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Race For Your Life
Schon in seinem Debütfilm "Shopping" (1994) spielten Autos eine wesentliche Rolle. Im London der nahen Zukunft vertrieben sich da Jude Law und Sadie Frost die Zeit damit, gestohlene Fahrzeuge in Schaufenster zu lenken, um anschließend die Geschäfte auszurauben. Im Folgenden machte sich Regisseur Paul W. S. Anderson - nicht zu verwechseln mit dem US-Regisseur Paul Thomas Anderson ("There Will Be Blood") - vor allem mit der Verfilmung von Computerspielen, wie "Mortal Combat" "Resident Evil" und "Alien vs. Predator", einen Namen. Mit "Death Race" lebt der Brite, der mit der Schauspielerin Milla Jovovich verlobt ist, seine Faszination für schnelle Autos abermals aus.
Wir schreiben das Jahr 2012. Die amerikanische Wirtschaft liegt darnieder. Die Arbeitslosigkeit ist exorbitant hoch, ebenso wie die Kriminalitätsrate. Die zum Bersten gefüllten Gefängnisse gehören privaten Konzernen, während ein autoritäres Regime mit strenger Hand regiert und die Massen mit einem brutalen Spiel bei Laune hält – dem "Death Race". Via Internet verfolgen die Zuschauer dieses Event, das auf der Gefängnisinsel Terminal Island statt findet und bei dem sich die Häftlinge in gepanzerten und mit allerlei Waffen versehenen Boliden ein Rennen auf Leben und Tod liefern. Ein Rennen besteht aus drei Runden. Wer fünf Rennen gewinnt, ist ein freier Mann. Alles ist erlaubt. Star dieses Spektakels ist der maskierte Fahrer Frankenstein, dem nur noch ein Sieg zur Freiheit fehlt.
Bedauerlicherweise weilt der Gute seit dem letzte Rennen nicht mehr unter den Lebenden, weshalb die Gefängnisdirektorin Hennessey (Joan Allen) Ersatz benötigt. Um die Einschaltquoten weiter hoch zu halten, soll der ehemalige Speedway - Champion Jensen Ames (Jason Statham), der zu Unrecht wegen Mordes an seiner Frau einsitzt, Frankensteins Platz einnehmen. Gewinnt er das letzte Rennen, so soll er frei sein. Ames lässt sich nicht lange bitten und steigt mit seiner attraktiven Co-Pilotin Case (Natalie Martinez), Insassin des nahe gelegenen Frauengefängnisses, mit einem gepanzerten 8-Zylinder Ford Mustang in den Wettkampf ein.
High-Tech Trash
Nach Quentin Tarantino, der 2007 mit "Death Proof" dem grindigen Highway- und Raserfilm huldigte, versucht sich nun Paul W.S. Anderson an einem Genre, das in den 1970er und 80er Jahren seine Hochblüte erlebte. Wie jeder Mann liebe er Autos, so der Brite im Interview. "Ich habe Autorennen immer gemocht, obwohl ich sie zum Zusehen teilweise sehr langweilig finde, was auch das Problem vieler Rennfilme ist. Das großartige bei 'Death Race ist', dass da nicht nur Autos im Kreis fahren, sondern dass diese mit Raketen und Maschinengewehren bestückt sind. Das alles geht zurück auf 'Goldfinger' und dieses James-Bond-Auto, das mit diversen Spielereien versehen ist. Ich liebe dieses Auto und ›Death Race‹ ist wie dieses Auto - aufgepeppt auf ein Maximum."
Während Tarantino den billigen B-Movie-Charme aufrecht zu erhalten versuchte, hat Anderson sein Budget investiert, um ein legendäres B-Movie zu einem Hollywood - Action - Knaller aufzublasen. Sein Film basiert auf "Death Race 2000" (1975) von Trash-Pabst Roger Corman, der hier als Co-Produzent fungierte. Anderson sieht seinen Film aber nicht als Remake, sondern als eine Art Re-Imagination. "Ich liebe den Original-Film, finde ihn fantastisch", so der Regisseur. "Ich würde aber niemals ein Remake davon wagen. Es gab Aspekte im Film, bei denen ich dachte, ich könnte das ein wenig besser machen. Ich war immer fasziniert von diesen Autos, die gebaut waren, um zu zerstören und zu töten. Also fragte ich mich, was wäre, wenn ich diese Autos für meinen Film wirklich bauen könnte, was für Roger ja nicht möglich war, weil das Budget in den 70er Jahren einfach zu gering war. Die andere Sache, die mich interessierte, war, wie in Rogers Film das Death Race zum amerikanischen Nationalsport wird. Anstelle von Basketball und Baseball ist die Nation nun von Death Races besessen."
Ich war immer fasziniert von diesen Autos, die gebaut waren, um zu zerstören und zu töten. Also fragte ich mich, was wäre, wenn ich diese Autos für meinen Film wirklich bauen könnte?
Anderson betont, wie wichtig ihm die Echtheit der Rennszenen war. Um eine reale Atmosphäre zu schaffen, wurde nur das Nötigste am Computer erzeugt. "Es gibt natürlich visuelle Effekte, aber da sind keine computergenerierten Autos im Film. Wir benötigten ein Jahr, um die Auto-Crashes zu planen. Dann filmten wir in 50 Tagen das Ergebnis dieser Vorbereitungen." Gedreht wurde in Montreal.
Obwohl der pessimistische Science-Fiction-Plot durchaus gesellschaftskritische Aspekte beinhaltet, wird auf derartige Ansätze nicht näher eingegangen. Anderson interessiert vor allem das Autorennen. "Es ist ein Popcorn-Movie. Es geht um Entertainment", so der Regisseur. "Aber ähnlich wie bei den 'Resident Evil'-Filmen, denke ich, steckt da ein Körnchen Wahrheit drin. Auch 'Death Race' reflektiert ein immer höheres Maß an Gewalt im Reality-TV. Ich denke aber, es ist ein Unterhaltungsfilm und keine politische Botschaft. Mein Film soll zuallererst unterhalten. Wenn das Publikum aber Stoff zum Nachdenken daraus bezieht, so ist das auch gut."
So konzentrierte sich Anderson auf rasante Autorennszenen und viel Herumgeballere. Explosionen und spektakuläre Crashs stehen im Mittelpunkt. Die destruktive Lust an der Zerstörung wird zelebriert. "Death Race" erinnert über weite Strecken an ein Computerspiel, bei dem es gilt, verschiedene, immer schwieriger werdende Levels zu durchlaufen, während man dazwischen sein Gefährt weiter aufpimpen kann. "Es gibt viele Videospiel-Ideen im Film. Alles, was ich mache, hat diesen Game-Charakter."
Genretypisch ist das Ganze mit vollbusigen Mädels in engen Tank Tops und knappen Hot Pants aufgefettet. "Death Race" ist in erster Linie Kino für große Buben - actiongeladen, machistisch, anspruchslos und im Grunde total seicht. Doch die Action-Sequenzen sind großartig inszeniert und machen durchaus Spaß. Als Vorbereitung für das nächste GTI-Treffen am Wörthersee ein absolutes Muss.