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WERBUNG Online-Games |
Die Revolution der Kleinen
Die Einstiegshürde. Je weiter wir in der Computer-Geschichte zurückgehen, desto höher ist sie und desto klarer fällt die Unterscheidung zwischen Geek und Nicht-Geek aus. Computerspiele? Dafür brauchte man Anfang der 1980er - Jahre erst Mal einen Überblick über die vielen Systeme, die man damals kaufen konnte. Stand dann nach ein paar Tagen der verhältnismäßig preisgünstige C64 im Zimmer, war es unumgänglich, zuerst das Gerät und seine Bedienung ausgiebig kennenzulernen bevor man selbstsicher "Winter Games" ins Floppy - Laufwerk einlegen konnte.
Zurück in der Gegenwart steckt die bis vor Kurzem noch technisch unbedarfte Rentnerin ihren USB - Stick für mobiles Internet in den Laptop, öffnet den Browser und genießt frei von technischen Problemen die inhaltliche Vielfalt: Nachrichten, Gossip, Kochrezepte, eine Partie "Mühle". Der Computer stellt keine Barriere mehr dar, gleichzeitig wurde das Angebot aus dem Netz in den letzten Jahren vielfältiger, professioneller und zugänglicher. Auch, wenn es viele jetzt im Nachhinein verharmlosen wollen: Das, bei dem sie noch vor gar nicht langer Zeit desinteressiert abgewunken haben, gehört heute zu ihrem Alltag: Flickr, Twitter, Facebook, Flash - Games.
Mehr als sich die neuen User über ihre vielen neuen Beschäftigungen freuen, frohlockt die Videospiel - Industrie, die sich von der Wirtschaftskrise bislang ziemlich unbeeindruckt zeigt. Kein Wunder, bei so einem Marktzuwachs: Seit der Einführung der Wii von Nintendo sind Gelegenheitsspiele ein mindestens so großes Segment geworden wie der Markt der klassischen, aufwendigen Games für jene, die für den optimalen Spielegenuss teure Hardware kaufen und in geduldiger Kleinarbeit an ihren PC schrauben. Casual Games sind heute überall: Am iPhone, im Browser, am tragbaren Nintendo DS, auf den Heimkonsolen. Die vielen Mathe - Aufgaben, Fitness - Trainer, Knobelaufgaben, Puzzle - und Musikspiele sind meist simpel in der Entwicklung, verkaufen sich oft aber ebenso gut wie so manches Großprojekt, das mehrere Millionen Euro an Produktionskosten verschlingt.
Erfreulicherweise profitieren von der Revolution der kleinen Games nicht nur die großen Unternehmen sondern ebenso unabhängige Mini - Teams. Auch Einzelpersonen wie etwa der aus Shanghai stammende Jenova Chen, der mit seiner Masterarbeit "Flow in Games" und dem dazugehörigen Spiel "flOw" das Genre der Entspannungsspiele begründet hat, rücken dank des neuen Publikumsinteresses mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit als noch vor wenigen Jahren. Chens Spiele, aktuell das Blumenpustespiel "Flower" (siehe Bild) sind gefeierte Titel, die es von Flash - Games auf renommierte Plattformen wie PSP und PS3 geschafft haben.
Wem das zu angepasst ist und wer sich nicht auf die Vertriebsstrukturen der großen Unternehmen verlassen möchte, wagt den Schritt zum Jungunternehmer. Markus Mundjar und Philipp Seifried aus Wien haben sich vor gut einem Jahr dazu entschlossen, gemeinsam ihre zwei Mann - Firma Bobblebrook zu gründen. Die neuen Möglichkeiten, die durch die starke Durchdringung von Flash - Spielen im Web entstanden sind, machen es möglich, dass die beiden nicht nur in wenigen Wochen eigene, originäre Games entwickeln, sondern sich auch selbsttätig um Vermarktung und Vertrieb dieser kümmern können. Noch kommen Markus und Philipp nicht ohne Auftragsarbeiten aus der Werbeindustrie aus, der Weg für eine komplett unabhängige und kreative, freie Spieleentwicklung ist für die beiden aber vorgegeben. Bobblebrooks viertes Spiel, "Coign Of Vantage", bei dem man gepixelte Bildchen in einem 3D - Raum in die richtige Perspektive drehen muss, hat sich bereits durch viele Fan - Blogs und firmeninterne Netzwerke diverser Games - Entwicklerstudios gearbeitet. Wenn der Ruf des Wiener Startups auf diese Weise weiter steigt, erhöht das den Verhandlungsspielraum bei künftigen Lizenzgesprächen – denn die Vertriebsplattformen bei Flash - Spielen sind in erster Linie spezialisierte Websites wie Kongregate.com oder Newgrounds.com. Täglich werden dort neue, von der Community selbst gebastelte Animationen und Games präsentiert, bewertet und natürlich angesehen und ausprobiert.
Spiele für alle, Spielen von allen: Der Casual Games-Markt ist der nächste große Schritt zur öffentlich wahrgenommenen Vielfalt von Games - Kultur. Computer - und Videospiele haben die Brücke vom leidenschaftlichen Expertentum im abgedunkelten Spielzimmer hin zum lockeren Zeitvertreib in der Mittagspause geschlagen. Das schafft wechselseitiges Interesse: Jeder aufgeschlossene Profi - Spieler lässt sich von guten Flash - Spielereien begeistern. Und wer weiß? Womöglich erwischt man bald auch die ehemalige "Ich spiele nur Tetris am PC" - Bekanntschaft plötzlich beim hochkonzentrierten Schwitzen vor der Heimkonsole.