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WERBUNG Online-Games |
"N+": Kleines Spiel, große Wirkung
Videospiele sind nicht dazu da, der Wirklichkeit hinterherzulaufen. Vielmehr sind grob gepixelte Traumwelten, zweifärbige Fantasielandschaften und eckige Sprungplateaus die Zutaten, aus denen einige der originärsten digitalen Kunstwerke zusammengezimmert sind. Anfang der Nullerjahre hatten Games, die technisch simpel gestrickt waren und sich etwa der dreidimensionalen Darstellung verweigerten, noch keinen guten Stand.
Alles musste filmreif, detailverliebt und multimedial ausladend sein. Erst zaghaft begann sich in der unabhängigen Entwicklerszene ein Paradigmenwechsel einzustellen – weniger wegen eines künstlerischen Statements als aus einer personellen und zeitlichen Not heraus.
„Wir haben ein E-Mail von einem namhaften Microsoft-Mitarbeiter bekommen, der in der Firma überall herumzählt hat: ‚Ein Wahnsinn, ich liebe dieses Spiel ‚N!‘ Ich bin total süchtig und kann überhaupt nicht mehr aufhören zu spielen.‘“
Aufwändige Texturen oder Spielcharaktere aus tausenden Polygonen konnte sich kein Mini-Studio, bestehend aus drei oder vier Personen, leisten, das in erster Linie mal ein gutes Game liefern wollte. Erst 2005 ist mit „Darwinia“ der erste große Wurf geglückt, der erfolgreich jenen notwendigen Minimalismus mit Retro - Computerästhetik verknüpft und sich am Markt bewährt hat.
Ein Jahr später war das zweidimensionale Kipp- und Rollspiel „LocoRoco“ eines der meist bejubelten Titel des Jahres, obwohl es mit grafischer Opulenz oder komplexen Routinen wenig am Hut hatte. Jetzt, Anfang 2008, ist „N+“ da, das die reduzierte Optik auf den Höhepunkt treibt – und vielleicht gerade deshalb so erfolgreich ist. Das herausfordernde Hüpfspiel rund um einen kleines, agiles Ninja-Männchen mit einer perfekt präzisen Steuerung ist bereits 2005 von einem kanadischen Entwickler-Duo für Windows, Mac und Linux zum freien Download veröffentlicht worden.
„Wir dachten, es wäre spitze, wenn wir ein Hüpfspiel der alten Schule mit moderner Physik und guter Kollisionsabfrage hätten.“
Jetzt ist „N“ in der Plus-Variante zurück, auf der Spielkonsole Xbox 360, hinter der bekanntermaßen Microsoft, einer der weltweit größten IT-Konzerne, steht. Vom kleinen Indie ins Licht des großen Majors: eine Enwicklung, die von der Games - Industrie in jüngster Zeit gefördert wird und für viele kleine Studios tatsächlich eine akzeptable Gelegenheit zum Karrieresprung darstellt. TBA hat mit Mare Sheppard und Raigan Burns, den Machern von „N+“, über ihr Spiel und ihren Einstieg in die kommerzielle Spiele-Szene gesprochen.
Wie ist das Projekt „N“ entstanden?
Mare: Wir haben uns im Informatik-Unterricht auf der Uni getroffen. Das Fach hat uns ein wenig gelangweilt, und wir dachten dann, dass wir mehr daraus machen können. Programmieren mochten wir nämlich bis zu einem gewissen Grad, und so haben wir beschlossen, gemeinsam ein Spiel zu machen.
War das dann Teil eines Uni-Projekts oder ein reines Freizeitprojekt?
Raigan: Wir haben das nur in unserer Freizeit gemacht, wenn gerade niemand hingesehen hat (lacht).
Der Kern bei „N“ ist für mich der Ninja und die Art, wie er sich bewegt. War das die Ur-Idee? Habt ihr, so wie viele Spieleentwickler, mit Bleistift - Skizzen begonnen?
Raigan: Damit hat es begonnen, ja. In den ersten Wochen war alles nur ein Kreis, erst dann kam die Grafik hinzu.Mare: Wir dachten, es wäre spitze, wenn wir ein Hüpfspiel der alten Schule mit moderner Physik und guter Kollisionsabfrage hätten. Also das klassische Arcade-Spiel kombiniert mit etwas Neuem und Spannendem.
Raigan: Wir wollten auch das Statement machen, dass es nicht um die Grafik des Spiels geht bzw. man Grafik vielseitiger einsetzen kann: Es muss nicht realistisch aussehen, sondern die Darstellung kann mitunter sehr simpel sein. Im Fall von „N“ funktioniert das sogar besser, als wenn optisch alles aufwendiger gestaltet wäre.
„N+“ ist schnell zum meistverkauften Spiel auf Xbox Live Arcade (Download - Plattform der Xbox 360, Anmerkung) geworden. Wie ist es dazu gekommen, dass das Indiegame „N“ zum Spielkonsolen-Hit „N+“ wurde?
Mare: Wir haben ein E-Mail von einem namhaften Microsoft-Mitarbeiter bekommen, der in der Firma überall herumzählt hat: „Ein Wahnsinn, ich liebe dieses Spiel ‚N!‘ Ich bin total süchtig und kann überhaupt nicht mehr aufhören zu spielen.“