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Frau Gerti und die Buben
Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit im oberösterreichischen Ebensee fünf Teenager via SMS von ihrem bevorstehenden Ableben erfuhren. Drei von ihnen ereilte tatsächlich ein grausamer Tod. Nur Nina und Mona konnten sich retten. Nina (Sabrina Reiter) studiert mittlerweile in Wien. Nebenbei jobbt sie im Plattenladen Substance oder tanzt die Nächte im Flex ab.
Mitten in der Nacht meldet sich das Unheil einmal mehr via Handy zu Wort. Es ist Mona, die verzweifelt um Hilfe fleht. Kurz entschlossen fährt Nina nach Ebensee, doch Mona ist weg. Die Familie sei nach Tirol zu Verwandten gezogen, wird ihr gesagt. Also macht sich Nina auf nach Feichten im tirolerischen Kaunertal. Alles deutet darauf hin, dass Mona dort auf dem abgelegenen Gasthof der Familie Kofler festgehalten wird.
Unbeeindruckt von der klirrenden Kälte stapft Nina durch schneebedeckte Landschaften zwischen bedrohlich aufragenden Gebirgsformationen zu besagtem Gasthof, um ihre Freundin zu retten. Doch schon bald gerät sie selbst in die Fänge der degenerierten Wirtin und ihrer sadistischen Söhne. Während im Fernseher der Wirtsleute Oliver Baier und sein Rate-Team über das "Ding der Woche" witzeln, bahnt sich für Nina eine lange, eher unlustige Nacht an.
2006 landete Regisseur Andreas Prochaska mit "In 3 Tagen bist du tot" einen Überraschungserfolg: Indem er die Erzähl-Muster amerikanischer Teenie-Slasher-Filme in ein heimisches Milieu verlagerte und mit viel Lokalkolorit versetzte, gelang ihm, trotz geringem Budget, eine packender, spezifisch österreichischer Horrorfilm. Dabei wurde er von einem großartigen Laien-Ensemble unterstützt, deren regionaler Dialekt dem Geschehen zusätzlich Authentizität verlieh.
Mit "In 3 Tagen bist du tot 2" liefert er nun abermals eine äußerst gelungene Genrearbeit ab. Nach dem Teenie-Slasher adaptiert Prochaska nun das Genre des Hinterwäldler-Horrors an heimische Verhältnisse. Nicht nur im amerikanischen Hinterland gibt es degenerierte Hillbillies, die im gleißenden Sonnenlicht die Axt oder die Motorsäge schwingen, nein, auch in der Schneelandschaft der Tiroler Berge kann es unschön enden, wenn man die Einheimischen bei ihren Verrichtungen stört - unsachgemäße Verwendung diverser Gerätschaften inklusive.
So dürfte sich der Schlachtschussapparat zum "Ding des Jahres" entwickeln - man denke auch an Javier Bardems Killer in "No Country For Old Men". Prochaska nimmt sich anfangs wieder Zeit, Alltagswelten und Lokalkolorit ins Bild zu rücken. Als Nina schließlich auf dem abgelegenen Gasthof ankommt, ändert sich die Tonart des Films, der von einer Art Roadmovie ganz plötzlich zu einem beklemmenden Horror-Kammerspiel wird, wobei Sabrina Reiter eine beeindruckende One-Woman-Show abliefert.
Schon bald färbt sich das blendende Weiß des Schnees blutrot. Während Teil eins vor allem auf Suspense setzte und Schockeffekte nur vereinzelt deftiger gerieten, schreitet Prochaska nun, dem Genre entsprechend, um einiges härter, blutiger und kompromissloser zu Werke.
Regie: Andreas Prochaska
Darsteller: Sabrina Reiter, Andreas Kiendl, Anna Rot
Verleih: Luna Film
Start: 25. Dezember 2008
Wertung: 8/10