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Provinzprinzessin und Menschenfeind
deren Regisseurs wird derart mit dem Big Apple assoziiert wie jener des jüdischen Komikers. Und dennoch haben auch zuletzt seine filmischen Ausflüge nach London ("Match Point", "Scoop") und Barcelona ("Vicky Christina Barcelona") prächtig funktioniert. Mit seiner 40. Regiearbeit ist er nun an den Hudson River zurückgekehrt, um einmal mehr von den Nöten eines jüdischen New Yorker Intellektuellen zu erzählen. In "Whatever Works" gibt Comedy - Star Larry Charles – Miterfinder von "Seinfeld" sowie Produzent, Autor und Hauptdarsteller von "Curb Your Enthusiasm" – das Alter Ego des Regisseurs. Boris Yellnikoff ist jenseits der 60 und durch und durch ein Misanthrop. Er hält sich selbst für ein verkanntes Genie. Beinahe hätte er, der über einen IQ von 200 verfüge, einst den Nobel - Preis gewonnen, wie der verbitterte ehemalige Physik - Professor bei jeder sich bietenden Gelegenheit lamentiert.
Die Welt ist schlecht
Wenn er nicht gerade seine minderjährigen Schachpartner zur Sau macht oder ihnen das Schachbrett an den Kopf knallt, ergeht sich Boris am liebsten in endlosen Dialogen, in denen er über die Schlechtigkeit und Dummheit der Welt und der Menschen doziert. Und wenn ihm seine Kumpels im Stammlokal in Greenwich Village nicht mehr zuhören, dann durchbricht er einfach die vierte Wand und wendet sich direkt an das Kinopublikum, das er als einziger im Film zu sehen vermag. In der Nacht wird der Hypochonder von Panikattacken geplagt. Eine gescheiterte Ehe und einen gescheiterten Selbstmordversuch hat er bereits hinter sich. Als eines Tages die junge Ausreißerin Melody (Evan Rachel Wood) vor seiner Tür steht und Boris diese ein paar Tage bei sich wohnen lässt, wird das Leben des Griesgrams ordentlich durcheinander gewirbelt. Sein Zynismus prallt an der naiven, stets optimistischen Südstaatenschönheit einfach ab. Melody hält Boris für ein Genie und entwickelt eine starke Zuneigung für den alten Nörgler. Dem kann sich Boris nicht entziehen, und schon bald läuten die Hochzeitsglocken.
Mit dem Auftauchen von Melodys Eltern (Patricia Clarkson, Ed Begley Jr.) werden eine Reihe amouröser Verwicklungen und absurder Wendungen erst in Gang gesetzt. "Whatever Works" erinnert an Woody Allens frühe, ebenso geschwätzige wie temporeiche, stets aber sehr persönliche Arbeiten – kein Wunder, schrieb Allen das Drehbuch doch schon vor mehr als dreißig Jahren. Abgestanden wirkt der Film deshalb nicht. So zynisch und böse hat man den Meister in seinen Komödien schon lange nicht mehr erlebt. Der Film lebt, wie für Allen so typisch, von seinen neurotischen Charakteren und bissigen Dialogen. Obwohl uns Boris zu Beginn prophezeit, dies sei kein Feelgood - Movie, entwickelt sich der Film genau dazu. "Whatever Works" ist ein Plädoyer für sexuelle Toleranz – darauf bezieht sich auch der Titel: Erlaubt ist whatever works.
"Whatever Works"
Regie: Woody Allen
Darsteller: Larry David, Evan Rachel Wood
Start: 04.12. (A) 03.12. (D)
Wertung: 7/10