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Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte
Auch in seinem jüngsten Werk versucht er auf seine Art und Weise die "heutige Religion Nr. 1", den Kapitalismus, durch einen geschichtlichen Abriss zu durchleuchten und zu zeigen, wie es zu den ganzen Krisen der letzten Jahre kommen konnte. Er zeigt dicke, unsympathisch wirkende Männer in Anzügen, Konzernbosse sowie Bankdirektoren, die für das vorsätzliche Auseinanderklaffen der "Arm - Reich - Schere" angeklagt werden. Aber die Kritik trifft nicht nur die, die heute an der Macht sitzen, sondern geht gut 50 Jahre zurück: Die Idylle des goldenen Zeitalters, die Jahre des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit werden gezeigt. Der große Bruch wird mit der Amtsübernahme Ronald Reagans 1980 deklariert, mit der die extreme Umverteilung losging.
Auch Referenzen zu seinem Erstlingswerk "Roger & Me" (1989) sind zu finden, sein Vater war Arbeiter bei General Motors. Mit ihm spaziert er in seiner Heimatstadt Flint durch das heruntergekommene Fabrikgelände. Es werden immer wieder einzelne Schicksale genauer unter die Lupe genommen, so zum Beispiel auch das zweier Familien, die sich auf zwielichtige Bankgeschäfte einließen und aus den Häusern, die sie teilweise schon über Generationen bewohnten, hinausgeworfen wurden und nun auf der Straße sitzen. Ein Schmunzeln wiederum bereitet die Szene, in der Moore mit leerem Panzerwagen vor die Zentralen der Großbanken fährt und mit aufgehaltenem Geldsack und per Megafon "Give us our money back!" fordert. Gegen Ende wird es aber trotzdem zu pathetisch, wenn ein neidvoller Blick auf die "tollen" Sozialsysteme Japans bzw. Europas mit einer Naturkatastrophe auf Seiten Amerikas verglichen wird. George Bush, Barack Obama (musikalisch unterlegt mit der "Internationalen"!) sowie andere amerikanische Präsidenten kommen immer wieder in Bildmontagen vor, die mit privatem Filmmaterial aus Moores Kindheit zu einer ansprechenden Collage zusammengezimmert werden. (6/10)
Regie: Michael Moore
Start: 13.11. (A), 12.11. (D)

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