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Slumdog Millionär
an Zuversicht, Hoffnung und die Liebe.
Die beliebte Quizshow "Wer wird Millionär" trat in ihrer heutigen Form vor über zehn Jahren von London ausgehend ihren Siegeszug in der Medienwelt an. Wegen der großen Beliebtheit folgten TV - Adaptionen in mittlerweile über 70 Ländern. Zum Drüberstreuen finden sich noch Konsolen-, PC - und Brettspiele zu dem weitgehend standardisierten Fragen - und Antwortspiel. Mit "Slumdog Millionär" kommt die Show auch ins Kino. Dass es Danny Boyle ist, der dem Debütroman "Rupien! Rupien!" (im Original: "Q and A") des Inders Vikas Swarup ein lebendiges Gesicht verleiht, ist sicherlich kein Nachteil, denn dass er ein gefühlvolles Händchen für die Adaption von Romanvorlagen besitzt, zeigte sich in vollem Ausmaß 1996, als er "Trainspotting" von Irvine Welsh auf Zelluloid transkribierte. "Slumdog Millionär" handelt vom 18 - jährigen Jamal Malik (Dev Patel), der gemeinsam mit seinem Bruder Salim und einem Mädchen namens Latika als Waisenkind in den Slums von Mumbai aufwächst. Es gelingt ihm, bei der besagten Fernsehsendung als Kandidat auf dem heißen Stuhl zu landen. Und nicht nur das, er bestreitet die Show erfolgreich, was ihm jedoch den Neid des Showmasters Prem Kumar (fies: Anil Kapoor, neben ihm wirkt Armin Assinger wie Mutter Theresa) einbringt, der ihn des Betrugs verdächtigt, sodass der Kandidat letztlich inhaftiert wird. In einem kleinen Polizeirevier schildert Jamal unter Folter seine tragische und doch bittersüße Lebensgeschichte, die uns erklärt, warum er die richtigen Antworten wusste, welche jeweils für einen Lebensabschnitt stehen. Zu Beginn ist der Verhörende noch misstrauisch, denn keiner würde einem Kellner ohne Schulbildung die Beantwortung der schwierigen Fragen zutrauen, doch mit der Zeit blickt auch er gefesselt zu Jamal auf, als dieser seine turbulente Kindheit und Jugend schildert. Diese Rückblenden sind famos inszeniert und ganz großes Kino. Zum einen wäre da die Dreiecksbeziehung mit seinem älteren Bruder, der als Handlanger für einen reichen Kriminellen ins organisierte Verbrechen abdriftet und der schönen Latika, die insgeheim schon immer seine große Liebe war. Man hat mitunter das Gefühl sich in einem Quentin - Tarantino - Bollywood - Movie zu befinden. Auch, dass den Hauptprotagonisten für die Abschnitte Kindheit, Teenager, junge Erwachsene jeweils verschiedene Schauspieler zur Seite gestellt wurden, unterstreicht die Authentizität und dient der Verdichtung der Story, die in einem großen Showdown endet. Der Soundtrack von A.R. Rahman und M.I.A. fügt sich nahtlos in die bunte Kulisse Indiens ein und hätte in einem Anflug von Kitsch auch mit Cole Porters 1955 geschriebenen Textzeilen "Who wants to be a millionaire? I don’t. [...] And I don’t cause all I want is you" beendet werden können.
Danny Boyle im Interview (Toronto 2008)
Vor dem Interview in der Hotel - Lounge besteht Danny Boyle darauf, dass wir Plätze tauschen. Also sitze ich auf dem "Director’s Seat" und er auf dem "Journalist - Seat".
Simon, ihr Drehbuchautor von "Slumdog Millionär", sagte, dass Sie ein Filmemacher sind, der immer die Perspektiven wechseln will. Jetzt haben wir gerade die Plätze getauscht vor dem Interview. (Danny Boyle lacht)
im Mumbai gezeigt, wie man Fotos macht und verschiedene Blickwinkel einsetzt ...
Ja, es ist sehr interessant. Etwas, das man beim Filmemachen lernt, ist, dass die Tendenz dazu da ist, die Dinge klassisch zu halten. Das muss man überwinden. Wenn du mit Kameramännern arbeitest, sind diese manchmal zu klassisch in ihrer Arbeit. Sie tendieren eher Richtung Gefahrlosigkeit. Ich will das so gut wie möglich aufbrechen. Ich will die Perspektiven aufbrechen. Ich denke, das moderne Kino braucht so viele Perspektiven wie möglich.
Ist das ein Zeichen der Zeit?
Ja. Ich denke, dass die Menschen erwarten, nicht nur den klassischen Umfang der Dinge zu sehen. Sie wollen, dass der Rahmen gesprengt wird.
Ist das ein Zeichen der Zeit?
Ja. Ich denke, dass die Menschen erwarten, nicht nur den klassischen Umfang der Dinge zu sehen. Sie wollen, dass der Rahmen gesprengt wird.
"Sunshine", "Trainspotting", "28 Days Later" sind großartige Filme. Sie haben ihren eigenen Stil. Haben Sie diesen Stil bewusst entwickelt?
Keine Ahnung.
Keine Ahnung? Sie haben noch nie darüber nachgedacht?
Nein! (lacht) Weil man dadurch gehemmt wird. Befangenheit ist ein Feind! Man muss sich an alles neu herantasten. Ich will auch nicht mit Menschen arbeiten, die mich bewundern. Das macht mich verlegen.
Was braucht eine gute Geschichte?
Eine gute Geschichte braucht ein Herz. Und Überraschung. Damit meine ich, dass sie dich nicht dorthin bringt, wo du vermutest, dass sie dich hinbringt. Ich mag es, eine große Idee mit wenig Geld zu realisieren. Wenn du hunderte Millionen Dollar hast, hast du zwar alles was du brauchst. Aber das ist nicht mein Ding.
Welche Richtung möchten Sie in den nächsten Jahren einschlagen?
Ich würde gerne einen Animationsfilm machen.
Um wieder die Perspektive zu wechseln?
Ja, wahrscheinlich. Oder? Ich weiß noch nicht, ob es was wird, aber der Film wird "Truckers" heißen und basiert auf einer Roman - Serie von Terry Pratchett. Wunderbare Geschichten!
Wird Filmemachen das sein, was Sie für den Rest ihres Lebens tun werden? Oder gibt es auch etwas anderes?
Manchmal denke ich darüber nach, etwas Nützliches zu machen, wie vor ein paar Jahren, als ich mit "Ärzte ohne Grenzen" nach Pakistan fuhr. Du fährst dort hin und denkst dir 'Warum mache ich nicht etwas Anständiges wie das hier?'. Diese Menschen leisten außergewöhnliche Arbeit. Vielleicht mache ich etwas ... Nein, ich bin ziemlich sicher, dass ich einfach als Filmemacher enden werde.
Regie: Danny Boyle
Darsteller: Dev Patel, Antil Kapoor, Freida Pinto