|
|
||
Die Herzogin
Nicht zum Schluss, sondern zu Beginn wird hier geheiratet. England im Jahre 1774: Lady Spencer (Charlotte Rampling) arrangiert die Hochzeit ihrer nicht mal 17 - jährigen Tochter Georgiana (Keira Knightley) mit dem deutlich älteren Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes). Georgiana ist überglücklich, zeigt sich aber auch verwundert, da sie und der Herzog sich doch erst zwei Mal gesehen haben. Er sei aber unsterblich in sie verliebt, versichert die Mutter.
Anfangs vom mondänen Leben und der herzoglichen Londoner Residenz überwältigt, muss die frisch gebackene Herzogin von Devonshire bald erkennen, dass der werte Gatte sich mehr für seine Hunde und die Zofen interessiert als für sie. Ihre Aufgabe, ja sogar Pflicht, sei es, ihm einen männlichen Erben zu schenken. Doch "lediglich" zwei Töchter sind das Ergebnis ihrer leidenschaftslosen Liebesnächte. Von ihrer Ehe enttäuscht und unbändiger Lebenslust getrieben, taucht Georgiana ins gesellschaftliche und politische Leben Englands ein.
Aufgrund ihrer Schönheit und ihres extravaganten Mode - Geschmacks avanciert die junge Herzogin bald zu einer allseits verehrten Mode - und Stilikone. Doch auch Charme, sprühenden Witz, Schlagfertigkeit und Intelligenz besitzt Georgiana, weshalb sie ein gerne gesehener Gast am gesellschaftlichen und politischen Parkett Londons wird. Als ihr Ehemann eine Liaison mit ihrer besten Freundin Lady Bess Foster (Hayley Atwell) eingeht, flüchtet sie sich gedemütigt in eine leidenschaftliche Affäre mit dem jungen, aufstrebenden Politiker und späteren Premierminister Charles Grey (Dominic Cooper).Der Film beruht auf dem biografischen Roman "Georgiana - Das Lustvolle Leben der Herzogin von Devonshire", der Historikerin Amanda Foreman, die darin das Leben dieser einflussreichen, politisch aktiven Frau (1757 – 1806), die zu ihrer Zeit tatsächlich eine Art Fashion - Ikone war, nachzeichnet.
Im Unterschied zu Sofia Coppola, die mit "Marie Antoinette" (2006) die französische Königin - eine Zeitgenossin der Dutchess of Devonshire - als grelles It - Girl deutete und die Konventionen des Historiendramas bewusst unterlief, inszeniert Regisseur Saul Dibb ("Bullet Boy") durchaus dem Genre entsprechend. Trotz opulenter Ausstattung und der aufwendigen, oscarprämierten Kostüme erstarrt "Die Herzogin" keineswegs in den Klischees des Kostüm - Melodrams. Regisseur Dibb ist auch an der politischen und gesellschaftskritischen Dimension des Stoffes gelegen. Georgiana wird als intelligente, emanzipierte Frau gezeichnet, die liberalen Ideen anhängt. Doch auch sie kann nicht aus jenen engen Normen ausbrechen, die diese patriarchale Gesellschaft für Frauen vorgesehen hat. Pflichterfüllung statt Selbstverwirklichung lautet die Maxime. Keira Knightley verkörpert die Figur der Georgiana glaubhaft mit großer Anmut. Auch Ralph Fiennes überzeugt als kalter, apathischer Herzog und Wüstling aus Langeweile, der den gesellschaftlichen Zwängen ebenfalls nicht entkommen kann. Leider driftet "Die Herzogin" mit der Zeit zu sehr ins Sentimentale und Melodramatische ab.
"Die Herzogin"
Regie: Saul Dibb Darsteller Keira Knightley, Ralph Fiennes, Charlotte Rampling
Start: 24.04. (A) 26.03. (D)
Wertung: 6/10
Web: www.dieherzogin.kinowelt.de