultur-Echo hat ... Was einem das Argumentieren freilich nicht leichter macht, ist die Tatsache, dass der österreichische Film, der österreichische Schauspieler, der österreichische Filmschaffende disproportional erfolgreich ist. Das lässt sich statistisch darstellen: Gemessen an den Bedingungen des Entstehens, „heimsen“ wir außergewöhnlich viele internationale Preise ein.