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Brügge sehen ... und sterben?
Mit welchem Eindruck möchte man sterben? Wo muss man gewesen sein, was muss man gesehen haben? Brügge! Das zumindest meint der Unterwelt - Boss Harry (raffiniert böse: Ralph Fiennes) und schickt seine Killer Ray (Colin Farrell: der kann ja eh was, außerdem darf er seinem irischen Akzent endlich einmal freien Lauf lassen) und Ken (Brendan Gleeson) ebendorthin. Zur Erholung, wie er sagt. In Wahrheit soll Ken aber seinen Kumpel erschießen, weil dieser bei seinem ersten Auftrag (der sein letzter gewesen sein soll) gepatzt hat: Unglücklicherweise stand ein Knabe in der Schusslinie, als er einen Priester tötete.
Ray verliebt sich im malerischen Brügge in die schöne Chloë (Clémence Poésy, die Natascha Rostova aus „Krieg & Frieden“, die zum Niederknien süß und betörend ist) und feiert mit dem zwergwüchsigen Hauptdarsteller eines surrealistischen Films wilde Partys. Ken zögert und Harry reist an, um dem Ehrenkodex entsprechend aufzuräumen: Am Ende des Stakkato- und Schwarzhumor-Krimis (Sundance - Eröffnungsfilm) stehen nicht mehr viele.
Der irische Theaterautor McDonagh (Kurzfilm-Oscar-Preisträger) dreht mit seinem Debütspielfilm (im Original sehr viel einfacher „In Bruges“) ordentlich auf und versucht sich gleich am großen Action- und Erzähl-Kino. Dafür gebührt ihm Respekt. Seine Bilderstürmerei gemahnt freilich an einen Zusammenstoß von Hieronymus Bosch und Quentin Tarantino. (Ein weiterer Referenzfilm ist „Grosse Pointe Blank“ [Regie George Armitage, 1997], in dem John Cusack als Profilkiller Martin Q. Blank seinerseits mit den Risiken seines Berufsstandes hadert).
Eine ordentliche Portion Zynismus muss man ohne Frage mitbringen, um mit dem Humor von „In Bruges“ etwas anfangen zu können. Wer sich scheut, über Zwerge, Rassismus oder auch zahlreiche schwere und tödliche Verletzungen zu lachen, dem entgeht die beste Gaunerkomödie seit Jahren. Allein Ralph Fiennes’ patzige Frage angesichts einer Utzi, ob er denn ein „beschissener Nigger in einem beschissenen Van bei einem beschissenen Drive-by-Shooting im beschissenen Los Fucking Angeles sei“, ist das Eintrittsgeld wert. McDonaghs gelungener Erstling ist Erwachsenenunterhaltung vom Feinsten mit herrlichen Shoot-Outs und einer Schimpfwort-Suada sondergleichen: Brügge ist beschissen märchenhaft. Schwere Empfehlung.
Regie: Martin McDonagh
Darsteller: Colin Farrell, Ralph Fiennes, Brendan Gleeson
Verleih: Tobis
Start: 16. Mai