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Verdammt hart, der beste zu sein
Was „Crysis“ betrifft, war ich bereits skeptisch, als ich noch keine einzige Minute im Spiel verbracht hatte. Die Demo-Version wurde nämlich bereits einige Wochen vor der Veröffentlichung ins Netz gestellt. Zeitgerecht, damit vorab alle potenziellen Konsumenten in Ruhe überprüfen können, ob ihr PC überhaupt noch leistungsstark genug für den Software-Koloss sein wird. Selbst jetzt, wo uns die Fachmagazine versichern, dass „Crysis“ auch auf „älteren“ Maschinen – also auf Geräten, die maximal zwei Jahre alt sind – zufriedenstellend spielbar ist, muss man immer den perfiden Zusatz lesen, dass auf einem nagelneuen PC natürlich alles noch viel bombastischer aussähe.
Bei „Crysis“ geht es also viel um Äußerlichkeiten. Das ist in der Gaming-Welt freilich nichts Neues, im Gegenteil: Anfang der Neunziger war der Imperativ der Spiele-Entwickler an die User, einen neuen Rechner kaufen zu müssen, damit sie ihre gut aussehende Ware überhaupt spielen können, wesentlich penetranter als heute. „Crysis“ ist in dieser Hinsicht also fast schon wieder ein bisschen old-school. Weil mein ein Jahr altes Rechenpferd das Spiel aber tatsächlich sofort annimmt und keine technischen Hürden auftreten, ist der Hardware-Firlefanz ziemlich schnell abgehakt. Für mich jedenfalls. Viel wesentlicher ist die Tatsache, dass mich das Spiel ohne Ballast aus dem Flugzeug stürzen lässt.
Bei „Crysis“ geht es also viel um Äußerlichkeiten. Das ist in der Gaming - Welt freilich nichts Neues, im Gegenteil.
Ohne Ballast, weil ich, der Elite-Soldat, außer meine Super-Rüstung und zwei Waffen nichts mittrage. Aber auch, weil lange, ermüdende Intro-Sequenzen entfallen. Schon in der Luft kann ich die Kamera steuern, und nach der harten Landung (macht nichts, mein alter ego ist selbstverständlich noch härter) laufe ich bereits munter in einer kleinen Bucht herum. Die ewig gleiche Steuerung von First Person Shooter-Spielen ist mittlerweile so perfektioniert, dass trotz der eigentlich sehr vertrackten Mischung aus Maus-Klicks und Tastatur-Akrobatik schnell die Intuiton siegt und ich mich sofort tapfer den ersten Gegnern stelle, die sich im tropischen Dickicht verschanzt halten.
Neben Waffen wechseln beherrsche ich im Nullkommanix auch eine spielerische Besonderheit von „Crysis“: Die Wahl der Spezialfähigkeit. Meine hochglänzende Rüstung kann in jeder beliebigen Situation zielgerichtet optimiert werden: Lieber schnell laufen, gut gepanzert sein oder kraftvoll in die Luft springen? Schon während des ersten Feuergefechts entpuppen sich die flexbilen Rüstungsfähigkeiten als notwendiges Kampfwerkzeug. Denn die nordkoreanischen Soldaten, gegen die mein Team und ich antreten, sind nicht nur maßlos in der Überzahl, sondern auch einigermaßen schlau und überdies kraftvoll im Zubeißen - gemessen am Beschuss, den sie einstecken können.
Meine hochglänzende Rüstung kann in jeder beliebigen Situation zielgerichtet optimiert werden: Lieber schnell laufen, gut gepanzert sein oder kraftvoll in die Luft springen?
Wir natürlich, als US-amerikanische Kampfmenschmaschinen (die übrigens von einem deutschen Entwicklerteam ersonnen wurden) kennen selbstverständlich auch unter solch erschwerten Umständen keine Furcht. In Wahrheit ist „Crysis“ aber alles andere als eine lockere Schießübung. Von Anfang an werde ich in große, wunderschöne und mitunter beklemmend realistisch aussehende Areale geleitet, in denen mir an Präzision, Reaktionsvermögen und Taktik alles abverlangt wird.
Wie beim Vorgängerspiel „Far Cry“ (2004) setzt der Hersteller Crytek erneut auf spannende Gefechte, wo ohne dem Ausnutzen der Umgebung (Deckung, Anschleichen), dem gezielten Einsatz der Waffen und diversen Hilfsmitteln wie Radar und Fernglas der Spielspaß schnell auf der Strecke bleibt. Es ist zweifellos nicht nur für die Macher von „Crysis“ hart, der beste zu sein. Da wünscht man sich manchmal, der beeindruckende Blick in die Ferne samt der weitläufigen Landschaft würde mal eine Stunde ganz ohne Krieg auskommen. Und nur zum Anschauen da sein.
System: PC
Hersteller: Crytek / Electronic Arts