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Ein paar Tage am Meer
Der gemeinsame Urlaub gilt ja als erste große Bewährungsprobe für eine noch junge Liebesbeziehung. Gegensätze zeigen sich eben noch deutlicher, wenn man viel Zeit für einander hat. Das ist bei Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger), die auf Sardinien im Ferienhaus von Chris' Eltern den gemeinsamen Urlaub verbringen, nicht anders. Obwohl ihr Urlaub anfangs noch sehr harmonisch und unbeschwert verläuft, werden die Gegensätze zwischen der spontanen, offenen Gitti und dem eher introvertierten Chris immer deutlicher.
Gemeinsam einsam
Es wird gefaulenzt und herumgealbert, aber auch immer wieder gestichelt. Zudem gelingt es Chris nicht, den Alltag auszublenden, wartet der im Moment erfolglose Architekt doch auf das Ergebnis eines Wettbewerbs, bei dem er sein Projekt eingereicht hat. Als Chris im Supermarkt seinem alten Bekannten und Berufskollegen Hans (Hans - Jochen Wagner) und dessen schwangerer Frau Sana (Nicole Marischka) über den Weg läuft, schafft er es nicht, eine Einladung zum Essen auszuschlagen. Mit dem unerwarteten Auftauchen dieses ebenso aufdringlichen wie selbstgerechten Paares gerät die Beziehung von Gitti und Chris ordentlich ins Wanken.
Der berufliche Erfolg und das machohafte Gebaren des bevormundenden Hans bringen Chris aus dem labilen Gleichgewicht und Gitti auf die Palme. Als sie sich jedoch, um ihren Freund zu verteidigen, mit Hans anlegt, fühlt sich Chris in seiner Männlichkeit gekränkt und lässt seinen Frust an Gitti aus. Immer mehr beginnt sich Chris, der seinen sozialen Status gefährdet sieht und sich keine Blöße geben möchte, an das ostentativ glückliche Paar anzupassen. Um Chris nicht zu verlieren, schraubt Gitti ihre Bedürfnisse immer mehr zurück, auch wenn sie mit der konventionellen Mann - Frau - Rollenverteilung, die Hans und Sana zur Schau stellen, so gar nichts anfangen kann. Lange lässt sie sich demütigen, bis es ihr schließlich reicht.
Die junge deutsche Regisseurin Maren Ade sorgte bereits 2003 mit ihrem Spielfilmdebüt "Der Wald vor lauter Bäumen", der die zunehmende Vereinsamung einer jungen, idealistischen Lehrerin zum Thema hatte, für Aufsehen. Ihr Nachfolgefilm "Alle Anderen" feierte bei der diesjährigen Berlinale Premiere, wo er mit den Silbernen Bären für die beste Regie und die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Zum einen lebt der Film vom grandiosen Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller.
Birgit Minichmayr, die zuletzt in "Der Knochenmann" in den Kinos zu sehen war, überzeugt als extrovertierte Gitti ebenso wie der an der Berliner Schaubühne tätige Lars Eidinger in der Rolle des Chris, der seine berufliche Erfolglosigkeit mit seinem Idealismus rechtfertigen möchte, was Gitti aber als bloßen Vorwand für seine Entscheidungsschwäche entlarvt. Zum anderen ist es dem präzisen Blick von Regisseurin Ade für Details zu verdanken, dass "Alle Anderen" eine derart fein gezeichnete, ebenso einfühlsame wie witzige Beziehungsstudie geworden ist, die um die Hochs und Tiefs der Liebe kreist, ohne dabei einem der beiden Protagonisten den Vorzug zu geben.
"Alle Anderen"
Regie: Maren Ade
Start: 26.06. (A) 18.06. (D)