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Winterrreise: Reise durch Dur und Moll
Das kann man wahrhaft „Soundtrack“ nennen: Wenn Musik von der ersten Einstellung eines Films an die Spur legt, noch lange bevor das eigentliche Lied beginnt. Wie etwa in Hans Steinbichlers zweitem Spielfilm „Winterreise“. Die Handlung dreht sich um das aneckende und abstoßende Mannsbild Brenninger (Josef Bierbichler), Thema des Films ist jedoch der trübe Schubertzyklus, der dem Film seinen Namen gibt.
Noch bevor die ersten Noten am Klavier ertönen, lebt dieser Brenninger den rasenden Sturz vom Dur ins Moll, und unter den Kopfhörern, da tobt der Rock. Kurz vor dem Konkurs verprasst Brenninger das letzte Geld. Sein sozialer Kontakt zur Außenwelt ist eine einzige Beschimpfung. Die, die ihm helfen wollen (seine Kinder), vergrault er; die, die ihn noch verstehen will (seine Frau; Hannah Schygulla), verletzt er bis zur Apathie. Eine halbwaise Abiturientin (Sibel Kekilli) ist die einzige, die noch halbwegs übersetzen kann.
Die Melodie aber wird den Manisch-Depressiven schließlich entlarven und ihn mit sich selbst konfrontieren: „Schubert, du Arschloch!“
Nach seinem antiheimatlichen „Hierankl“ lässt der bayrische Regisseur Steinbichler eine weitere Instanz scheitern. „Winterreise“ ist ein Film „für unsere Väter“. Eine nachklingende Hommage in der Tradition von Rainer Werner Fassbinder: mit künstlichem Realismus und kaltem Tod.
Regie: Hans Steinbichler
Verleih: Filmladen
Kinostart: 16. Februar 2007