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WERBUNG Online-Games |
New Rave Games – grell gespielt
Mut zur Farbe. Dieses Credo wurde im bald auslaufenden Jahr 2007 nicht bloß bei Kleidung und Club-Kultur zelebriert. Auch Videospiele strahlen seit einigen Monaten endlich wieder im Neonlicht. Nachdem Games seit dem grau-braunen Look der First Person Shooter-Spiele aus den Neunziger Jahren (vor allem die „Doom“- und „Quake“-Serien) keine allgemeine, originäre Optik mehr entwickeln konnten, sondern Games-Ästhetik sich in den unterschiedlichen Spielegattungen zerklüftet hat, bekennen Videospiele heute im wahrsten Sinne des Wortes wieder Farbe.
Nährboden dafür ist primär die Online-Plattform „Xbox Live Arcade“ für Microsofts neue Spielkonsole Xbox 360. Seitdem das Gerät vor zwei Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, wird die virtuelle Spielhalle sukzessive mit Inhalten gefüttert. Da gibt es Neuauflagen alter Spieleklassiker wie „Pac-Man“, Unterhaltungssoftware für GelegenheitsspielerInnen wie das populäre Kartenspiel „Uno“ und aktuelle Produktionen von meist kleineren Spielestudios. Genau diese Studios lassen sich beim Entwickeln ihrer Games offensichtlich von alten Titeln maßgeblich beeinflussen.
Man kehrt wieder zu damaligen Gewohnheiten zurück, macht Spiele „für zwischendurch“, die leicht erlernbar, aber schwer zu meistern sind und bei denen die Technik dahinter meist einfach gestrickt ist. Heute ist das eine bewusste Entscheidung, 1980 war es freilich Notwendigkeit. Damals standen simple Grafik und einfache Spielprinzipien an der Tagesordnung, weil technisch nichts anderes möglich respektive leistbar war. Doch noch heute werden Videospiele stark mit Titeln aus den frühen 80er-Jahren assoziiert: Games wie „Robotron: 2084“, bei dem man als SpielerIn via Joystick-Akrobatik frenetisch durch bunt blinkende Räume voller wuselnder Feinde kämpft, formten ein Bild von Videospielen, das selbst jene im Kopf haben, die sie nie spielen. Warum also diese bereits vorhandenen Assoziationen nicht schlau nützen?
Weil Retro-Kultur zu einem bleibenden Bestandteil von Pop geworden ist, war es vor vier Jahren ein leichtes, mit dem kleinen, zunächst versteckten Spielchen „Geometry Wars“ für Furore zu sorgen.
Weil Retro-Kultur – nicht nur bei Games – mittlerweile zu einem bleibenden Bestandteil von Pop geworden ist, war es vor vier Jahren ein leichtes, mit dem kleinen, zunächst versteckten Spielchen „Geometry Wars“ für Furore zu sorgen. Geometrische Figuren leuchten dabei grell in ikonografischen Formen vom Bildschirm. Unser Raumschiff ist eine von ihnen und schießt sich in einem digitalen Pandemonium durch eine immer größer werdende Feindesschar. Bis heute hat „Geometry Wars“ nicht nur viele direkte Nachfolger spendiert bekommen, sondern auch zahlreiche Spiele angeregt, die zumindest vom Aussehen her deutliche Anleihen am ersten New-Rave-Game der Geschichte nehmen.
„Space Giraffe“ von Jeff Minter beispielsweise, wobei das fast wiederum so wirkt, als ob es gar schon im Jahr 1993 programmiert worden wäre. Die großen, eckigen Schriftzüge von „Space Giraffe“ erinnern an die Cover alter Techno-Platten und -Magazine, das durchs All schwebende Spielfeld bringt Erinnerungen an Cracker-Intros aus Zeiten von Amiga und C64 hoch. „Every Extend“ hingegen, das Spiel, in dem man einen Cursor lenkt, der nichts anderes kann, als zu explodieren, ist grafisch wesentlich feinsinniger gesponnen, spart aber trotzdem nicht mit Farben, schon gar nicht die beiden Nachfolgespiele (siehe Testbesprechung auf S. 55). „Super Stardust HD“ und „Mutant Storm Empire“ wiederum sind als klassische 2D-Schießspiele spielerisch alte Hüte, gehen bei der Präsentation aber auch mit der Mode: Alles glüht, wabert, morpht und blitzt.
Selbst die verantwortlichen Teams hinter „großen“ Vollpreisspielen trauen sich in letzter Zeit wieder mehr in den Farbtopf zu greifen. Vom Aussehen her als auch bezogen auf die spielerischen Inhalte ist die bunte Retro-Kiste somit eine aktive Bereicherung für die Games-Kultur. Die auffallenden Outfits werden zwar sowohl bei Kleidung als auch Spielen wieder einen Rückgang erleben – im Sinne der Vielfalt bleibt jedoch von allem immer etwas übrig und schafft so die vielgerühmte, gesunde Mischung.