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Shoot - Out in Paris
Wie die Geschichte ausgeht, ist bekannt. Am 2. November 1979 wurde Jacques Mesrine auf offener Straße von der Polizei mit 19 Schüssen getötet. Stimmen wurden laut, die von einer Hinrichtung Mesrines, der die französische Polizei zwei Jahrzehnte lang genarrt hatte, sprachen. Der französische Regisseur Jean - François Richet hat nun die Biografie dieses ebenso faszinierenden wie grausamen Mannes mit einem grandiosen Vincent Cassel in der Hauptrolle in zwei Teilen filmisch nachgezeichnet. "Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt" folgt dem jungen Mesrine, der 1959 aus dem Algerienkrieg zurück nach Frankreich kommt, dort aber bald aus seiner kleinbürgerlichen Existenz ausbricht und in die Pariser Unterwelt eintaucht. Er begeht zahlreiche Raubüberfälle und wird zu einem der meistgesuchten Verbrecher des Landes. 1969 wird er in Kanada geschnappt und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Drei Jahre später gelingt ihm die Flucht. Nach mehreren Banküberfällen in Montréal kehrt Mesrine nach Frankreich zurück. Hier setzt der zweite Teil "Public Enemy No. 1 – Todestrieb" ein.
Narziss trifft Robin Hood
Mesrine geht erneut seinem Gewerbe nach. Banküberfälle, Diebstahl, Mord, Entführung und Erpressung stehen auf der Tagesordnung. Immer wieder wird Mesrine verhaftet, und immer wieder gelingt ihm die Flucht. Im Pariser Gefängnis La Santé schreibt er seine Autobiografie, in der er sich zu 40 Morden bekennt und gleichzeitig die Haftbedingungen in Hochsicherheitsgefängnissen anprangert. 1978 bricht er aus und setzt seine Verbrechen mit noch größerer Dreistigkeit fort. Schließlich wird er, nachdem er den Millionär Henri Lelièvre entführt und für seine Freilassung sechs Millionen Francs erpresst hat, zum "Staatsfeind Nr. 1" erklärt.
Mesrine wendet sich an die Medien, die er geschickt für seine Zwecke zu nutzen versteht. In mehreren Interviews für renommierte Blätter stilisiert er sich zu einer Art modernen Robin Hood. Zu einer Zeit, in welcher der linke Terrorismus in Europa gerade seine Hochblüte erlebt, versucht Mesrine zunehmend seine Verbrechen in einen politischen Kontext einzubetten. Der Film zeigt Mesrine aber als im Grunde apolitische Person, für die vielmehr Narzissmus und ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis Antriebsfeder für ihr Tun sind.
Mit viel Liebe zum Detail inszeniert Richet ein an die kühlen französischen Gangsterfilme der 70er - Jahre ebenso wie an das New - Hollywood - Cinema mit seinen realistischen, explizit gewalttätigen Bildern angelehntes Biopic. Dass seine Gangster - Saga nicht zu einer bloßen Aneinanderreihung von actionreichen Schusswechseln, rasanten Verfolgungsjagden und spektakulären Ein - und Ausbrüchen gerät, ist vor allem Vincent Cassel zu verdanken, der die Figur des Jacques Mesrine zwischen charismatischem Dandy und unberechenbarem Verbrecher sehr physisch anlegt. Mehr noch als im ersten Teil wird der "Mann mit den tausend Masken", der zu Lebzeiten eine Art Star war, als sympathischer Verbrecher geschildert, was die Gefahr einer erneuten Idolisierung dieses äußert ambivalenten Charakters birgt.
"Public Enemy No. 1 – Todestrieb"
Regie: Jean-François Richet
Darsteller: Vincent Cassel, Mathieu Amalric
Start: 26.06. (A) 21.05. (D)
http:// www.mesrine-lefilm.com