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Mitten im Nirgendwo, umgeben von weitläufigen Feldern, die an die amerikanische Prärie erinnern, steht am Rande eines Autobahnabschnittes, der vor zehn Jahren begonnen, aber niemals fertig gestellt wurde, das Einfamilienhaus einer fünfköpfigen Familie. Hier führen Vater Michel (Olivier Gourmet: bekannt aus den Filmen der Brüder Dardenne) und die psychisch labile Mutter Marthe (wie immer großartig: Isabelle Huppert) gemeinsam mit ihren drei Kindern abgeschieden vom Rest der Welt ein skurril idyllisches Außenseiterdasein in absoluter Ruhe – wenn nicht gerade die älteste Tochter im knappen Bikini zu Death - Metal - Musik das Sonnenbad genießt. Der Asphaltstreifen dient der Familie als Vorgarten und Spielplatz gleichermaßen.
Der zehnjährige Sohn nutzt die menschenleere Fahrbahn am Nachmittag, um mit seinem Fahrrad Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen, während der ein paar Jahre älteren Schwester die Pubertät zu schaffen macht. Am Abend spielt man auf der Straße Hockey oder sitzt gemütlich im Freien auf der Couch und sieht gemeinsam fern. Eines Tages taucht jedoch ein Bautrupp auf und beginnt, den Autobahnabschnitt fertigzustellen, da dieser nun doch für den Verkehr freigegeben werden soll. Den ersten Fahrzeugen blickt man noch gespannt entgegen. Doch der Autofluss wird rasch mehr und führt zu massiven Einschnitten in der Lebensqualität der Familie.
Das Überqueren der Straße – und somit der Schul - und Arbeitsweg – gestaltet sich zunehmend schwierig. Der unablässige Lärm und die gleißenden Scheinwerfer, noch dazu der schwüle Sommer rauben der Familie den Schlaf und bringen sie an den Rand des Wahnsinns. Die ohnehin schon brüchige Familienstruktur bekommt immer mehr Risse und droht auseinanderzufallen. Der Schweizer Regisseurin Ursula Meier gelingt mit ihrem Langfilmdebüt ein wunderbar zwischen grotesker Komik und Tragik oszillierendes, umgekehrtes Roadmovie, das sich nach und nach in einen klaustrophobischen Psychothriller verwandelt. (8/10)
Regie: Ursula Meier
Start: 04.09. (A) 25.06. (D)