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Die Schwester der Braut
In der Teenie - Romanze "Plötzlich Prinzessin" gab Anne Hathaway 2001 ihr Debüt auf der Leinwand. Es folgten mehr oder minder gelungene Komödien wie "Der Teufel trägt Prada", "Get Smart" oder zuletzt "Bride Wars". Doch schon 2005 machte die Schauspielerin als Lureen Twist in Ang Lees "Brokeback Mountain" deutlich, dass sie durchaus mehr drauf hat als nur die Rolle der Teenie - Prinzessin. In Jonathan Demmes ("Das Schweigen der Lämmer") Ensemblefilm "Rachels Hochzeit" brilliert sie nun in der Rolle der Kym, für die sie auch mit einer Oscar - Nominierung bedacht wurde. Regisseur Demme, der zuletzt vorwiegend Dokumentar - und Musikfilme inszeniert hat, verfilmt ein Drehbuch von Jenny Lumet, der Tochter von Regie - Altmeister Sidney Lumet.
Demmes Beschäftigung mit dem Dokumentarfilm ist offensichtlich, kommt "Rachels Hochzeit" doch im unruhigen Dogma - Stil daher. Eine verwackelte Handkamera dominiert, ist nahe an den Charakteren und versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen – Unschärfen und Reißschwenks inklusive. Man fühlt sich an Thomas Vinterbergs Dogma - Film "Das Fest" erinnert. Auch hier tun sich unter der scheinbar heilen Oberfläche Abgründe auf, wobei sich "Rachels Hochzeit" nicht ganz so kompromisslos und unbarmherzig rüber kommt, auch versöhnliche Aspekte haben Platz.
Hochzeitstraum und Familientrauma
Die labile Kym unterbricht die Drogentherapie in einer Entzugsklinik, um bei ihrer Familie in Connecticut der mehrere Tage dauernden Hochzeitsfeier ihrer Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt) beizuwohnen. Die Hochzeitsgesellschaft hat sich bereits versammelt und die Hochzeitsvorbereitungen sind in vollem Gange. Es wird gefeiert, geredet, musiziert, getanzt, gegessen und getrunken. Doch mit dem Auftauchen von Kym gerät die Idylle ins Wanken, da sie durch ihre provozierende und direkte Art, ihre Vorwürfe und Schuldzuweisungen unbewältigte Traumata wieder an die Oberfläche und schwelende Konflikte wieder zum Aufbrechen bringt. Angetrieben von Schuldgefühlen, Selbstmitleid und Selbsthass schafft sie es nicht so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre. So wird nach und nach eine schreckliche Familientragödie aufgerollt. Daneben enthält der Film aber auch ungemein komische Momente, wenn sich etwa Bräutigam und Schwiegervater einen Wettbewerb im effizienten Einräumen des Geschirrspülers liefern.
Doch: Komik und Tragik liegen eng beieinander. Ein Gegenstand aus der Vergangenheit lässt die Szene urplötzlich ins Tragische kippen. Am Schluss wird trotz aller Widrigkeiten ein prächtiges Hochzeitsfest gefeiert. Im Stile Robert Altmans gelingt Jonathan Demme ein wunderbar lebensnahes Familienporträt, angesiedelt in einem liberalen, multikulturellen Milieu. Seiner Liebe zur Musik gibt Regisseur Demme breiten Raum. Dem Dogma - Manifest entsprechend wird ausschließlich in der Szene musiziert. Robyn Hitchcock schaut da etwa auf einen Song vorbei und wer nicht zum Taschentuch greift, wenn der Bräutigam (TV On The Radio - Frontman Tunde Adebimpe) am Traualtar "Unknown Legend" von Neil Young für seine Braut schmettert, dem ist nicht mehr zu helfen.
"Rachels Hochzeit"
Regie: Jonathan Demme
Darsteller: Anne Hathaway, Rosemarie DeWitt u.a.
Start: 22.05. (A) 02.04. (D)

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