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Mario, save Peach!
Shigeru Miyamoto. Dieser Mann scheint übernatürliche Kräfte zu haben. Kräfte, wie sie auch die Schnauzbart und Latzhose tragende Videospiel-Figur, die er vor über 25 Jahren schuf, besitzt. Miyamoto-sans Eindringlicheit, das Kind in uns allen nicht zu kurz kommen zu lassen, hat sich ein weiteres Mal durchgesetzt. Die japanische Videospiel-Firma Nintendo lässt dem Mann und seinem Team zwar schon längere Zeit Narrenfreiheit – im sicheren Wissen, dass dessen Wunderwerke ohnehin wieder hunderttausende Menschen weltweit verzaubern werden.
Aber doch muss jemand all diese vielen Ideen überhaupt erst haben und sie so verweben, dass nur noch Staunen übrig bleibt. Schon 1985 haben wir geglaubt, beim originalen Super Mario Brothers wäre ein Perfektionsgrad erreicht, den man nicht so schnell einholen könnte. Später, bei Super Mario World, dachten wir ähnlich. Bei Super Mario 64 waren wir uns alle einig, dass diese spielerische Revolution einfach nicht mehr zu toppen sein wird. Und jetzt ist Super Mario Galaxy da, und wir treffen auf weiße Hasen, die auf begrünten Mini-Planeten herumhüpfen und uns erzählen, wie man mit Hilfe der Pusteblume durchs All segelt. Da sind bunte Sternen-Wesen, die uns erklären, wie wir durch lässiges Schwingen der Fernbedienung durch Zeit und Raum fliegen.
Miyamoto-sans Eindringlicheit, das Kind in uns allen nicht zu kurz kommen zu lassen, hat sich ein weiteres Mal durchgesetzt.
Manchmal entdecken wir auch durch Zufall Galaxien, auf denen wir Jet-Ski fahren, als Kugel durch einen Minigolf-Parcours rollen oder schwebende Plattformen nach Münzen und Sternenstaub erkunden. Super Mario Galaxy bringt die Kinderwelt mit der Erwachsenenwelt zusammen und denkt nicht daran, an diesem schwierigen Spagat auch nur ansatzweise zu scheitern. Selbst dann, wenn Mario in einem Bienenkostüm zur großen Mother Bee fliegt und sie von fünf goldenen Dreiecken befreit, die sie am Pelz jucken, bleibt auch bei eindeutig ausgewachsenen Menschen nichts als Fröhlichkeit übrig. Kindisch, peinlich oder langweilig sind Attribute, die man zwar aus reinem Distinktionsgewinn heraus auch dem neuesten Mario-Spiel ohne weiteres anlasten kann.
Super Mario Galaxy bringt die Kinderwelt mit der Erwachsenenwelt zusammen.
Allerdings: Legen jene, die diese Zuweisungen zu Gehör bekommen, selbst Hand ans Spiel an, wird die Lüge sofort entlarvt. Denn man merkt schnell, dass sich die Bewegungen am Bildschirm so anfühlen, als würde man den springfreudigen Mario mit den eigenen Händen steuern. In jedem Moment finden neue Überraschungen statt, es werden erstaunliche Entdeckungen gemacht. Die schlau austarierte Balance zwischen dem entspannenden Genießen der Umgebung und der spielerischen Herausforderung wird selten getrübt. Es ist ein Eintauchen in eine überhöht kitschige, bunte Welt, deren Charme man sich nur schwer widersetzen kann. Schließlich gibt man mit einem fortwährenden Lächeln im Gesicht nach. An „Super Mario Galaxy“ etwas zu finden, das nicht stimmt, ist eine Herausforderung, der man sich nicht zu stellen braucht.