|
|
||
Wer klopft an?
Schon die ersten Bilder verheißen nichts Gutes. Im gleißenden Sonnenlicht des zu Ende gehenden Tages wird da in Zeitlupe eine Villengegend abgefahren, immer wieder durchbrochen von Schwarzblenden, während die Tonspur diese Vorstadtidylle konterkariert. In jedes dieser Häuser könnte das Grauen eindringen, wird suggeriert. Schwärze. Eine weibliche Stimme stammelt am Notruf von Fremden im Haus und Unmengen an Blut. Dazu sieht man in der Morgensonne zwei Jungen eine dieser Villen betreten. Ein Blutfleck an der Wand, ein Gewehr auf der Anrichte und ein blutiges Messer zeugen von grauenhaften Ereignissen. Ein Blick zurück. Die Geschehnisse der vorangegangenen Nacht werden aufgerollt.
Spät nachts erreichen Kristen (Liv Tyler) und James (Scott Speedman) nach einer Hochzeitsfeier das leer stehende Ferienhaus von James' Eltern, um dort die Nacht zu verbringen. Bald schon klopft es heftig an der Tür. Eine junge Frau steht draußen und fragt nach einer Tamara. Die beiden machen ihr klar, dass selbige nicht hier wohnt und ziehen sich wieder ins Haus zurück. Nachdem sich James auf den Weg gemacht hat, um Zigaretten zu holen, dauert es nicht lange und es klopft abermals, diesmal noch heftiger. Kristen weigert sich zu öffnen. Doch irgendetwas stimmt nicht im Haus. Dinge verschwinden oder tauchen an anderer Stelle wieder auf.
Kann es sein, dass jemand im Haus ist? Ein Schriftzug erscheint an der Fensterscheibe und plötzlich ist da ein Mann mit einem Jutesack über dem Kopf. In Panik verschanzt sich Kristen mit einem Küchenmesser im Schlafzimmer. Als James nach Hause kommt, ist der Spuk zu Ende, weshalb er Kristen erst nicht glaubt. Doch schon bald wird er eines Besseren belehrt. Aus dem Dunkel der Nacht tauchen drei maskierte Personen, ein Mann und zwei Frauen, auf, die ein grausames, sadistisches Spiel mit dem jungen Paar beginnen. Eine lange Nacht steht bevor.
Regisseur Bryan Bertino ist mit seinem Debütfilm ein spannender Horrorthriller gelungen, der statt auf übermäßiges Blutvergießen auf Suspense und gezielte Schockeffekte setzt. Der Film ist dem Genre der Home-Invasion-Movies zuzurechnen, in welchem das Grauen immer in die eigenen vier Wände vordringt, an jenen Ort also, an dem man sich am sichersten wähnt. Der Regisseur breitet zuallererst die Beziehung des Paares aus und sorgt so für Identifikation mit den Protagonisten, ohne die der Film nicht funktionieren würde.
Die heimelige Atmosphäre des alten Landhauses – das Kaminfeuer, die knarzenden Holzdielen und die scheinbar alten Folk- und Country-Platten (in Wirklichkeit handelt es sich um neue Tracks, etwa von Wilco oder Joanna Newsom) - verkehrt sich bald ins Gegenteil. Das Geräusch der Holzdielen zeugt ebenso von Eindringlingen wie die Musik, die wie von Geisterhand wieder zu spielen beginnt oder das rauchende Kaminfeuer. Um Suspense zu erzeugen, bedient sich Bertino gekonnt der bekannten Stilmittel des Horror- und Thrillergenres, die noch immer ausgezeichnet funktionieren und einen im Kinosessel zusammenschrecken lassen.
Regie: Bryan Bertino
Darsteller: Liv Tyler, Scott Speedman, Gemma Ward
Verleih: Luna Film
Start: 21. November 2008