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Spaghetti Western revisited
Amerika, es sind die Anfänge des 20. Jahrhunderts. John Marston, ein bekehrter Gesetzloser, hat die Waffen niedergelegt, um ein ehrenvolles Leben mit seiner Familie anzutreten. Vom Bankräuber und Rowdy zum Familienvater. Doch bevor er noch in die Stiefel eines Farmers steigen kann, holt ihn seine Vergangenheit ein. Die Hüter des Gesetzes stellen ihm ein unumstößliches Ultimatum. Um seine Verbrechen zu begleichen, soll er im Auftrag des Bureau noch einmal zu den Revolvern greifen. Zum ersten Mal, erklärte Rockstar Games - Gründer Dan Houser Anfang Mai in einem Interview (mit dem Branchenportal IGN), soll ein Videospiel alle Aspekte, alle Mythen des wilden Westens abdecken, wie man sie aus so vielen Film - Klassikern und Erzählungen kennt. Befreit von der Trägheit des Zelluloid steht die virtuelle Leinwand offen, einen Gesamteindruck zu zeichnen. Von den tödlichen Gefahren der Wildnis, zu den einfachen Freuden pre - industrieller Städte Kaliforniens bis zur Bürgerkriegsstimmung im Norden Mexikos.
In drei "massiven" Gebieten – Frontier, Mexico, North – wird die Perspektive auf Cowboys, Banditen, Marshalls, Indianer und simpel gestrickte Pioniere in den Zeiten des Goldrauschs gerichtet. Mit einer frei erkundbaren, belebten Welt reiht sich Red Dead Redemption nahtlos in die lange Serie von Rockstar’s populären Open World Games ein. Der "Red Dead Revolver" - Nachfolger wird spielerisch mit "Grand Theft Auto" mehr gemeinsam haben als mit seinem geradlinigen Original. Hoch zu Ross liegt einem der Westen zu Füßen und man macht sich auf, seine Schulden zu begleichen. Bei der Reise durch Ein - Straßen - Städte, auf der Suche nach Schwierigkeiten, sieht man vielleicht gerade noch die Goldtresore in Banken und die glitzernden Glasfläschchen in hölzernen Pharmazien funkeln, bevor man unaufhaltsam in bleihaltige Konflikte gerät. Bei Tag und Nacht, Sonne oder Regen wird man auf Räuber und Schurken angesetzt. Fliegende Fäuste, Schießereien, Dynamit, Saloons – die Zutaten sind angerichtet und werden in rasanten Verfolgungsjagden mit polternden Kutschen und waghalsigen Rettungsaktionen verarbeitet.
Sheriff in der geisterstadt
Die Action - Sequenzen strotzen einerseits vor realistischen Animationen und Gefechten, spielen gleichzeitig klar auf Spaghetti - Western-Klischees an. Mit überzeichnetem Zeitlupeneffekt und vorprogrammierbaren Schuss - Sequenzen lassen sich Gegner entwaffnen und Hüte von den Köpfen pusten. Insgesamt sollen etwas weniger, aber umfassendere Einsätze als in "GTA IV" die drei riesigen Territorien wie ein roter Faden durchziehen. Um die langen Strecken zu überwinden, bieten sich Pferde, Kutschen oder die Eisenbahn zur Fortbewegung an. Mit letzteren beiden lässt es sich auch passiv reisen, um Spielzeit zu sparen und die Aussicht zu genießen.
Rund um die noch gut gehüteten Geheimnisse des Haupthandlungsstranges pulsiert das aus Bits und Bites gestampfte Alltagsleben und reagiert auf die vollbrachten Taten. Der Einsatz roher Gewalt erhöht das Risiko, in die Fänge der Gesetzeshüter zu gelangen. Bluttaten malen das eigene Porträt auf Wanted - Plakate und machen es schwer, unterzutauchen. Wird man gefürchtet, begegnen einem die Menschen mit Misstrauen und warnen andere Mitbürger. Als aufrechter Kerl hingegen wird man allseits geschätzt und man darf sich sogar als Sheriff ein Taschengeld dazuverdienen. In einem sich dynamisch entwickelnden Western - Universum ist den Entwicklern nach sogar Platz für unethische Gedankenspiele: Radierte man ein ganzes Dorf aus, würde es zur Geisterstadt verkommen. Erst im Laufe der Zeit füllten dann neue Zuwanderer die Lücke.
Abseits der Schwarz - Weiß - Malerei ist es erlaubt, in den Sündenpfuhl der niederen Gelüste einzutauchen. In den kleinen Satellitenstädten frönt man in Kneipen dem Glücksspiel oder probiert sich am Messer - Roulette. Das Dasein der Bewohner wird selbst zum Schauspiel, wenn zwei Halunken ein Duell austragen oder trinken gehen. In den Bergen beobachtet man Reiter, wie sie von einem Cougar überrascht werden oder wie Banden einen Hinterhalt vorbereiten. Alles kulminiert in der fast perfekten Illusion, wahrhaftig Teil einer dunklen Epoche der amerikanischen Geschichte zu sein.
Die ganze Western - Welt auf einer Scheibe
Feinsinniger noch spinnt sich die Fiktion. Eine komplette, dynamische Flora und Fauna gaukelt eine atmende Wildnis vor. In der Anfangszeit bietet es sich an, in der steinernen Wüste seine Lasso - Künste zu trainieren, indem man Wildpferde einfängt, um sie für den Eigengebrauch zu zähmen. Versagt man, läuft man allerdings Gefahr, über Stock und Stein geschliffen zu werden. (Dass das Lasso aber auch an Menschen ausprobiert werden darf, steht für Sadisten außer Frage.) Rund 40 Tiere, darunter Hasen und Adler, warten praktisch nur darauf, gejagt zu werden. Die eigenständig funktionierende Tierwelt bringt Rinderfarmen genauso wie tödliche Bären hervor.