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Vom Okzident zum Orient
Wie immer in der "Anno" - Serie ergibt die Quersumme der Jahreszahl neun. Soviel also zum Titel und der Epoche, in der es wieder mal darum geht, den kleinen Mikrokosmos aus Menschen, Ressourcen, Wirtschaft und Kultur am Laufen zu halten. Als ob das aber nicht genug wäre – schließlich kann man diesbezüglich im spätmittelalterlichen Europa nicht unbedingt von einem Selbstläufer reden – hat man diesmal noch die zusätzliche Bürde, am Ende einer langen Entdeckungsfahrt eine völlig neue Kultur kennenlernen und meistern: den mittelalterlichen Orient.
Sandkastenspiele
Augenscheinlich gibt’s hier erstmal nicht viel, außer Sand und ein paar kleine Siedlungen. Doch mit fortschreitendem Spielverlauf taucht man immer tiefer in die völlig unterschiedlichen Anforderungen und Aufgabenstellungen ein. An erster Stelle steht naturgemäß die Versorgung mit Wasser, und zwar reichlich. Denn nur so können die Siedlungen ausgebaut werden und der unwirtliche Boden fruchtbar gemacht werden. Erfolgreiche Agrartaktik macht sich bezahlt: Mandel- und Zuckerplantagen liefern die nötigen Rohstoffe für das in Europa hochbegehrte Marzipan, Perlen und kunstvoll verarbeitetes Leder sind ebenso gefragt. Die Salzgewinnung und natürlich der Anbau von Kaffee sind weitere interessante Ressourcen, die mitunter recht komplexe Handelswege nach sich ziehen.
Alles dreht sich
Das alles passiert in beeindruckender Qualität, die goldene Lichtstimmung und detaillierten Vegetationen und Gebäude lassen am Bildschirm wirklich südliche Stimmung aufkommen. Besonders die feingliedrige Animation der Norias (Wasserräder) und die aufwendige Konstruktion sowohl von Sultansmoschee als auch Kathedrale ist ein Augenschmaus für Fans und Neueinsteiger. Damit man sich auch wirklich nicht sattsehen kann, ist die Größe der Maps im Vergleich zum Vorgänger um fast das doppelte angewachsen, bis zu 1.000 mögliche Gebäude pro Stadt lassen echte Metropolen entstehen. Auch die unterschiedlichen Kampagnen bieten für Genre - Anfänger und erfahrene "Anno" - Experten reichlich Abwechslung.
Lizenz - Kummer
Trotz aller Mühe und gelungener Umsetzung hat Ubisoft leider – praktisch in letzter Sekunde – mit dem auf Tagès basierenden Kopierschutz einen veritablen Bock geschossen. Denn mit der äußerst restriktiven nur dreimal (!) möglichen Aktivierung des Spiels (übrigens auch ohne Internetanschluss Pflicht – ein äußerst dorniger Weg!) macht man sich in Zeiten von Zweit - und Drittgeräten samt deren notwendiger Aufrüstungen absolut keine Freunde. Vor allem dann nicht, wenn man selbst keinerlei Möglichkeit zur Lizenz - Deaktivierung hat. Hier hätte man aus dem "S.P.O.R.E." – Ärgernis lernen können. Dennoch: ein schönes Spiel, das lange Freude macht und auch für die Kleinsten willkommene Ergänzung zu Geschichte - und Geografie - Unterricht ist.
"Anno 1404"
Plattform: PC
Hersteller: Ubisoft