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Shoot them up - 30 Jahre "Space Invaders"
Die langsam in Formation nach unten zuckelnden, zweidimensionalen Invaders hätten ursprünglich gar keine Aliens, sondern Flugzeuge oder Menschen sein sollen. Erstes war technisch im Jahr 1978 aber nicht zufriedenstellend umsetzbar und zweites für den Game-Designer Tomohiro Nishikado aus ethischen Gründen nicht erwünscht. Die Wahl des Space- und Science-Fiction-Settings war also eigentlich eine eher zufällige Begebenheit, trotzdem sind nahezu alle Myriaden Nachfolger von "Space Invaders" der Vorlage gefolgt.
Schnell wurde das Videospiel weiter gedacht und entwickelt: Zuerst sind die Außerirdischen bunt eingefärbt worden, irgendwann konnte man sich mit seinem eigenen Raumschiff dann nicht nur horizontal sondern auch vertikal bewegen. Die Gegner nahmen an Anzahl, Angriffstechniken und Detailgrad zu, die Spielumgebung wurde aufgemotzt und das Waffenarsenal der Mutterschiffe markant verstärkt. Die Spielegattung der "Shoot 'em ups" kurz "Shmups", war geboren und erlebte Anfang bis Mitte der 90er Jahre ihre kreative und technische Blüte. Und auch, wenn das Genre in der klassischen Umsetzung heute nur noch ein Nischendasein fristet, sind aktuelle, schlau konzipierte Variationen wie "Rez", "Everyday Shooter" oder das populäre "Geometry Wars" nicht nur respektierte Titel, die zwischen Unterhaltung und Kunst oszillieren, sondern weiterhin eindeutig auf ihren Urgroßvater namens "Space Invaders" zurückzuführen sind.
"Space Invaders" go extreme
Kein Wunder, dass der japanische Hersteller Taito das 30-jährige Jubiläum seines Oldies nützt, um nicht nur jede Menge Merchandise-Ware zu verkaufen (die es leider nur sehr spärlich in den Westen schafft), sondern auch, um das Originalspiel neu aufzulegen. Das ist in den letzten 15 Jahren zwar immer wieder passiert, ein Rundum-Update haben die Alien-Invasoren aber noch nie spendiert bekommen. Bis jetzt, denn "Space Invaders Extreme" für die tragbaren Konsolen Sony PSP und Nintendo DS ist ein gewitzt inszenierter Twist der Originalformel geworden. So können wir dabei zwar immer noch nicht viel mehr als unser nach wie vor hässliches Raumschiff nach links und rechts bewegen, dafür sind nun unterschiedliche Schuss-Varianten hinzugekommen.
Invader in allen Größen, Formen und Fiesheitsgraden sorgen gleichermaßen für Abwechslung, Herausforderung und Frustration, ebenso wie die Bonus-Stages und Herausforderungs-Levels, die in den normalen Spielverlauf miteingebunden sind. Somit ist "Space Invaders" spielerisch gleichzeitig oldschool als auch cutting edge, was ebenso in ästhetischer Hinsicht zutrifft: Einerseits stehen die klobigen, extraterrestrischen Pixelhaufen für die Anfänge von Videospiel-Kultur und sind damit ganz schön retro, andererseits ist ihre Einbindung in zeitgenössische Kunst und als Kontrast zu alter Kultur noch sehr jung. Widersprüche aufheben und Gegensätze vereinen – eine Kunst, die dieses Game tatsächlich spielend beherrscht. Das kann ruhig noch mindestens weitere 30 Jahre so weitergehen. Happy birthday und right on, "Space Invaders"!