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Motorstorm: Ohne Rücksicht auf Verluste
Man stelle sich das konfuse Wüstenrennen aus „Fear and Loathing in Las Vegas“ vor, füge die hochgezüchteten Fahrzeuge aus „Mad Max“ hinzu – und hat ein ungefähres Bild davon, womit man bei „Motorstorm“ zu rechnen hat. Die spektakuläre Schlammschlacht ist der eindrucksvollste Titel zum Europastart der PS3 und bietet eine willkommene Abwechslung im sonst wie geleckt wirkenden Rennspielgenre.
Keine Frage, die seit Ende letzen Monats endlich auch in unseren Breitengraden erhältliche PlayStation 3 ist der Maybach unter den Next-Gen-Konsolen. Auf dem Papier hat das glänzende schwarze Ding mehr Rechenleistung unter der Haube, als die Geräte der Konkurrenz; sein Controller verfügt – ähnlich wie die Wii - Fernbedienung – über eine Technik zur Erfassung von Bewegungen; man kann im Internet surfen und im PlayStation-Store Spieledemos, Trailer- und Minispiele herunterladen; auf Blu-Ray-Discs gespeicherte Filme können abgespielt werden, ebenso natürlich normale DVDs und Filme in anderen komprimierten Formaten; und Fotos lassen sich in Diashows darstellen – egal wie man es dreht und wendet, die Playstation 3 wurde als sämtliche Bereiche abdeckende Multimediazentrale fürs Wohnzimmer konzipiert.
Ob man das alles in dieser Form auch braucht oder ob Sony damit nicht ein wenig übers Ziel hinausgeschossen ist, ist eine andere Frage, die sich innerhalb der nächsten Monate und Jahre aber wohl von selbst beantworten wird. Bislang lässt sich jedenfalls sagen, dass vor allem die exklusiven Starttitel einen guten Vorgeschmack darauf geben, was demnächst noch so alles auf uns zukommen wird – und dass diese Lust auf mehr machen.
Den rundesten Eindruck der ersten Titel für die neue Konsole macht das an diverse Arcade - Racing - Games erinnernde „Motorstorm“. Als Sony vor zwei Jahren auf der E3 den ersten Trailer zum Spiel präsentierte, zweifelte so mancher daran, dass der fertige Titel tatsächlich so gut aussehen würde, wie die vorgerenderten Bilder, die da zu sehen waren. Die Entwickler der Evolution Studios haben ihre Arbeit aber wirklich gut gemacht. Auffälligstes Merkmal des Spiels ist die beeindruckende grafische Gestaltung der Strecken und deren Umgebung, die offensichtlich mit viel Aufwand betrieben wurde. Die halbe Wüste rund um Las Vegas wurde aus verschiedensten Winkeln von Hubschraubern aus abgefilmt, digitalisiert und detailgetreu nachgebildet.
Nicht weniger eindrucksvoll sind die Fahrzeuge selbst gelungen, was sich vor allem bei Unfällen bemerkbar macht: Das Game wechselt dann in die Zeitlupe und man kann in aller Ruhe bestaunen, wie die bis ins kleinste Detail aufwändig erstellten Polygonvehikel deformiert werden oder sich im schlimmsten Fall gleich in all ihre Einzelteile zerlegen.
Aber zum Spiel selbst: „Motorstorm“ ist ganz nüchtern betrachtet eigentlich nichts anderes als ein wildes Geplänkel zwischen Offroad-Fahrzeugen verschiedenster Bauart. Wer bremst verliert. Ohne Regeln, ohne Rücksicht auf Verluste muss man als Erster über die Ziellinie kommen. Unter Zuhilfenahme von Nitro-Boosts rast man also durch unwegsames Gelände und Canyons, versucht die Konkurrenten mittels Abkürzungen über Rampen zu überholen oder gewaltsam aus dem Weg zu drängeln. Das Beste an der Sache ist, dass es insgesamt 64 Fahrzeuge zur Auswahl gibt, die in sieben Klassen eingeteilt sind und allesamt ihre Vor- und Nachteile haben.
So sind Motorräder recht wendig und gut geeignet für hohe und weite Sprünge über Hindernisse, jedoch sollte man mit ihnen einen großen Bogen um die Konkurrenz machen, denn ein Sturz ist schon bei der kleinsten Kollision kaum zu vermeiden. Ein wenig mehr halten da die Rallyewägen aus, die zu den schnellsten Fortbewegungsmitteln des Spiels gehören – aber auch nur dann, wenn man nicht auf grobes Gelände gerät. Anders die Buggys: Sie sind Allroundtalente, die auch bei holprigem Untergrund nicht klein beizugeben brauchen. Geländewägen wiederum bieten einen guten Kompromiss aus Gewicht, Agilität und Geländetauglichkeit. Und LKWs sind zwar langsam, hat man die riesigen Apparate aber erst einmal in Bewegung gesetzt, rammen sie alles und jeden aus dem Weg.