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Hängt sie höher – wenn ihr könnt!
Ein Shooter, bei dem man auch die Zeit zum zielen hat, das ist Balsam auf den Wunden der "erst denken dann schießen" - Zockergemeinde. In "Bound in Blood" kann man dafür sogar teilweise die Zeit anhalten. Doch fangen wir von vorne an. In der Zeit des Sezessionskrieges war Amerikas Westen noch wild – voll mit Kopfgeldjägern, Auftragsmördern, Cowboys und feindlichen Soldaten. Reverend William McCall, erzählt die wechselvolle Geschichte seiner beiden älteren Brüder Ray und Thomas. Sie kämpften auf der Seite der Südstaaten gegen die Union, bis sie einen für sie inakzeptablen, Befehl zum Rückzug erhielten. Sie desertieren und kehren vogelfrei zur Farm ihrer Mutter zurück.
Der charakter macht’s aus
Wäre das Spiel ein Film wäre die Rollenverteilung wohl eine klare Sache: Clint Eastwood würde den erbarmungslosen, egoistischen Ray, der ein ziemliches Problem mit Autoritäten hat, darstellen. Terence Hill würde den beweglichen Einzelgänger Thomas spielen, dem keine Frau heilig ist. Gemeinsam bilden die beiden ein perfektes Duo, das sich ständig gegenseitig das Leben rettet und über diverse Hindernisse, wie zum Beispiel Geröllhaufen, hilft. Die Spielbarkeit von zwei Charakteren birgt, wie schon beim ersten Teil die größte Innovation: Am Beginn einer Mission kann man einen der beiden Brüder auswählen und spielen, während man vom zweiten begleitet wird. Je nach Charakter laufen die Missionen dann auch leicht unterschiedlich ab. Außerdem gibt es immer wieder Punkte, an denen beide zusammenarbeiten müssen.
Schießen wird zur Kunstform
Wie bereits angedeutet, kommt das Schießen an sich bei "Call of Juarez" nicht zu kurz. Das wirklich schöne daran ist, dass es Mitte des 19. Jahrhunderts keine automatischen Waffen gab und weswegen wir archaisch mit Colt und Flinte auf unsere Widersacher losgehen. Wenn man den gegnerischen Pixelhaufen aber nicht mit einer Salve Blei pulverisieren kann, sondern nur zwischen sechs und zwölf Schuss in der Trommel hat die man einzeln (!!) abfeuert, muss man auf die altbewährte Methodik in Deckung gehen, zielen und schießen zurückgreifen. Hat man genug böse Jungs erledigt, darf man auch mal unfairerweise die Bullet - Time aktivieren und die Zeit anhalten.
Je nach Bruder kann man im Konzentrationsmodus so entweder mit zwei Colts den Westernterminator mimen (Ray), oder sich Wilhelm-Tell-artig etwas Zeit zum zielen nehmen (Thomas). Logischerweise kann man zum Herumwüten jede Menge Schießeisen verwenden. Im Waffenarsenal stehen unter anderem Revolver, Gewehre, Schrotflinten, Dynamit (als Ersatz für Handgranaten), Pfeil und Bogen, Wurfmesser und für besondere Anlässe feststehende Gatlings und Kanonen. Besonderen Spaß macht auch das Herumspielen mit Öllampen und dem dazugehörigen Lampenpetroleum, mit dem man grundsätzlich alles anzünden kann.
Interessant ist auch, dass die Waffen rollenspielähnlich verschiedene Eigenschaften, und daher auch Stärken und Schwachen, besitzen.
Das von Toten erbeutete Geld lässt sich bei gelegentlich auftauchenden Waffenschiebern außerdem in neue Waffen investieren. Größtes Manko ist die extreme Linearität des Spiels, da man fast immer nur einem vorgegebenen Weg folgen kann. Dies führt dazu, dass man sich teilweise vorkommt wie in einem interaktiven Kinofilm und nicht in den unendlichen Weiten der Prärie. Die grandiose Grafik die nur gelegentlich ein paar Ungereimtheiten aufweist und die wirklich dichte Atmosphäre machen das aber wieder wett.
"Call of Juarez"
Plattform: PC, Xbox 360, PS3
Hersteller: Techland/Ubisoft