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Neue bewegte Spielewelt
Ist das nicht ein schöner Anachronismus zu unserer viel gepriesenen digitalen Revolution? Musste man einst einen Controller in die Hand nehmen, um vor dem Fernseher Tennis zu spielen, ist es heute hip, den Athleten im Wohnzimmer zu mimen. Als ob die Menschen vergessen hätten, dass dafür einst diese neuerdings so fremd wirkende Unterhaltungsgattung "Sport" erfunden wurde. Nun gut, man kann einen rasenden Trend nicht zum Stillstand zwingen, weshalb konservative Spieler den "Motion - Gaming" - Wahn wohl einfach hinnehmen müssen. Und im Kontrast zu den frühen Auswüchsen dieser perfiden Idee des körperlich aktiven Computerspielens, siehe etwa "Power Glove" (1989), ist diesmal kein Ende in Sicht – im Gegenteil.
Denn die Idee, wonach intuitive, wenn auch physisch fordernde, Eingabemechanismen Videospiele für eine breite Masse zugänglicher machen, hat sich dank Nintendos Wii endgültig etabliert. Für einen Nicht - Spieler ist es schlicht logischer mit seiner Hand zu wackeln, um einen virtuellen Tennisschläger zu schwingen, als eine Tasten - Folge auf einem Gamepad einzuklopfen. Mit etwas Verspätung haben dies nun auch Sony und Microsoft eingesehen und zur vergangenen Branchenmesse E3 ihre Konzepte zur Zukunft der bewegten Spielewelt für PlayStation 3 und Xbox 360 vorgestellt.
Motion Controller
Der japanische Elektronikgigant musste bei seinem noch namenlosen "Motion Controller" gar nicht so tief in die Trickkiste greifen. Sony sammelt seit der Erfindung von "EyeToy" Erfahrungen im Bereich des Motion - Gaming. Doch der recht grob motorischen Eingabe über eine gewöhnliche Webcam fehlt es bekanntlich an Präzision. Sonys "Motion Controller" (MC) soll deshalb ab März 2010 das Beste aus zwei vertrauten Welten vereinen und umfasst en gros 1) einen aufgebohrten Wii - Controller, der von 2) der handelsüblichen PlayStation 3 - Kamera "getracked" wird.
Der zylindrische Controller verfügt über einige Tasten, wie einen analogen Abzug für den Zeigefinger, Vibrationsmotoren für Rütteleffekte und integriert einen Beschleunigungssensor für axiale Bewegungen sowie einen Sensor, der Bewegungen um die eigene Achse erfasst. Den wesentlichen Unterschied zur Wiimote macht der "Leuchtball" an der Oberseite des Eingabegeräts aus. Dieser kann von der PS - Kamera Millimeter genau im Raum lokalisiert werden und bildet damit die exakte Position des Eingabegeräts im Spiel ab. Bewegungen mit dem Spiel - Contoller werden so erstmals tatsächlich 1?:?1 und verzögerungsfrei umgesetzt.
Technologie - Demos im Rahmen der E3 zeigten, was möglich ist. So erlaubt die hohe Präzision grundsätzlich feinmotorische Anwendungen wie Schreiben und Malen und das mühelose Aufgreifen von kleinen Objekten. Als Pistole eingesetzt, realisiert der MC Egoshooter. Die Kamera erkennt, in welche Richtung sich der Spieler bewegt und ob er liegt, hockt oder steht. "Aus der Deckung schießen" erfordert so reale Bewegungsabläufe. Naheliegend ist der Einsatz als Schwert oder Peitsche. Gegner lassen sich beinahe pixel-genau verdreschen und zerschnetzeln. Eine Demo zum Bogenschießen veranschaulichte die Unterstützung zweier MC in Kombination. In der Linken hält man den Bogen, mit der Rechten holt man den Pfeil aus dem Köcher und spannt ihn ein. Die Spannung des Bogens wird mit dem Abstand der beiden Controller zu einander bestimmt.
Dass tatsächlich einmal zwei MC für einen Spieler zum Einsatz kommen, ist aus Kostengründen zwar schwer vorstellbar. Substitutiv plant Sony allerdings den aktuellen PS - Controller, der bereits über einen rudimentären Beschleunigungssensor verfügt, mit einzubinden – etwa zur Deckung als Schild. Nicht nur grafisch, sondern auch mit Hilfe der extremen Genauigkeit will der Hersteller somit die Brücke zwischen Casual Gaming und komplexeren Spielerlebissen schlagen – seien es Egoshooter, Rollenspiele oder Strategie - Games. Mehrspieler - Modi dürften ebenfalls kein Problem darstellen. Bis zu vier Controller kann die Kamera gleichzeitig tracken.
Project Natal
Microsoft hingegen vollzieht mit "Project Natal" einen drastischeren Wandel. Dank einer Kombination aus Infrarot - und RGB - Kamera und einem Mikrofon soll der Controller überhaupt obsolet werden. Zumindest in manchen Fällen. Was zurzeit noch aus einer Kamera - Leiste und einem kleinen Rechner besteht, soll in den kommenden Monaten zu einem kleinen Peripheriegerät für die Xbox 360 werden. Kernstück ist die Infrarot - Kamera, die Menschen dreidimensional im Raum erfasst, wobei die Lichtverhältnisse im Gegensatz zu einem EyeToy keine Rolle spielen.
Auf diese Weise wird der ganze Körper zum Controller. Bewegungen wie Boxen, Kicken oder Winken werden adäquat ins Spiel übertragen. Die RGB - Kamera dient zur Registrierung von Gesichtern und das Mikrofon erlaubt wie ein Headset oder die PS Eye Sprachbefehle. Erste Technologie - Demonstrationen im Zuge der E3 veranschaulichten rudimentäre Einsatzgebiete.