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Schönfärberei
Zugegeben, es hat schon ein bisschen was von Orwells "1984" oder John Carpenters "Sie leben", wenn die bösen Schergen der I.N.K.T. Corporation im Gleichschritt durch das schöne Örtchen Chroma ziehen und seiner Farbe und somit seiner pulsierenden Lebensfreude berauben; propagandistische Sprüche wie "Color is crime" machen die triste, nun graue Welt für die Bewohner zusätzlich zum Alptraum.
Wäre da nicht der Held, schlicht de Blob genannt. Es handelt sich in diesem Fall tatsächlich um einen holländischen Namen, den das Entwicklerteam der Utrecht School of Arts Studie dem Helden dieses Konzeptspiels der Städteplanung gab (mittlerweile wurde dieser auch in den Stand eines offiziellen Maskottchens der Stadt erhoben). Jedenfalls ist de Blob ein meist kugelförmiger, flummiartiger Riesentropfen, der sich rollend und springend durch die Häuserschluchten und über Dächer der trostlos grau gewordenen Stadt bewegt.
Dabei nimmt er wie ein Schwamm aus bereitstehenden Restbeständen Farbe auf und ändert somit selbst auch den Farbton, den er wie eine Malerwalze oder ein triefend vollgesaugter Tafelschwamm an die Umgebung abgibt. Das nicht nur in simplen Primärfarben, sondern auch gleich als komplette farbliche Reanimation; Plakatwände z.B. werden durch Kontakt wieder zum bunten Banner. Einzige Hindernisse sind, neben den physikalischen Grenzen, die es durch Springen oder Ausnutzen eines entsprechenden Bewegungsmoments zu überwinden gilt, die Zeit pro Level, schwarze Farbe, die man schnellstens mit klarem Wasser ausspülen sollte, und die Schergen der I.N.K.T. Corporation. Diese können aber in guter alter Nintendo-Manier buchstäblich eingestampft werden.
In Farbe und Bunt
Freilich wäre es zu simpel, einfach nur wahllos mit Farbe herumzuschleudern; die Levels sind durchsetzt mit Spezialprüfungen, bei denen nicht nur das Zeitlimit und ein notwendiger Grad an Mindest-Geschicklichkeit den Spieler herausfordern, sondern auch eine bestimmte Farbe an der richtigen Stelle oder eine exakte Reihenfolge eingehalten werden muß. Da kann es mitunter hektisch werden am Controller, dennoch ist de Blob ein vergleichsweise einfaches Spiel, das seine Stärke ganz eindeutig im puren Arcade-Vergnügen findet. Erinnerungen an die goldene Zeit des Commodore 64 werden wach, als einfache Spielkonzepte wie "Marble Madness" oder "Bomb Jack" mit wenigen Pixeln stunden- und tagelangen Spielspaß bereiteten.
Im Geiste dieser geradezu minimalistischen, aber umso langfristiger immer wieder spielbaren Ideen liegt die Stärke der Konsolen von Nintendo. THQ hat das erkannt und mit dem Erwerb der Urversion aus Utrecht und der gekonnten Portierung eine beachtlich feine Nase für die Branche und ein gutes Händchen bei der Wahl der richtigen Plattformen bewiesen. Denn, und das ist der Paukenschlag, mit der Vorabveröffentlichung für das iPhone, das aufgrund seiner Schwerkraftsteuerung ja ähnlich wie die Wii ein ideales (wenn auch rares) Instrument zur Bewegung des bunten Wonneproppens ist, konnte geschickt bis zum tatsächlichen Release für Wii und NDS der nötige Hype erzeugt werden. Let it Roll!