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Die Gräfin
Nach ihrem Langfilmdebüt "2 Tage Paris" aus 2007 nimmt sich die französische Schauspielerin Julie Delpy nun der von Mythen umrankten ungarischen Gräfin Erzsébet Báthory (1560 - 1614) an. Diese äußerst vermögende und einflussreiche Frau soll zu Lebzeiten zahlreiche Mädchen – die Zahlen variieren zwischen 80 und 650 - verstümmelt und getötet haben. 1611 wurde sie dafür angeklagt und verurteilt, woraufhin sie in einem Turmzimmer der Burg Cachtice in der heutigen Slowakei eingemauert wurde, wo sie 1614 starb. Im 19. Jahrhundert entstand die Legende, dass die Gräfin im Blut der ermordeten Mädchen gebadet und es getrunken habe, weshalb Erzsébet Báthory auch die "Blutgräfin" genannt wird. Regisseurin Delpy interessiert sich weniger für die Historie als vielmehr für diesen Mythos und schlüpft selbst mit leerem Blick in die Rolle der bleichen Gräfin.
Als Motiv für die grausamen Morde bringt sie die unerfüllte Liebe der Gräfin zum jungen Istvan (Daniel Brühl) ins Spiel. Erzsébet meint, dieser habe sie aufgrund ihres Alters für eine andere verlassen. In Wirklichkeit wurde die Liebesbeziehung jedoch vom intriganten Vater Istvans, Graf Thurzo (William Hurt), vereitelt. In einer Zeit lange vor Botox und Hyaluron-Filler fällt die Gräfin in Folge dem Wahn anheim, das aufgetragene Blut jungfräulicher Mädchen halte sie jung und schön.
Delpys atmosphärisch dichtes Porträt einer ebenso starken wie grausamen Frau, die sich in einer patriarchalen Gesellschaft zu behaupten versucht, wartet mit einigen eindringlichen Grauslichkeiten auf und thematisiert gleichzeitig den Schönheits - und Jugendwahn unserer Tage. Der Film schwankt jedoch etwas unentschlossen zwischen Kostümdrama und Horrorfilm. Vor allem das Liebesmotiv möchte man der gefühlskalten Gräfin nicht recht abnehmen, es bleibt bloße Behauptung. Obwohl reichlich Blut fließt, wirkt "Die Gräfin" in Summe durch ihre schlampige Charakterzeichnung doch leider etwas blutleer. (7/10)
Regie: Julie Delpy
Start: 17.07. (A) 25.06. (D)