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PC als Spielgerät
In den letzten Jahren gab es einige Hiobsbotschaften für PC - Spieler: Die großen Entwickler konzentrierten sich vermehrt auf die Next - Gen - Konsolen Playstation 3 und Xbox 360 und kehrten dem PC den Rücken. Zu wenig Verkäufe, zu komplizierte Spieloptimierung für die bunte Hardwarelandschaft und vor allem: zu groß die Raubkopierszene. Viele der heiß erwarteten Titel der letzten Jahre – "GTA IV", "Mirror’s Edge", "Gears of War II", "Assassin’s Creed" – erschienen entweder gar nicht oder nur mit mehrmonatiger Verspätung für den PC, und dann oft in nur schlampig umgesetzten Versionen. Der seit den Anfängen des Gamings wogende Krieg zwischen Konsolenjüngern und PC-Anhängern schien 2008 beendet – und die Konsolen hatten gesiegt.
Oder auch nicht. Während von den großen Entwicklern lautstark über die PC - Games - Verkaufsrückgänge und die geschäftszerstörenden Raubkopierer gejammert wurde, bleiben die zunehmend beliebten digitalen Downloads über Plattformen wie etwa Steam in den Aufstellungen bislang stets unberücksichtigt. Und diese Zahlen dürften beachtlich sein: Einigen Schätzungen zufolge dürften inzwischen beinahe ebenso viele Spiele im Internet via Download wie im Laden verkauft werden. Eigentlich nicht überraschend, denn die potenzielle PC - Nutzerbasis übertrifft jene aller großen Konsolenhersteller zusammengerechnet bei Weitem: Ein Windows - PC steht inzwischen in so gut wie jedem Haushalt. Auch der nicht wegzuleugnenden Piraterie kann innovativ begegnet werden: Anstatt wie etwa Electronic Arts mit drakonischem Kopierschutzhürdenlauf die ehrlichen Käufer zu verärgern, senkte zum Beispiel Valve, einer der größten PC-exklusiven unabhängigen Entwickler, in einer Promo - Aktion im Februar den Preis von "Left4Dead" (großes Bild) kurzzeitig um 50 % – und verkaufte sagenhafte 3.000 Prozent mehr Einheiten als zum schon nicht schlechten Verkaufsstart. "Piraten", so meinte Gabe Newell, Chef von Valve, "sind letztlich nur unterversorgte potenzielle Käufer": Wenn Angebot und Preis stimmen, seien die meisten Raubkopierer nachweislich zum Kauf bereit. Kleine PC - exklusive Entwickler wie Stardock oder Paradox verzichten deshalb zum Teil ganz auf DRM und programmieren für eine spezialisierte, aber weltweite PC - Spielergemeinde abseits des Mainstreams – gemessen an der Größe der Studios mit großem finanziellem Erfolg. Auch der anhaltende Erfolg des PC - Titels "World Of Warcraft", dessen über elf Millionen Spieler im Jahr mehr als eine Milliarde Dollar springen lassen, lässt selbst die Margen der größten Konsolenhits alt aussehen. Man sieht: Mit PC - Spielen lässt sich nach wie vor sehr viel Geld verdienen – wenn man nicht den Fehler begeht, den PC einfach als weitere Konsole zu betrachten und die Eigenheiten und Vorteile der Plattform für sich nutzbar macht.
flexibel gewinnt
Der Vorteil des PC liegt in seiner Flexibilität – von komplexeren Steuerungsmechaniken über rasch erfolgende Anpassung bis zur Vernetzung. Hochkomplexe Strategietitel wie "Empire: Total War" (Review dazu in diesem Heft auf Seite 46) lassen sich per Joypad bislang nicht vernünftig bedienen, und es ist auch kein Zufall, dass es trotz des Siegeszugs der Egoshooter auf den Konsolen und trotz ursprünglicher diesbezüglicher Absichten von Microsoft kein direktes Kräftemessen zwischen Konsoleros und PC - Spielern auf diesem Gebiet gibt: Die Kombination Maus und Tastatur ist in Geschwindigkeit und Präzision derart dem Joypad überlegen, dass der größte Aufwand bei der Portierung von Konsolentiteln auf den PC darin liegt, diese nachträglich herausfordernder zu gestalten. Selbst die konsolenverwöhnte Spieler abstoßende Unsitte, PC - Spiele per Patchlieferungen wiederholt nachträglich upzudaten, hat auch ihre positiven Seiten: Spiele wie "Team Fortress 2" oder "World Of Warcraft" werden laufend gewartet, verfeinert und ausbalanciert, und manchmal gibt’s sogar neue Spielinhalte wie weitere Levels, Gegenstände oder Episoden als Gratisnachschlag dazu – ein Geschäftsmodell, das gerade den verstärkt auf extra zu bezahlenden "Downloadable Content" setzenden Konsolenspielherstellern Kopfzerbrechen bereitet.
frei im Netz
Im Unterschied zur eingeschränkten Online - Anbindung moderner Konsolen erhalten auch die unendlichen Weiten des Internets den PC als Spielmaschine interessant und quicklebendig: von Spielen jeder Art im Webbrowser bis hin zu den fast endlosen Games - Archiven und Community-generated Content in Tausenden Mods, die auch ältere Titel über Jahre hinweg spannend und rentabel erhalten. Während etwa Nintendo restriktiv und ohne Verständnis auf seine zart aufblühende Homebrew - Szene reagiert und auch Sony und Microsoft Privatentwickler nur selektiv und kostenpflichtig auf ihre Online - Marktplätze lassen, steht PC - Gamern von Indie über Freeware bis hin zu Abandonware ein kreativer – und in der Regel kostenloser – Spielplatz ohne Grenzen offen. Auf den folgenden Seiten werfen wir einen kurzen Blick auf diese bunte Welt der PC - Spiele abseits der offiziellen Mainstream - Spielewelt, die den Konsoleros – trotz aller Verkaufszahlen – bis auf Weiteres vorenthalten bleibt.