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WERBUNG Online-Games |
Viel Spiel, wenig Zeit
In einer von Produkten, Informationen und Dienstleistungen übersättigten westlichen Welt gibt es kein wichtigeres Gut als die Aufmerksamkeit. Der Kampf um sie ist in keiner Branche erbarmungsloser als am Markt der digitalen Spiele. Denn wer einmal das Spiel oder die Community seiner Träume gefunden hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Zeit mehr für die Angebote der Konkurrenz haben. Sie oder er wird sich fortan nur mehr mit der gewählten Nische befassen.
"Über 60 Stunden Spielspaß!"
Schon auf den Packungen von Computerspielen wird der hohe Zeitaufwand, den viele Games mit sich bringen, thematisiert. Ebenso wie der von Spielemarketern gerne betonte "hohe Suchtfaktor" gilt auch ein möglichst langes Verweilen bei ein und demselben Titel als positives Erkennungsmerkmal. Dieses Konzept war lange erfolgreich – bis sich LAN - Partys und das Internet in der Welt der Videospiele etabliert haben. Davor war das "Durchspielen" eines Titels ein Garant dafür, dass der Konsument anschließend nach neuem Spielfutter Ausschau hält. Seitdem aber Millionen Abonnenten von "World of Warcraft", "Lineage", "EVE" (Bild) und vielen anderen Online - Rollenspielen weltweit die Serverfarmen zum Glühen bringen und Mehrspielerschlachten zu jahrelangem Training von "Counter - Strike" und "StarCraft" führen, sind SpielerInnen - Communities völlig getrennte Wege gegangen. Wer Online - Gamer ist, ist mit seinem Lieblingsspiel der Wahl bestens versorgt und interessiert sich höchstens für Updates, Neuauflagen und stilähnliche Titel. Wer im Gegensatz dazu weiterhin das hehre Ziel verfolgen will, der Vielfalt von Videospielkultur auf den Fersen zu bleiben, hat nur eine Wahl: die Finger von sogenannten Endlosspielen lassen, die einen voll in Beschlag nehmen.
Die Qual der Wahl
Im Bereich der digitalen Spiele vollzieht sich ein Paradigmenwechsel, der mit der verwirrenden Übergangszeit von der Kindheit in das Erwachsenenalter vergleichbar ist: Die Rahmenbedingungen verändern sich, das eigene Selbstverständnis muss überdacht werden. Das Angebot von Spiele - Software ist zu reichhaltig und vielschichtig, um ohne persönliche Selektion daran teilhaben zu können. Vom kleinen Flash - Spiel bis zur mehrjährigen Monsterproduktion werden heute mehr Games produziert als je zuvor. Spiele ich lieber Browser - Spiele oder japanische Importe auf dem Handheld? Komplexe Strategiespiele am PC oder knifflige Geschicklichkeitsspiele auf der Konsole? Tauche ich in den hochkreativen Output der Indie - Games - Entwickler ein oder will ich mich lieber näher mit den ungewöhnlichen Experimenten der Modding- und Machinima - Szene befassen? Zeit, sich zu entscheiden.