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Anger-Management vs. Image-PR
Sommerzeit ist Kino-Blockbuster-Zeit. Wie jedes Jahr, wenn es heiß wird, schickt Hollywood seine teuersten und spektakulärsten Produktionen an den Kinostart. Es gilt: je rasanter, lauter und bombastischer, desto besser. Kaum verwunderlich, dass in den letzten Jahren das Genre des Superhelden-Films ein fixer Bestandteil des Sommerkinos geworden ist. Dieses Jahr sind es gleich zwei Superhelden, die da die Kinoleinwände erklimmen und um die Gunst des Publikums ringen. Aber wer wird als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen?
Auf der einen Seite wäre da der Zyniker Hancock (Will Smith), ein verbitterter Kerl mit schlechten Manieren, der am Rand von L.A. in einem abgefuckten Wohnwagen haust, dem aber auch mal eine Parkbank als Schlafstätte dient. Neben einer enormen Alkohol-Fahne hat Hancock auch Superkräfte, was ihn irgendwie zum Superhelden macht. Doch seine Heldentaten sind bei der Öffentlichkeit nicht gerade sehr beliebt, kann es im Zuge von Hancocks Aktionen doch vorkommen, dass er die halbe Stadt in Schutt und Asche legt. Die Stimmen mehren sich, die ein Verschwinden Hancocks fordern.
Als er dem PR-Manager Ray (Jason Bateman) das Leben rettet, bietet dieser Hancock seine Dienste an, um dessen ramponiertes Image wieder aufzupolieren. Hancock will davon anfangs nichts wissen, willigt aber schließlich doch ein, und so entwickelt Ray eine Image-Stategie, um Hancock in einen Parade-Superhelden zu verwandeln. Doch Rays Frau Mary (Charlize Theron) zeigt sich von der Zusammenarbeit gar nicht erfreut, hat sie doch selbst ein Geheimnis zu verbergen, das sie unter allen Umständen für sich behalten möchte.
Auf der anderen Seite hätten wir den cholerischen Hulk aka Dr. Bruce Banner (Edward Norton). Dieser ist Wissenschaftler, der nach einer nuklearen Strahlenüberdosis ein eher schwereres Problem mit seinem Anger-Management hat, verwandelt er sich doch, immer wenn er wütend wird, in einen rasenden, alles zerstörenden grünen Wüterich. Von der U.S. Army gejagt, lebt Banner nun undercover in Brasilien, wo er auf der ständigen Suche nach einem Heilmittel gegen seinen inneren Furor ist. Durch ein Missgeschick wird er jedoch vom Militär ausgeforscht und muss fliehen. Seine Flucht führt ihn schließlich zurück in die USA, wo er auf seine große Liebe Betty (Liv Tyler) trifft. Als es mit einem Heilmittel dann wirklich zu klappen scheint, taucht die Bestie Abomination auf, die New York zu zerstören droht, weshalb sich Bruce genötigt sieht, den Hulk abermals rauszulassen.
Rookie vs. Routinier
Im Gegensatz zum Routinier Hulk ist Hancock ein Junghupfer, wobei er mittlerweile auch schon zwölf Jahre auf dem Buckel hat. Bereits 1996 verfasste Vincent Ngo das Script, das anschließend in Hollywood herumgereicht wurde. Verschiedene Regisseure, von Tony Scott über Michael Mann und Jonathan Mostow, waren im Gespräch. Schließlich übernahm Columbia Pictures die Produktion und verpflichtete Regisseur Peter Berg, der 1998 mit der schwarzen Komödie "Very Bad Things" sein Regie-Debüt gab.
Hulk wurde bereits 1962 von Stan Lee und Jack Kirby für die gleichnamige Marvel - Comic - Reihe geschaffen. Zahlreiche Animationsserien, eine trashige TV-Serie aus den späten 70ern (Staffel 2 ist auf Seite 44 zu finden) und daraus resultierende TV-Filme nahmen sich des grünen Comic-Helden an. 2003 schuf Ang Lee mit Eric Bana als "Hulk" eine gelungene Adaption für die große Leinwand, indem er den Comic-Stil mithilfe von Split-Screens kongenial umsetzte und neben viel Action auch leise Zwischentöne zuließ. Im Gegensatz dazu inszeniert Regisseur Lou Leterrier "Der unglaubliche Hulk" weit konventioneller und straighter in Richtung Actionspektakel. Leterrier beabsichtigte keine Fortsetzung von Ang Lees "Hulk" zu schaffen, vielmehr ging es ihm um eine Neudeutung des Stoffes.
The Beast In Me
Sowohl Hulk als auch Hancock entsprechen nicht dem Bild des klassischen Superhelden, der sich selbstlos in den Dienst der guten Sache stellt. Im Grunde sind beide Antihelden, die erst im Laufe des Films zu Superhelden reifen. Hancock hat die Nase voll davon, ein Superheld zu sein, weiß doch sowieso niemand seine "Gabe" zu schätzen. Der Griff zur Flasche hilft ihm dabei, sich mit dieser Tatsache abzufinden, bedingt aber auch, dass Hancock von so mancher "Heldentat" gar nichts mehr weiß. Erst nach erfolgreicher PR-Arbeit und nachdem er mit sich selbst ins Reine gekommen ist, schafft er es, mit dem Trinken aufzuhören und das Ideal eines Superhelden zu erfüllen. Dieses Zugeständnis an das Mainstream-Kino nimmt dem Film etwas von seiner Schärfe und Komik.
Wenn dann noch eine Liebesgeschichte ins Spiel kommt, driftet der Film etwas zu sehr ins Melodramatische ab, schafft es aber, ein allzu glattes Happy-End zu vermeiden. Auch Bruce Banner ist ein leidender Held. Verständlicherweise empfindet er seine Fähigkeit, sich in Hulk verwandeln zu können weniger als Gabe, denn als Fluch. Schließlich ist sein Alter ego ein tobendes Kraftpaket, das über wenig Intelligenz und Selbstkontrolle verfügt und eher an ein Monster als an einen Superhero gemahnt. Im Unterschied zu Ang Lees Charakter ist Hulk hier noch grimmiger und gefährlicher gezeichnet. Die Superheld-Werdung erfolgt erst gegen Schluss. Wie bei "Hancock" lässt sich das Heldendasein nicht mit der Liebe vereinbaren, weshalb es auch hier zu keinem wirklichen Happy-End kommen kann.
Krocha vs. Grunger
Was das Outfit betrifft, so ist Hancocks figurbetonter Einteiler in zeitlosem Schwarz Hulks blauen Spandex-Unterhosen modisch weit voraus. Als kluge Entscheidung erweist sich hier auch der Verzicht auf ein Cape, weiß man doch seit "The Incredibles" welche Gefahrenquelle ein derartiges Teil für Superhelden darstellt – Stichwort: Fliegen und Flugzeugturbine. Andererseits muss man zugeben, dass eine auf einem mexikanischen Markt erstandene XXL-Hose gegenüber eines eigens designtem Trikot abstinken muss.
Nach Punkten endet der Kampf der beiden Superhelden aber unentschieden. Sowohl "Hancock" als auch "Der unglaubliche Hulk" bieten diesen Sommer rasantes, äußerst unterhaltsames Blockbuster-Action-Kino. Im August flattert dann mit Christopher Nolans "The Dark Night" auch Batman wieder über die heimischen Kinoleinwände und im Oktober folgt "Hellboy 2".