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Der Weg ist das Ziel
Wirft man seine Spielkonsole an, will man unterhalten, aber auch gefordert werden. In welcher Form auch immer, sei es, dass es einen bestimmten Highscore zu knacken gilt oder auch einfach, dass man nach und nach Endgegner besiegt, um schließlich euphorisch den Abspann in Augenschein nehmen zu können. Als besonders gelungen gelten Spiele, die uns zuerst mit kleinen Erfolgshäppchen anfüttern, stetig unmerklich den Schwierigkeitsgrad nach oben korrigieren, uns vor bewältigbare Herausforderungen stellen, die nicht beim ersten Versuch gelingen mögen, allerdings so angelegt sind, dass sie nicht in Frust ausarten. "Mirror’s Edge" ist leider einer der Titel, denen das nicht immer gelingt.
Geschickt verbindet das Spiel in einer in dieser Form noch nicht dagewesen Weise die Ego-Perspektive mit Jump’n’Run- und Action-Elementen und stülpt eine stylische Optik darüber. Inmitten einer futuristischen Metropole übernimmt man die Rolle der attraktiven Heldin Faith. Sie ist ein Runner. Ein illegaler Kurier, der Waren in einer Welt transportiert, in der Kommunikation und Informationsfluss von der Staatsgewalt strengstens überwacht werden. Und wird als solcher natürlich gejagt. Und wäre das nicht schon genug, gilt es außerdem noch den Mord eines prominenten Politikers aufzuklären, der der Schwester von Faith angehängt wird.
Die sehr menschliche Hauptdarstellerin muss ohne Superkräfte und auch weitestgehend ohne Waffen auskommen. Dafür ist sie eine äußerst geschickte Traceurin. Egal, ob es Wände oder Zäune zu überwinden, Abhänge herunterzurutschen oder sich schmale Vorsprünge entlangzuhangeln gilt, kein Hindernis scheint der Athletin zu hoch, kein Abgrund zu tief. Gute Reflexe sind bei dem durch Verfolgungsjagden und Flucht-szenarien dominierten Gameplay essenziell. Denn wenn man mit Anlauf vom Dach eines Wolkenkratzers zum nächsten springt, sich kurz abrollt, um unter einem Rohr durchzurutschen oder eine Wand entlangzulaufen um ein Seil zu erreichen, muss oft innerhalb von Millisekunden entsprechend reagiert werden, um nicht eine Häuserschlucht hinabzustürzen.
Passiert das ein paar Mal, weil man partout eine Passage nicht schafft, kann der Frustpegel schnell Überhand nehmen. Faith ist Waffen gegenüber grundsätzlich abgeneigt. Wenn erforderlich, entreisst sie ihrem Gegenüber aber auch schon mal die Pumpgun und weiß diese auch entsprechend einzusetzen. Und auch ihre waffenlosen Nahkampfkünste sind nicht zu verleugnen. Nichtsdestotrotz reichen schon wenige Treffer eines Gegners, um Faith niederzustrecken, weswegen man Situationen, in denen man es mit mehr als zwei Opponenten aufzunehmen hat, tunlichst vermeiden sollte. So sehr die Welt von Faith durch ihr innovatives Konzept gefällt, sich der Stil des Spiels durch seine erfrischend hellen, warmen Farben angenehm vom Einheitsdüster im Action-Genre abhebt und die durch In-Game- und Comicszenen erzählte Story Atmosphäre aufzubauen versteht, man wird das Gefühl nicht los, der hohe Schwierigkeitsgrad soll die kurze Spieldauer kaschieren.
Gott sei Dank sind Demo-Versionen des Spiels verfügbar, die ein kostenloses Probespiel ermöglichen. Wer den darin enthalten Tutorial-Level beendet, ohne den Controller gegen die Wand zu werfen, kann bedenkenlos zur Vollversion greifen. Alle anderen sollten sich woanders umsehen. Es wird nach den ersten Demo - Levels nicht einfacher.
Plattformen: PlayStation 3, Xbox 360; PC (Januar)
Hersteller: Dice / Electronic Arts
Wertung: 8/10