|
|
||
Princesas: Die Drehung der Erde spüren
„Kann man sich nach etwas sehnen, das man noch nicht erlebt hat?“ Um diese Frage kreist die Arbeit des Regisseurs Fernando León de Aranoa. Nach Arbeitslosen in „Los Lunes al Sol“ formuliert sie nun Caje (Candela Peña), eine spanische Prostituierte um die 30. „Princesas“ porträtiert sie und die Dominikanerin Zulema (Micaela Nevárez), die versucht ohne Papiere zu arbeiten und zu leben. Zwei Frauen, die sich auf dem Sexarbeitsmarkt als Konkurrentinnen sehen und dennoch Freundinnen werden, weil sie sich über ihren Alltag, der sonst Tabu ist, ebenso austauschen können wie über ihre Träume und weil auch lachen nicht verboten ist.
León de Aranoas Film ist in einer Tradition zu sehen, die mittels Kamera der Gesellschaft die Temperatur misst: Rassismus, Angst vor Polizei, modernes Bettgängertum und AIDS stellen den Handlungsrahmen, sind, wenn man so will, Struktur. Sozialrealismus heißt hier aber eben nicht, Charaktere einzufrieren und zu isolieren. Gesellschaftlich marginalisiert, sind sich Caje und Zulema gegenseitig ein Netz. Prinzessinnen, hören wir, können kein Gleichgewicht halten, weil sie so sensibel sind, dass sie die Drehung der Erde spüren. Die echten princesas, merkt man in diesem Film, mögen zwar schwanken, sehen aber scharf und drehen auch ein bisschen mit.
Regie: Fernando León de Aranoa
Verleih: Polyfilm
Kinostart: 16. März 2007

Ein Jahr lang bestens informiert sein und dafür auch noch belohnt werden? Das TBA - Abo macht's möglich: 10 Ausgaben deiner Lieblings - postille und das neue Album der Yeah Yeah Yeahs "It's Blitz" um wohlfeile 20 Euro!