|
|
||
|
|
|
WERBUNG Online-Games |
Lourdes
In einer Grotte beim Gave, einem Fluss nahe der südfranzösischen Pyrenäenstadt Lourdes, soll im Winter 1858 der vierzehnjährigen Bauerntochter Bernadette Soubirous eine hell gekleidete Dame, die sich als "unbefleckte Empfängnis" vorstellte, erschienen sein. Details hierzu liest man in Franz Werfels Roman "Das Lied von Bernadette" nach. Jessica Hausner hat ihren gekonnten Blick allerdings auf den zeitgenössischen Alltag der Pilgernden, die nach wie vor den heiligen Ort in Strömen besuchen, gelegt. Die an Multipler Sklerose erkrankte Christine (Sylvie Testud) ist an den Rollstuhl gefesselt und wünscht sich nichts sehnlicher als ein "normales" Leben zu führen. Dass dies eine Sünde ist, muss sie sich im Beichtstuhl anhören lassen, und doch schafft es gerade sie im Laufe ihres Aufenthalts wieder selbständig gehen zu können. Ein Wunder? Die gesamte Pilgerschaft, der mit intimen Blicken gefolgt wird, erfüllt diszipliniert ihre Rolle.
Seien es die Kranken, die Einsamen, die Mitglieder des Malteserordens oder die Geistlichen selbst, die der Kraft der Symbolik keinen Widerstand mehr leisten können, wie das Gruppenfoto vor der Basilika oder der schmierige Alleinunterhalter im Speisesaal des Hotels zeigen. Das und der subtile Humor lassen Anleihen an den frühen François Ozon sowie an den schwedischen Regisseur Johan Renck aufkommen. Diese Geschichte sieht über den miefigen Katholizismus hinweg, analysiert lieber die Soziologie der Protagonistinnen und bildet damit nichts weniger als die Realität ab. "Lourdes" ist kein provokanter Film, aber ein zarter, alabasterner Schleier, der über jedem von uns hängt. (9/10)
Regie: Jessica Hausner
Start: 11.12. (A) 17.02. (D)