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Lost Planet: Extreme Condition: In der Tundra ist die Hölle los
Inmitten einer einsamen, schier endlosen Eiswüste versinkt der Protagonist Wayne Holden bis zu den Knien im Tiefschnee. Langsam kämpft er sich gegen den peitschenden Wind voran. Er behält dabei ständig die Thermalenergieanzeige seines Wärmeanzugs im Auge, denn diese fällt stetig. Nur an weit verstreuten Terminals oder durch das Aufsammeln von Energiepartikeln, die besiegte Gegner zurücklassen, kann er dem erbarmungslosen Countdown entgegenwirken. Sinkt der Zähler auf Null, hätte das den sofortigen Erfrierungstod Holdens zur Folge – und diesem hat er erst vor kurzem nur knapp entrinnen können.
Sein beschwerlicher Weg durch die nebligen Schneelandschaften wird abrupt unterbrochen, als sich plötzlich insektenartige Aliens aus dem Boden bohren und unter lautem Getöse auf ihn zurollen. Mit einem beherzten Sprung kann Holden gerade noch rechtzeitig ausweichen, um die Ungetüme mit ein paar gezielten Salven aus seinem Maschinengewehr und gut platzierten Granaten in ihre Einzelteile zu zerlegen. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt ihm aber nicht, sein Energievorrat fällt weiter kontinuierlich ab.
Zugegeben, schon ein wenig überzeichnet, aber so in etwa vermittelt man wohl am besten, wie es sich anfühlt, eine der vielen spannenden Sequenzen von „Lost Planet: Extreme Condition“ im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben. Und davon gibt es nicht wenige. Denn die große Stärke des Titels liegt in der gekonnten Darstellung der beklemmenden Atmosphäre klirrender Kälte, die die Überbleibsel einer längst untergegangenen Zivilisation in Form von trostlosen Ruinen, verwüsteten Lagerhallen und finsteren Eisenbahnschächten durchdringt.
Die Umsetzung dieser frostigen Grundstimmung gelingt zu einem nicht unerheblichen Teil dank einer beeindruckenden grafischen Aufarbeitung, die vor allem gegen Ende des Spiels ihre Stärken gekonnt auszuspielen weiß. Neben den aufwändig in Szene gesetzten verschneiten Landschaften sind es insbesondere die fantasievoll gestalteten und mit vielen Details versehenen insektenartigen Aliens, die den Spieler zum Staunen bringen. Die kleineren Exemplare der so genannten Akriden fallen meist in ganzen Scharen auf einen ein, die kolossalen Endgegner wiederum können sich schon mal über mehrere Bildschirme erstrecken. Visuelle Spielereien auf höchstem Niveau finden sich an allen Ecken und Enden.
Ein epischer Soundtrack untermalt die Effektorgie voller Explosionen und wuchtiger Detonationen und lässt Kino-Feeling aufkommen. Leider weiß umgekehrt die Story, die in optisch beeindruckenden In-Game-Sequenzen fortgeführt wird, kaum zu fesseln. Das nicht einmal B-Movie-taugliche Konstrukt rund um ein Forschungsunternehmen zur Bevölkerung eines unwirtlichen Eisplaneten, bei dem der Vater des Hauptcharakters Wayne Holden durch ein riesiges Alien getötet wird und er selbst fast erfriert, um im letzten Moment gerettet zu werden und dann mit einer Gruppe junger Söldner gemeinsame Sache zu machen, ist von langweiligen Sprechpassagen gekennzeichnet und verliert sich irgendwann in uninteressanten Wendungen. Das ignoriert man am besten einfach und konzentriert sich auf die spielbaren Passagen.
Wie bei fast allen Third-Person-Shootern ist die Kameraführung nicht immer ideal gewählt und erschwert in einigen Fällen die Übersicht über das Kampfgeschehen sowie das Anvisieren der Gegner. Weiters sind einige Controller-Tasten irritierenderweise doppelt belegt, was zu Situationen führen kann, in denen man etwa eine am Boden liegende Waffe aufheben möchte, stattdessen aber aus seinem Fahrzeug aussteigt oder seinen Kampfanzug ablegt. So kann „Lost Planet: Extreme Condition“ gelegentlich ein frustrierendes Spiel sein.
Dank zahlreicher, sehr fair verteilter Speicherpunkte und einem gut ausbalancierten Schwierigkeitsgrad hält sich dieser Frust aber in Grenzen. Neben einigen spielerischen Neuerungen werden einem im Einzelspieler-Modus in etwa zehn abwechslungsreiche Stunden geboten. Wer danach keine Lust mehr verspürt, die eine oder andere Passage zu wiederholen, wird im Multiplayer-Modus über Xbox-Live auf genügend menschliche Kontrahenten treffen.