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Comments on "killing games"
Zur Erforschung des menschlichen Verhaltens mussten die Menschen eine ganze Reihe von Wissenschaften definieren. Mediziner, Psychologen, Soziologen, Anthropologen, Kriminologen haben in den vergangenen 2000 Jahren versucht, alles zu erklären und beweisen, doch haben sie festgestellt, dass manche Phänomene ohne differentielle Ursachenforschung nicht zu erklären sind. Und selbst dann lassen sich komplexe Manifestationen wie Liebe, Hass, Freundschaft, Gewalt in ihrer individuellen Spezifität nicht auf die Allgemeinheit ummünzen. Die Verarbeitung und Auswirkung violenter Inhalte in Film, Musik und Videospielen ist so ein komplexes Phänomen. Bislang scheinen (manche) Politiker allerdings die einzigen zu sein, die die Anwort kennen.
Zsolt Wilhelm
Die Diskussionen um so genannte "Killerspiele" werden noch lange nicht aussterben. Doch langweilen sie zu Tode, weil die Ohnmacht gegenüber jugendgefährdender Inhalte anscheinend nicht kleinzukriegen ist. Wo der immer länger werdende Arm der Justiz zu kurz fasst, muss das persönliche Umfeld eingreifen. Warum wird die Flucht vor der Realität angetreten? Ist virtuelles Morden eine Reaktion auf erlebtes Unglück? Und wie gelangt ein Spiel mit bedenklichen Inhalten überhaupt auf die Festplatte des heimischen Computers? Kontrolle ist dort gut, wo sie Wirkung zeigt. Anstatt äußeren Einflüssen die Schuld zu geben, sollten besorgte Eltern selbst den ersten Schritt tun: Beim Kauf eines PCs oder einer Konsole muss auch der kritische Umgang mit dem Medium Computerspiele Einzug in den Haushalt halten.
Gunther Griesenauer
Viele Menschen haben nicht nur Schwierigkeiten damit, sich in andere Erwachsene hineinzuversetzen, sondern offenbar auch jegliches Empfinden aus der eigenen Kindheit hinter sich gelassen. Ansonsten würde kein Zweifel darüber bestehen, dass es von Beginn des Lebens an natürlich ist, Spiel und Fiktion von den Gegebenheiten der »wirklichen« Welt zu unterscheiden. Andernfalls wäre ja schon eine abenteuerliche Gute Nacht-Geschichte für ein Kind höchst traumatisierend. Das zweite Missverständnis liegt in der Unterscheidung von Spiel und Simulation. Wer ernsthaft daran glaubt, dass durch geschicktes Klicken auf einer Computermaus und flinkem Knöpfe Drücken auf einem Game Controller der Umgang mit Waffen, Tennisschlägern oder Flugzeugen simuliert und dadurch gelernt werden könne, ist entweder linientreuer Lobbyist oder hoffnungslos naiv.
Robert Glashüttner
Rockmusik, Comics, Horrorfilme und jetzt »Killerspiele«: Die Jugend und ihre komische Kultur sind der Elterngeneration unheimlich – das war schon immer so. Heute kommt noch der tiefe digitale Graben dazu, der die ältere Generation von den Jüngeren trennt, für die Internet und eben auch Games von klein auf etwas Selbstverständliches sind. Eigentlich kein Wunder, dass gerade die Ahnungslosesten am lautesten nach Verboten schreien: Mangels eigener Erfahrung mit dem ganzen Medium versteht so mancher Politiker anscheinend selbst nicht den Unterschied zwischen real und virtuell – und unterstellt dies somit gleich einer ganzen Generation. Im Eigeninteresse sollten sich die Verbotsforderer aber eines klarmachen: Spieler sind auch Wähler – die sich in Zukunft wohl gut überlegen werden, ob sie ahnungslosen Hetzern, die Millionen Menschen wegen ihres Hobbys zu unmündigen potenziellen Gewalttätern abstempeln, ihre Stimme geben werden oder nicht.
Rainer Sigl
Ich habe sie alle gespielt, die Bösesten der Bösen. Schon damals, am C64. Blue Max, Barbarian, Beach Head. Später Doom und Quake. Duke Nukem. Carmageddon. Wolfenstein – na klar, alle Teile. Und trotzdem bin ich ein liebender Familienvater, braver Steuerzahler und besitze keine Waffe. Die Ausnahme? Nein, die Regel. So wie Millionen anderen Fällen auch. Dass die Jüngsten unter den Gamern keinen freien Zugang zu Brutalitäten aller Art haben dürfen, steht außer Frage. Dass Jugendkriminalität laufend mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten auf Computerspiele zurückzuführen ist – jein. Klar wird das Verhalten eines latent gewaltbereiten Jugendlichen durch nächtelange Counterstrike-Sessions nicht besser, doch die Verantwortung für maßvollen und vor allem kritischen Umgang mit Gewalt in den Medien obliegt immer noch den Erziehungsberechtigten. Und nicht Politik, Medien und Pädagogen.
Markus Höller