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Der Fall des Lemming
Ausg’steckt is! Wir befinden uns im Epizentrum der Wiener Alltagskultur – oder sagen wir genauer: In einem zwergbürgerlichen Milieu rennt der "Wiener Schmäh". Lemming wird nach seiner Suspendierung Privatdetektiv – der ermordete Lateinlehrer war ein Sadist, zwei Schüler nahmen sich seinetwegen das Leben. Mit der feschen Tierärztin Klara Breitner (Obacht: Julia Koschitz! Nach zahlreichen Theaterstationen in Deutschland kommt die Österreicherin endlich beim Film an: Mehr - Sehen - Wollen!) geht er ein Verhältnis ein. Das Milieu wird bemüht: Die antagonistische Figur des unvermeidlichen Roland Düringer - den korrupt-geschleckten Polizeikommandanten Krotznig – hält man primavista als der Wirklichkeit am nächsten kommende. Kein Wunder, radebrechen doch die anderen Darsteller (vor allem Fritz Karl als Leopold "Lemming" Wallisch) in einem künstlichen Dialekt.
Der Kriminalfilm nach dem gleichnamigen Roman von Stefan Slupetzky versucht eine Reihe zu etablieren. Nikolaus Leytner, der verdienstvolle und im Genre geübte Regisseur ("Ein halbes Leben", "Die Geschworene", "Drei Herren"), klopft Slupetzkys Geschichtsteppich nach Wahrhaftigkeit ab, aber dann schauen halt doch nur wieder Bilder vom notorischen Prater heraus. Er versucht zwar, Noir - Töne über die "Maschek - Seitn" (wird in Slupetzkys "Glossar für Nicht - Wiener" als "durch die Hintertür" übersetzt) einzuführen - allein, das Kleinklein nervt irgendwann. Dem sympathischen Stefan Slupetzky sei sein Erfolg vergönnt, gute Autoren können sich aber auch mal an anderen Stoffen – der Wienkrimi hat Saison! - versuchen: Dann wären Regisseure auf dem Zenit ihres Könnens nicht gezwungen, immer die gleichen unsäglichen Gully - Geschichten zu erzählen. (6/10)