|
|
||
Ein Grafikdesigner und das Geld
Die "Kavallerie" von Element Of Crime kommt zwar in diesem Film nicht vor, dafür aber andere eigens für den Soundtrack komponierte Nummern der Berliner Alt-Rocker. Und der Titelsong verkündet: "Doch du weißt, dass man nicht einfach und ungestraft Robert Zimmermann heißt". Tja, da haben die Eltern wohl bei der Namensgebung ihres Sprösslings nicht viel nachgedacht, aber damals war es ja so romantisch, sich bei der Musik von Bob Dylan das erste Mal zu küssen. Nun, gute 26 Jahre später, sind diese Eltern doch nicht mehr so glücklich mit ihrem Leben und ihrer Villa im Vorort Hamburgs. Auch der Sohnemann muss deren Egoismus büßen, indem die meisten Leute in schlecht getroffenen Tönen "Blowin' In The Wind" vor sich hin trällern, wenn er mit seinem Namen vorstellig wird.
Doch der immer mit dem Trend gehende Spieledesigner Robert Zimmermann (Tom Schilling) steht mitten in der Blüte seines Lebens. Er entwickelt gerade einen viel versprechenden Ego-Shooter für eine neue Spielekonsole, dessen Konzept lukrativ nach Asien verkauft werden soll. Just zwei Stunden vor der wichtigen Präsentation versaut ihm sein WG- und Arbeitskollege Ole (Christian Sengewald) den Anzug, worauf Robert die Schnellreinigung der knapp 20 Jahre älteren Monika (Maruschka Detmers) aufsucht, um ihr gleich bei der ersten Begegnung Hals über Kopf zu verfallen. Die Beziehung mit seiner hübschen Kollegin Lorna wird daraufhin kurzerhand und uncharmant beendet. Robert versucht nun, bei der alleinerziehenden Unternehmerin seinen Charme auszuspielen.
Manchmal wirkt unser Held dabei eher tragisch denn komisch, trotzdem wird seine Hartnäckigkeit mit einem Date belohnt, zu dem er mit Anzug und Melone antanzt und Monika ihm im Hippie-Kleid die Tür öffnet. Tja, sich in jemand anderen hineinzuversetzen benötigt dann doch oft mehr als nur einen Gedankenschritt, denn seine anfänglichen Annäherungsversuche werden eher auf Distanz gehalten. Robert sieht das Date dennoch als Erfolg an und lässt vom Objekt der Begierde nicht locker. Doch der in aller Hinsicht reiferen Monika wird klar, dass sie wohl in zu unterschiedlichen Welten leben und sie beschließt vorerst, die Sache ruhen zu lassen.
Robert vermag das gar nicht zu akzeptieren und sieht schmerzhaft die Wunder der Liebe nicht nur bei sich, sondern auch in seinem Familienumfeld sprießen und gedeihen. Seine ältere, lesbische Schwester Pia (Annika Kuhl) hat für die Durchführung ihres Kinderwunsches sozusagen ihre Freundin betrogen, die daraufhin Reißaus nimmt. Die Mutter (Marlen Diekhoff) bandelt mit einem feinfühligen Literaten an und der Vater (Adam Oest), hat sich die hinterhältige Barbie-Puppe Anke (Kirstin Hesse) geangelt, die die Familie in ihren Grundfesten auszuhebeln versucht.
Also, was will uns damit gesagt werden? Liebe ist kompliziert? Durchaus, aber braucht es dafür eine weitere Liebeskomödie? Zugegeben, für das, was man von Leander Haußmann gewohnt ist, greift die Beziehungsstruktur der Protagonisten schon in einer Tiefe zusammen, die einen Kinobesuch rechtfertigt. Allerdings, die Oberfläche ist schon in Sichtweite. Die Thematik der Patchwork-Familie aufzunehmen, scheint zwar nicht sehr originell, aber ist aufgrund der peppigen Romanvorlage Gernot Grickschs dann doch wohl zu verlockend gewesen. Immerhin wird die (fiktive) Scheidungsquote nicht erhört und es bleibt beim viel Streiten und sich wieder Versöhnen.
Passend dazu hat Tom Schilling, der ja selber Familienvater ist, auf die Frage, ob er persönlich Angst vor so einem Chaos in der eigenen Familie habe, gemeint: "Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass längerfristig alles reibungslos laufen wird. Familie ist ja ein wahnsinnig komplexes Konstrukt. Da kommen natürlich Konflikte und Streitereien vor und vielleicht lebt man sich auseinander. Aber dafür ist es ja dann umso schöner, wenn man wieder zueinander findet, wie die Familie im Film." Optimismus ist ein kleiner Teufel mit einer schönen Maske, daran kann auch 2008 nichts geändert werden. Nicht von mir, nicht von Robert Zimmermann und auch nicht von Art Garfunkel.