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Funny Games: Boring Games U.S.
Darling, jüngst war ich im Kino, genauer: in einer Pressevorführung (PV). Und was soll ich dir sagen? Ich sage nichts, ich paraphrasiere Friedrich Nietzsches Zarathustra viel lieber: „Ich bringe Euch den Über-Regisseur!“ Aber wer braucht den schon? Den Über-Menschen wollen wir ja auch nicht – dafür haben wir „Superman“. O.K. Ich starte nochmals: Ein Mann ging in die Fremde ... Und was bringt er heim?
Zarathustra entstieg nach 20 Jahren seiner Höhle (so schlimm ist Österreich wieder auch nicht), um sich unter die Menschen zu mengen: „Aber noch fehlen mir meine rechten Menschen!“ Doch sie waren über seine Filme nicht glücklich, also: nicht wirklich. „Zu meinem Werke will ich, zu meinem Tage: aber sie verstehen nicht, was die Zeichen meines Morgens sind, mein Schritt – ist für sie kein Weckruf.“ (Bis vielleicht auf ein paar Intellektuellen-Bobos-„Das Leben ist ja sooooo hart“- Typen. Nun: Pfeif auf sie!) Haneke is back! Yeah, baby! Apropos: Filmkorinthenkacker. Good Old Fritz sagt dazu: „Keiner ist so verrückt, daß er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.“ Greifen wir diesen Film also nicht mit Samthandschuhen an: Die Mördergrubenjungs (und die sind bekanntlich unter uns) tragen nämlich – nicht nur bei Haneke – Golfhandschuhe.
Die Sorglichsten fragen heute: „Wie bleibt der Mensch erhalten?“ Zarathustra aber fragt als der Einzige und Erste: „Wie wird der Mensch überwunden?“
An der Spitze des österreichischen Films ist die Höhenluft eben dünn: Bei Ulrich Seidl werden die Damen gerne nackt ausgestellt, bei Haneke behalten sie wenigstens noch die Unterwäsche an (Naomi Watts musste sich entkleiden). Fritz: „Der Asket macht aus der Tugend eine Not.“ Beide haben wohl eine diffuse Vorstellung von der Frau als entweder Mutter oder Hure. Naja. Gott weiß, warum sich die unnachahmliche Juliette Binoche für den Austro-Franzosen hergibt.
Die Asides („I know, you wish an end with a plot development...“), also die Kamerablicke der Mörder (Achtung: Hier ist ein Intellektueller am Werk), nerven und sind eigentlich abgeschmackt. Medienkritik findet anderswo statt – nachzulesen bei Susan Sontag, Noam Chomsky, Paul Virilio oder Jean Baudrillard. Offen gesprochen: Ein Shot-by-Shot-Remake seines eigenen Films ist auch nicht gerade ausgesprochen innovativ. (Das Hitchcock-Remake [„Psycho“] von Gus Van Sant ging ja auch irgendwie daneben.) Aber sich selbst Einstellung für Einstellung zu zitieren?
Ein Stein, der anfängt zu rollen, soll man nicht probieren aufzuhalten, sondern noch zusätzlich anstossen.
Zweifelhaft. Ist ihm in all den Jahren (11!) nichts Neues eingefallen oder zumindest ein anderer interpretativer Zugang? (Die Rückspultaste am Schluss war auch schon 1997 gähn). Haneke ist einem sich elitistisch gebärdenden, in Wahrheit aber plebejischen Nihilismus verpflichtet. Ex nihilo Haneke fit. Jede Filmminute ist hier eine Lebensqual, das bedeutet in unserem Fall ein 112-minütiges Leiden, 4 Minuten länger als beim „Original“. Der Zuseher hat Haneke aber wirklich nichts getan.
Apropos: Leiden. „Saw IV“ oder „Hostel“, also Slasher-Movies jüngeren Datums, bedienen das Spectaculum der menschlichen Abgründe schöner. „FG U.S.“ ist weiters mit dem Anwurf des „Genresynkretismus“ behaftet: Will es überhaupt etwas sein? Eine Medienreflexion, ein Skandalfilm, eine Versuchsanordnung, ein Horrorfilm, ein Filmmelodram oder auch ein Thriller? Die Antwort lautet: Weder – Noch. Oder um Nietzsche abermals zu bemühen: Ein Film für Alle und Keinen.
Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern.
Für die Kamera verschwendete Haneke Darius Khondji, der auf jenseitige und bildgewaltige Filme spezialisiert zu sein scheint: „Se7en“, David Fincher; „Die neun Pforten“, Roman Polański; „Delicatessen“, Jean-Pierre Jeunet. Im Einsatz der lauten, schrillen Musik und in der kammerspielartigen Ausleuchtung des Sets erinnert der Film an „Der Tod und das Mädchen“ (1994) von Roman Polański. Der Böse (und nicht der Bürger wie bei Polanski) wirft dann auch folgerichtig ein Messer ins Wasser („Das Messer im Wasser“, Polanskis Regiedebüt, 1962).
Cineasten-Schmäh halt. Der Haneke ist eben ein Hund. (Hundefreunde weghören: „Lucky“ wird auch in „FG U.S.„ erschlagen.) Frank Giering (zuletzt in Peter Payers „Freigesprochen“ zu sehen) war 1997 eine Entdeckung, hier sieht er als Peter (Brady Corbet) genauso aus wie Paul (Michael Pitt). Häh? David Lynch (der Naomi Watts-Regisseur [„Mulholland Drive“, 2001]) für Arme? Was lernen wir aus diesem Film? 1. Nichts. 2. Das Handy immer an der Frau bzw. am Mann tragen; Man weiß ja nie, vielleicht biegt gerade der Haneke ums Eck.
Michael Haneke in seinen eigenen Worten: „Ich versuche Wege zu finden, um Gewalt als das darzustellen, was sie immer ist, als nicht konsumierbar ...“ Rudolf Preyer hält dagegen: „Ich versuche Wege zu finden, um Haneke-Filme als das darzustellen, was sie immer sind, als nicht konsumierbar ...“ Misslungenes US-Regiedebüt. Nichts mehr davon! BORING GAMES WORLDWIDE.
Haneke in Wiki
Synopsis FG U.S.
Die Eheleute Anna und George haben einen kleinen Sohn, Georgie. Sie ziehen in ein Ferienhaus auf Long Island ein. Dort werden sie von Peter und Paul besucht, die ein paar Eier borgen möchten und sich zuerst freundlich verhalten. Die Besucher überfallen später die Familie, deren Mitglieder von ihnen gefoltert werden. Zuerst erschießen sie Georgie, dann töten sie Georg, der telefonisch Hilfe rufen will. Am Ende wird die gefesselte Anna ins Wasser geworfen.
In Michael Hanekes US-Neuverfilmung „Funny Games U.S.“ spielen Naomi Watts (Anne) und Tim Roth (George), die beiden Psychopathen werden von Brady Corbet als Peter und Michael Pitt in der Rolle des Paul gespielt. Ursprünglich sollte das Remake schon am 26. Oktober 2007 in den US-Kinos starten, auf Grund der großen und vermeintlichen „Genre-Konkurrenz“ (zum Beispiel „Saw IV“) wurde der Streifen kurzerhand auf den 15. Februar 2008 verlegt. In Österreich ist „Funny Games U.S.“ ab dem 31.