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Rambo geschwedet
Jack Black und Mos Def haben es in "Abgedreht" vorgemacht und dafür den Begriff "Schweden" erfunden: das Nachdrehen von Blockbuster-Filmen mit minimalsten Mitteln. Nun führt der englische Regisseur Garth Jennings das lustige Prinzip mit "Der Sohn von Rambow" munter weiter. Wir befinden uns im England des Jahres 1982: Der Vokuhila, Radiergummis duften und Schulterpolster sind der letzte Schrei.
Der 11-jährige Will Proudfoot wächst mit Mutter, Schwester und Großmutter in einem kleinen Städtchen als Mitglied einer strengen Religionsgemeinschaft auf, die Vergnügungen jeglicher Art untersagt. Selbst Lehrfilme sind tabu. Als Will deshalb wieder einmal das Klassenzimmer verlassen muss, lernt er den Schulrabauken Lee Carter kennen. Dieser bringt Will dazu, für sein Filmprojekt als Stuntman zu agieren. Und Will entpuppt sich als äußerst begabt, vermag er doch ordentlich was einzustecken.
Ob von einem Wasserstrahl von der Leiter gefegt, auf einem Tablett den Hang hinunter oder ein Sprung in den Fluss, obwohl des Schwimmens gar nicht mächtig, Will geht in seiner Rolle voll auf. Im Hause Lee Carters gerät er dann das erste mal mit dem Medium Film in Kontakt und wird auch sogleich von diesem infiziert. Eine Raubkopie des ersten Rambo-Films "First Blood" ist es, die Will zu sehen bekommt und seine Fantasie weiter beflügelt. Die beiden unterschiedlichen Jungen werden dicke Freunde, ja sogar Blutsbrüder.
Mit der VHS-Kamera von Lees Bruder drehen sie mit ungeheurem Witz und Einfallsreichtum eine Neuinterpretation von »First Blood«, die den Sohn von Rambo, der auf der Suche nach seinem Vater ist, in den Mittelpunkt rückt. Schon bald spricht sich das Filmprojekt an der Schule herum. Angeführt vom coolen französischen Austauschschüler beginnen sich die anderen Schüler dafür zu interessieren, wodurch die Freundschaft der beiden Buben auf eine harte Probe gestellt wird.
Nach der Douglas-Adams-Verfilmung "Per Anhalter durch die Galaxis" ist "Der Sohn von Rambow" Garth Jennings zweiter Langfilm. Der Regisseur, der bisher hauptsächlich Musikvideos - zuletzt für Vampire Weekend - inszeniert hat, zeichnet bei dem stark autobiografisch gefärbten Film auch für das Drehbuch verantwortlich. Auch hier spielt Musik eine zentrale Rolle: Während Duran Duran oder The Cure ertönen, entführt Jennings mit viel Liebe zum Detail in die 80er Jahre. Der Film ist gleichzeitig eine hochkomische Lausbubengeschichte, die berührende Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Außenseitern und die Geschichte einer Befreiung von starren religiösen Dogmen.
Zudem ist "Der Sohn von Rambow" eine Liebeserklärung an das Medium Film und ein Plädoyer für die Kraft der Fantasie. Der Film integriert gekonnt Comic-Elemente, wenn es gilt, Wills Fantasie - die sich in ausschweifenden, mit Buntstift gezeichneten Filmstills und Daumenkinos in seinen Schulheften manifestiert - sichtbar zu machen. Auch beim 61. Filmfestival von Locarno wusste "Der Sohn von Rambow" zu begeistern, so konnte er dort den diesjährigen Publikumspreis erobern.
Regie: Garth Jennings
Darsteller: Bill Milner, Will Poulter, Jessica Stevenson
Verleih: Senator
Start: 3. Oktober 2008