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Mundl returns
In 24 Folgen mussten sich die Sackbauers von 1975 bis 1979 in "Ein echter Wiener geht nicht unter" gegen die Widrigkeiten des Wiener Alltags behaupten. Die vom ORF produzierte Serie brachte es auf zahlreiche Wiederholungen im österreichischen Fernsehen und erreichte vor allem durch die von Karl Merkatz genial verkörperte Figur des cholerischen Wiener Paradeproleten Edmund "Mundl" Sackbauer und dessen legendären Wuchteln ("Mei Bier is ned deppad") Kultstatus.
30 Jahre später bringt Regisseur Kurt Ockermüller, der damals auch die letzten acht Folgen der TV-Serie inszenierte, den Mundl und die übrigen Eierschädel nach einem Drehbuch von Serien-Erfinder Ernst Hinterberger in die heimischen Kinos. Ockermüller gelang es, einen Großteil der Originalbesetzung für das Projekt zu gewinnen. So sind auch Gattin Toni (Ingrid Burkhard), Sohn "Fetznschädel" Karli (Klaus Rott) und Tochter Hanni (Erika Deutinger) wieder mit dabei.
Neu in der Familie ist Mondscheiner-Sänger Manuel Rubey, der zuletzt mit Falco einen anderen echten Wiener verkörperte und nun den Mundl-Enkel René (sprich: Renne) gibt. Manuel Rubey selbst lernte die Serie in seinen Jugendtagen kennen. "Im Unterschied zu Falco, der mir vor dem Film egal war, kannte und mochte ich die Serie schon vorher", so der Schauspieler und Sänger. Die Produktion stellt für ihn ein Stück TV-Geschichte dar, bei deren Fortführung er stolz ist, dabei zu sein. Ein weiterer Grund, die Rolle anzunehmen, war, dass er das Signet des Falco-Darstellers endlich loswerden wollte. Den Mundl schätzte Manuel Rubey aber nicht nur seiner "Wuchteln" wegen, die auch in seiner Schulklasse gerne zitiert wurden. "Die Serie stellte das Proletariat authentisch dar, das gibt es so heute eigentlich nicht."
Obwohl "Ein echter Wiener..." vor allem durch seine komischen Aspekte im Gedächtnis blieb, zeichnete sich die Serie auch durch ihren ungeschönten Blick auf das Wiener Arbeitermilieu aus. Es ging um Klassenunterschiede, Familien- und Beziehungsprobleme, Schulden, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus. Auch "Echte Wiener" greift wieder reale Probleme auf.
Nachdem der Mundl seinen geliebten Schrebergarten räumen hat müssen, weil dieser einer Autobahn weichen soll, ertränkt er seinen Kummer in der Loggia seiner Wiener Gemeindebauwohnung in Bier. Um ihn wieder aufzuheitern, organisiert Gattin Toni anlässlich seines bevorstehenden 80ers kurzerhand eine Feier beim Heurigen mit Familie und Freunden. "Echte Wiener" ist vor allem ein Film übers Älterwerden. Die 30 Jahre sind auch an den Schauspielern nicht spurlos vorübergegangen. So ist Kurt Weinzierl hier, von schwerer Krankheit gezeichnet, in seiner letzten Filmrolle zu sehen.
Ein weiteres großes Thema des Films ist der Generationenkonflikt zwischen dem verwitweten René und seinem 13-jährigen Sohn. Mit den Linzer Hip-Hoppern Texta und ihrem Song "Mei Liad is ned deppad" wird versucht, auch ein junges Publikum anzusprechen. Ob sich dieses heute noch für den Mundl begeistern lässt, wird sich zeigen.
Regie: Kurt Ockermüller
Darsteller: Karl Merkatz, Ingrid Burkhard, Manuel Rubey
Verleih: Thim Film
Start: 19. Dezember 2008
Wertung: 5/10